Gastkommentar "Kein Wunder, dass soziale Unruhen ausbrechen"

Die Politiker müssen sich bei der Bekämpfung der Euro-Krise endlich zusammenzuraufen. Die Lage wird immer schlimmer. Fürs Zögern bleibt keine Zeit mehr.
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Der Autor ist CEO und Co-CIO von Pimco sowie der Verfasser von „Märkte im Umbruch". Quelle: Harvard University News Office

Der Autor ist CEO und Co-CIO von Pimco sowie der Verfasser von „Märkte im Umbruch".

(Foto: Harvard University News Office)

Zur Beschreibung der sich immer mehr verschlimmernden Krise Europas wurden viele Metaphern verwendet. Für manche ist es fünf Minuten vor zwölf, andere sehen Europa als ein Auto, das mit Vollgas in Richtung Abgrund rast. Alle sehen eine existenziell gefährliche Situation.

Optimisten glauben, bei einer wirklich kritischen Entwicklung würden die Politiker die Dinge umkehren und Europa zurück auf den Weg von Wirtschaftswachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen und finanzieller Stabilität bringen. Aber die Anzahl und der Einfluss der Pessimisten haben immer mehr zugenommen.

Sie sehen, wie politische Hilflosigkeit mit finanziellem Chaos einhergeht, was die ursprünglichen Fehler bei der Gestaltung der Euro-Zone noch weiter verstärkt. Je mehr sich die Reaktion der Politik auf die Krise verzögerte, desto drängender wurden die Fragen über die Zukunft Europas. Dass die Währungsunion der 17 Mitglieder weiter besteht, ist nicht mehr selbstverständlich.

Immer mehr und immer lauter wird davon gesprochen, dass Griechenland und andere Staaten austreten könnten. Und nur beinharte Idealisten verkennen das zunehmende Risiko einer völligen Auflösung der Euro-Zone. Trotz alledem sehen viele Veteranen der europäischen Integration über ihrem Projekt einen Silberstreifen am Horizont.

Ihrer Ansicht nach kann nur eine Krise die Politiker davon abhalten, weiter Flickwerk zu betreiben, und sie stattdessen dazu bringen, die notwendigen politischen Initiativen in den Bereichen Haushalt, Bankwesen und politischer Gemeinschaft voranzutreiben. Aber diese Sichtweise hat ihre eigenen Risiken.

Es wird angenommen, dass die Politiker, wenn es wirklich hart auf hart kommt, tatsächlich das Nötige tun - die Frage nach der Bereitschaft. Ferner setzt sie voraus, dass sie dies auch können - die Frage nach der Fähigkeit. Und in letzter Zeit hat die Unsicherheit über die zweite Frage drastisch zugenommen.

Politiker dürfen nicht zögern
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29 Kommentare zu "Gastkommentar: "Kein Wunder, dass soziale Unruhen ausbrechen""

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  • Letztlich geht es Schäble und CO sowie seinen Komplizen doch darum in Brüssel eine Finanzdiktatur einzuführen mit willkürlichen Finanzregeln die durch den ESM sogar noch legalisiert werden sollen.

    Jetzt schnell ein Europischer Justizminister ins Amt gestellt werden, dem zur Seite muss ja dann wohl auch daraus folgend eine ausführende Gewalt bereitgestellt werden.

    usw....usw...

    Demokratie wird abgebaut, Zentralregierung in Brüssel aufgebaut, nur leider keine Demokratische sondern eher eine Diktatorische.

    Einige wenige sollen dann (rechenschaftsfrei, rechtlich unantastbar, im Hintergrund in Brüssel) über alle Euroländer hinweg regieren.




  • @Rechner
    Man stelle dem Volk folgende Frage: Wollen sie, dass der Euro
    bankrott geht und ihre Ersparnisse und Lebens- und Direktversicherungen flöten gehen? Was meint Ihr im Blog dazu? Plötzlich sind vielleicht 80% für den Euro, obwohl die
    Masse ihn ablehnt.
    MfG
    Walter Schmid

  • Sehe ich ganz genau so. Danke für Ihren Kommentar!

