Gastkommentar: Hoher Preis für Halbherzigkeit

Gastkommentar
Hoher Preis für Halbherzigkeit

Die gute Nachricht: Es gibt eine Lösung für die finanzielle Misere der Euro-Zone, so Finanzprofessor Raguram Rajan. Doch die Politiker reagierten oft zu spät auf Krisenereignisse. So erzeugten sie „Untätigkeitskosten“.

Vor kurzem war ich in Europa, wo ich Ökonomen, Journalisten und Geschäftsleute traf, die über ihre Politiker gründlich frustriert waren. Warum, so fragten sie sich, können die Politiker den vor ihnen liegenden Abgrund nicht erkennen und sich zusammensetzen, um die Euro-Krise ein für alle Mal zu lösen? Selbst wenn keine Einigkeit darüber besteht, wie diese Lösung aussehen könnte, stellt sich die Frage, warum man nicht einen Plan konzipiert, der über die wiederholt ergriffenen, halbherzigen Maßnahmen hinausgeht. Politiker werden den Problemen Europas nicht gerecht, weil sie der Entwicklung ständig hinterherhinken. Warum ist es für sie so schwierig, Führerschaft zu übernehmen?

Die beste Antwort, die ich auf diese Frage gehört habe, stammt von Axel Weber, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank und scharfsinniger politischer Beobachter. Webers Ansicht zufolge verfügen politische Entscheidungsträger einfach nicht über das Mandat, Probleme im Vorfeld anzugehen, vor allem, wenn es sich um neuartige Probleme handelt, die anfangs klein erscheinen, aber potenziell hohe Kosten verursachen, wenn sie nicht gelöst werden.

Tritt das Problem zum ersten Mal auf, ist die Öffentlichkeit von den potenziellen Kosten der Untätigkeit nicht überzeugt. Wird das Problem durch Maßnahmen abgewendet, hat die Öffentlichkeit keine Ahnung von der verhinderten Misere, und die Wähler strafen die Politiker deshalb für die unmittelbaren, durch diese Maßnahmen entstandenen Kosten ab. Selbst wenn Politiker die Katastrophe zur Gänze voraussehen könnten, die ohne Gegenmaßnahmen eintritt, haben sie wenig Möglichkeiten, ihre Wähler oder weniger einsichtsvolle Parteimitglieder von den kurzfristig zu bezahlenden Kosten zu überzeugen.

So bleibt es bei Lippenbekenntnissen, und in Ermangelung gegenteiliger Beweise erscheint die Erhaltung des Status quo bequem genug. Die Möglichkeiten politischer Entscheidungsträger, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, werden erst mit der Zeit größer, wenn manche Kosten der Untätigkeit spürbar werden.

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Hoher Preis für Halbherzigkeit

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Die Politik selbst erzeugt mitunter fatalen Aufruhr

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