Gastkommentar: Keine Hilfe für Steueroasen!

Gastkommentar
Keine Hilfe für Steueroasen!

Zyperns Geschäftsmodell heißt: Steueroase. Jahrelang hat der Inselstaat damit Geld aus der EU angelockt. Jetzt ist er pleite und braucht den Rettungsschirm. Die Hilfe sollte an Bedingungen geknüpft sein.
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BrüsselIn den letzten Tagen hat sich bestätigt, dass auch Zypern in absehbarer Zeit einen Antrag auf Unterstützung aus den EU Rettungsfonds EFSF und ESM stellen wird. Die Eurogruppe hat bereits ihre prinzipielle Bereitschaft angekündigt, Zypern zu helfen. Aufgrund der starken Verbindungen von zypriotischen und griechischen Banken werden die Institute des Inselstaates sehr bald nicht mehr in der Lage sein, ihre gestiegenen Kapitalanforderungen zu erfüllen. Da der zypriotische Staat aber nicht die Mittel hat hier einzuspringen, ist er auf Hilfe von außen angewiesen. Von den Kapitalmärkten ist das Land inzwischen abgeschnitten und auch die Europäische Zentralbank akzeptiert nach Herabstufung durch die wichtigen Ratingagenturen keine Anleihen mehr von Zypern als Sicherheiten bei Refinanzierungsgeschäften.

Auf der anderen Seite hat Zypern sich seit Jahren als Steueroase positioniert: Auf aktuell rund 900.000 Einwohner kommen in Zypern nach Schätzungen etwa 250.000 Kapitalgesellschaften – kein Wunder, bei einem Niedrigsteuersatz von 10% auf Gewinne von Körperschaften und keiner effektiven Pflicht die Eigentumsverhältnisse in öffentlichen Registern dokumentieren zu müssen. Dieser Satz liegt deutlich unter dem EU Durchschnitt und ist darum ein wichtiger Grund für europäische Konzerne sich in Zypern niederzulassen.

Es ist aber nicht nur dieser niedrige Steuersatz. Auch weitere Merkmale des zypriotischen Konzernsteuerrechts machen das Land als Steueroase für Unternehmen aus der EU und anderen Ländern attraktiv. Holdinggesellschaften sind praktisch steuerfrei, weil Zypern keine Abgaben auf Einkünfte aus Beteiligungen und auch nicht auf Dividenden von ausländischen Töchtern erhebt. Immer wenn ein EU Tochterunternehmen Gewinne an eine zypriotische Mutter ausschüttet, die mit mehr als 10% an der Tochter beteiligt ist, weder eine Besteuerung dieser Ausschüttung im Quellenland noch in Zypern erfolgt. Dass keine Quellenbesteuerung in der EU stattfinden kann, liegt an den Vorschriften der Mutter-Tochter-Richtlinie, die eigentlich zur Vermeidung von Doppelbesteuerung bei Beteiligungen von über 10% dient. Wenn im Land der Mutter aber keine entsprechende Steuer erhoben wird, kommt es zur Doppel-Nichtbesteuerung. Auch die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung greift daher nicht.

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  • Tyler Durden Volland

    Werter Herr Giegold, das ist ebenso richtig wie oberflächlich:

    "Wie auch Irland konnte Zypern mit diesem Geschäftsmodell zu Lasten anderer Länder Europas zunächst einen Boom im eigenen Land auslösen, hat aber keine nachhaltige Wertschöpfung erzielt und steckt heute in tiefen Problemen."

    Auch sie sollten eigentlich sehen können, dass die Konsequnezen solcher Politik eben keinswegs eine Entität namens Zypern treffen, sondern ganz bestimmte Menschen in dem Land. Und zwar in diesen beiden Fällen Boom und Problem völlig verschiedene. So zu tun als sei diese Politik ganz, ganz schrecklich oder sogar falsch, ist völliger Unsinn. Diese Politik war gewollt und sie hat genau den Zweck erfüllt, den sie erfüllen sollte.

    Das ist in DE nicht viel anders, und das einzige Problem das es in Demokratien gibt, ist die Unfähigkeit der Wähler dies zu begreifen.

  • Bevor man das Kind mit dem Bad ausschüttet sollte man doch fragen, wer mehrheitlich Kunde in Zypern ist. Da ist sehr viel Syrien, Libanon, Israel und Türkei dabei. Alles Staaten, die der EU finanziell gesehen eher gleichgültig sein müßten, da sowieso nichts zu holen ist, wenn man diese Kunden vertreibt. Das stiftet eher politischen Schaden.

  • Fragen wir Gabriel der gerne gegen die Schweiz schießt aber den Zyprioten mit Eurobonds helfen will, wie er das unter einen Hut bringen kann.

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