  • ... um die Metapher weiterzuspinnen:
    Unsere Politiker und auch die Barosos, Draghis, Junkers, Hollands und Montis haben selbstverständlich High-End-Schwimmwesten, die ihr persönliches Überleben garantieren. Sie ziehen ihre Westen dicht, während sie dem nur im Hemd stehenden Volk auf dem Floß zuschreien: " Schneller rudern, strengt euch mehr an, wer abspringt wird erschossen!"

  • ich seh das so: Die €-Politiker haben mit dem €, der EZB und der eingeführten Schuldenhaftung ein Perpetuum mobile der Schuldenproduktion erfunden. Die €-Länder generieren Staatsschuldverschreibungen, die von privaten €-Banken gekauft werden. Diese Banken bekommen EZB Kredite zu 1% +/-
    und kaufen damit diese Staatsschulverschreibungen ab 6%+. Im Zweifel kaufen sie nicht oder zögern ==> das erhöht die Rendite dieser Papiere. Wollen sie immer noch nicht kaufen, dann kauft die EZB. In jedem Fall aber können die privaten Banken ihren Scheiß bei der EZB abladen. Der Steuerzahler garantiert für diese Papaiere.
    Hier gibt es eine Lösung. Eine Laterne, ein Strick und einen verantwortlicher Politiker oder Bankster. Langsam hochziehen und auszappeln lassen. Danach gibt sich das Volk seine eigene Verfassung mit der Begnadigung aller politisch verursachten Morde. Die notwendigen Unruhen, Umstürze und Aufstände sind ja machbar. Das Floß wird quasi mit den Verursachern der Misere besetzt. Die Bürger stehen am Ufer und verhindern eine Landung des Floßes oberhalb des Wasserfalls. Unterhalb des Wasserfalls wird sichergestellt, dass kein Verursacher überlebt hat.

  • Naja, sie wollten unbedingt vom noch steuerbaren Boot aufs nichtsteuerbare Floß umsteigen. Tja, manchen Leuten ist halt nicht zu helfen.
    Habe ihnen beim Abschied noch gute Fahrt gewünscht und bin mit dem Boot in den sicheren Hafen gefahren.
    Das wars dann !!!!!!!!!!!!!!!!!

  • "Aber die Anzahl und der Einfluss der Pessimisten haben immer mehr zugenommen."

    Das ist immer so wenn die Konjunkturlage sich verschlechtert. Und das tut sie weltweit, ausgelöst durch eine immense Immobilienblase in den USA. Einer Volkswirtschaft, die angeblich innovativ, freiheitlich vorausschauend in der Lage ist Wachstum ohne Ende zu produzieren. Dieser Mythos scheint gerade einen langsamen schmerzlichen Tod zu sterben.
    Da hält sich Europa wacker, und das trotz Pessimisten. Europa ist demokratischer und sozialer ausgerichtet aus China, als die USA, als Russland, und als die meisten anderen Staaten außerhalb dieser Zone. Das hat seinen Preis, auch wenn es Zeit kostet.
    Was soziale Unruhen sein sollen, vielleicht die Rassenkonflikte, wegen denen wahrscheinlich Kennedy umgebracht worden ist? DAS nenne ich soziale Unruhen, im übrigen mit ähnlichen Nord Süd Konstellationen. Die Sklaven im Süden waren auch nur zu faul zum arbeiten?
    Europa setzt sich da wohltuend ab, aber wie die meisten Dinge, man weiß erst zu schätzen was man hat, wenn man sich das mal von außen nach innen ansieht, oder die Dinge, die man hat, plötzlich nicht mehr hat.
    Pessimisten gibt es immer, aber das waren selten diejenigen, welche Mitbestimmung, Frieden und Fortschritt gebracht haben.

  • Ziemlich einfache Sache: Der (Geld-)Wasserfall, den Herr El-Erian beschreibt, ist das Fehlkonstrukt Euro. Unten am Wasserfall stehen die Mafia und die Großbanken und fangen das Geld auf. Wenn Deutschland aus dem Euro austritt, ist der Wasserfall sofort weg. Es gibt einen Knall, aber Deutschland ist halbwegs gerettet.
    Deutschland wird nicht untergehen, weil es eine produzierende Industrie hat. Die ist auch nach der Krise noch da. In den angelsächsischen Ländern platzen die Großbanken - und das ist gut so. Die Bereinigung muss und wird kommen, je später umso schlimmer. Es muss die Luft raus aus dem aufgeblasenen Finanzsektor und in Südeuropa muss man mal wieder wirtschaften lernen statt Schmarotzen.
    Das Alles ist leider unvermeidlich aus einem ganz simplen und einfachen Grund: Deutschland kann den ganzen Mist einfach nicht bezahlen, selbst wenn es so wie der irre Schäuble bedingungslos will. Und China will nicht mehr. Daher ist eben so oder so bald Schluss mit der Schulden-Party. Je eher, umso besser für Deutschland. Das ist kein Defätismus, sondern simple, traurige Logik.
    Vielleicht bekommen wir aber vorher noch die große Inflation durch die EZB + FED. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass die Ängste meiner Großmutter (aus den 20er Jahren) wiederkommen können. Aber Herr Kohl und Herr Mitterand haben es mit Hilfe von Merkel/Schäuble/Gabriel/Trittin geschafft: Europa steht wieder einmal am Abgrund. Unglaublich wie blöd und verantwortungslos unsere Politiker sind. Der zweite große Sündenfall (nach der Euro-Einführung) war der Bruch der no-bailout Klausel (und die mangelnde Kontrolle der Club-Med-Strukturen davor). Jetzt ist die Büchse der Pandora geöffnet und der Untergang Europas vermutlich nicht mehr zu stoppen.

  • O-Ton 'Handelsblatt'
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    "Die Lage wird immer schlimmer. Fürs Zögern bleibt keine Zeit mehr."
    ------------------------

    Pimco-Anleihenzocker El-Erian versucht Panik zu schüren.

    Wohl weil das seiner Anlagepolitik zugute kommen würde.

    Denn - was ist eigentlich los?

    Griechenland ist auf dem Weg der Selbstauflösung. Ob mit oder ohne Zögern - hier steht nur noch exitus mortalis auf dem Programm.

    Irland und Portugal laufen eher positiv. Auch hier keine Panik angesagt.

    Italien dürfte dieses Jahr kein primäres Haushaltsdefizit mehr haben. Also, Mohamed, wozu die Panik?

    In Spanien ist die Haushaltssanierung noch nicht beendet. Und zwar, weil zusätzliche Haushaltsrisiken aus den Banken und den Rehionen in den letzten Monaten offenbar wurden.

    Spanien zahlt im Moment etwas zu hohe Zinsen am Markt - etwa 2,5% über dem Durchschnitt siener derzeitigen Staatsschuld.

    Sollte dieser Zusatnd noch bis zum Ende des Jahres anhalten, dann würde das Spanien angesichts eines für den Rest des Jahres Refinanzierungsbedarfs von etwa 50 Milliarden über die laufzeit der zwecks dieser refinanzierungen begebenen Anleihen etwa 1,25 Milliarden pro Jahr kosten.

    Angesichts eines Haushaltsdefizits von 91 Milliarden 2011 sind die 1,25 Milliarden also nun wirklich nicht kriegsentscheidend.

    Grund für unziemliche Hast ist das jedenfalls nicht. Besser richtige Entscheidungen als hastige.

    Das paßt den amerikanischen Finanzmafiosi natürlich nicht in den Kram. Drängen auf schnelle Entscheidungen ist ein klassischer Winkelzug von Anlagebetrügern.

    Denn demnächst steht das US-Haushaltsdefizit wieder im Spotlight.

    Und wehe wenn die Chinesen und Japaner keine Lust mehr haben, die amerikanische Verschwendungswirtschaft zu finanzieren.

    Dann wird sich schnell zeigen, daß Amerika Griechenland mit Atomraketen ist.

  • http://www.fotosearch.de/illustrationen/b%C3%A4r-gro%C3%9Fmarkt_2.html#comp.asp?recid=3397138&xtra=

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