Gastkommentar
Mehr Schulden bedeuten weniger Vertrauen

Einige Ökonomen wollen die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden lösen. Das ist der falsche Ansatz: Hohe Verbindlichkeiten beeinträchtigen das Wachstum. Warum solide Staatsfinanzen helfen, zeigt der Fall Deutschland.
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Verfolgt man die Argumentation des amerikanischen Ökonomen Paul Krugman, dann stellt sich die Bewältigung der Staatsschuldenkrise ganz einfach dar: Europa muss nur kräftig die Staatsausgaben erhöhen, und dann wird es sich schon am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Dass der Nachfragesog aus Europa nebenbei auch die Arbeit der US-Regierung erleichtern würde, sei nur am Rande erwähnt.

Es ist kein Zufall, dass die Botschaft Krugmans auch hierzulande mancher nur zu gerne glauben möchte. Für die Politik ist es bequem, eine laxe, gönnerhafte Finanzpolitik zu betreiben. Aber so funktioniert die Wirtschaft nicht. Das sei auch einem politisch umtriebigen Nobelpreisträger gesagt.

Einige europäische Staaten sind an einem Punkt angelangt, an dem sie ihre Haushaltsdefizite nicht mehr durch neue Schulden decken können. Es hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass die Verschuldung bereits ein Ausmaß erreicht haben könnte, das ihre ordnungsgemäße Bedienung infrage stellt.

Für die Anlage in Staatsanleihen heißt das: Die Tragfähigkeit der Gesamtverschuldung eines Staates muss gegeben sein. Sie ist dann gegeben, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes erwarten lässt, dass die Schulden auch in Zukunft noch bedient werden können.

Das lässt sich nicht beliebig manipulieren. Echte volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit setzt Wettbewerbsfähigkeit voraus. Mit Wirtschaftskraft, die nur auf dem Papier steht, weil sie nur ein statistischer Reflex schuldenfinanzierter Staatsausgaben ist, lässt sich keine Schuldentragfähigkeit herstellen. Daher ergreifen die besonders im Fokus der Krise stehenden Länder strukturelle Wirtschafts- und Sozialreformen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Diese Reformen sind notwendig für nachhaltigen Wohlstand und sichere Arbeitsplätze. Sie schaffen damit aber auch die Grundlage für solide Staatsfinanzen. Nur so lässt sich die Zukunftsfähigkeit der Staaten sichern. Wenn Blasen platzen, bricht etwas weg, das nur dem Anschein nach werthaltig war. Wenn ein schuldenfinanzierter Scheinwohlstand nicht mehr durch neue Schulden befeuert werden kann, dann ist der Schock groß.

Aber was bringt es, schuldenfinanzierten Scheinwohlstand künstlich aufrechtzuerhalten, wenn dies dem Aufbau nachhaltigen Wohlstands im Weg steht? Die Jugendarbeitslosigkeit in einigen Staaten Europas ist nicht erst durch die Krise auf ein viel zu hohes Niveau gestiegen. Ist es nicht besser, die Arbeitsmärkte so weit zu öffnen, dass junge Menschen dort echte Chancen bekommen, statt die Märkte abzuschotten und die Arbeitslosigkeit ausschließlich mit staatlichen Programmen zu übertünchen?

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Investoren vertrauen in Deutschlands solide Staatsfinanzen

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  • Meinen Sie das ernst Herr Kampeter?
    Spanien die von einem sehr hohen Niveau bis 2007 seine Jugendarbeitslosigkeit jährlich reduziert hat, die eine Staatsverschuldung hatten die erstens vor der Krise niedriger war als die deutsche, und die zweitens viel schneller sank, dieses Spanien in einem Text zu erwähnen, in dem es um sinnvolles Sparen geht?
    Außerdem hat Spanien, aber auch die andere Peripherie-Länder, die Staatsausgaben weit stärker zurück gefahren als Deutschland es getan hat. Was hat es gebracht? Was sie schreiben ist keine wirtschaftliche Analyse sondern eine Aneinanderreihung von politischen Scheinargumenten.

  • Also, ich bin auch dafür das Deutschland seine DM einführt. Rest-Europa sollte sein Euro behalten. Die Deutsche Nation hat somit keine Möglichkeit mehr sich von seinen europäischen Nachbarn zu "ernähren". FIIGS und die osteuropäischen Nationen sollten so stark werden, dass in zehn Jahren dann Deutschland nachfragt, ob es nicht besser wäre wieder in einer europäischen Währungsunion zu sein. Dann hat Deutschland wieder die Nachbarländer mit ins "deutsche Boot" genommen. Da glaubt man wirklich das Deutschland "nur" durch seine guten Produkte stark genug ist sich dieser Krise zu entziehen, weil Schröder die Agenda 2010 eingeführt hat. Sollte es nicht sein, das der Euro (das deutsche Boot) teil dazu beigetragen hat? Welch eine Arroganz. War es nicht im Handelsblatt?, wo gesagt wurde, das F, GB, I, PL, etc. die grössten deutsche Importeuere sind? Soweit so gut. Einführung DM - Recht teuere Einfuhren für deutsche Produkte ins europäische Binnenland. DM steigt, höher als der jetzige Euro, somit Ausfuhren nach China-Indien teurer. Ach ja stimmt, BMW baut ja ein zweites Werk in China und die Autozulieferer bauen ja auch in China. Doch keine Exporte. Mist, na dann schliessen wir wieder die deutschen Grenzen. Zölle auf Importe. Zölle auf deutsche Produkte in der "Neu" geschaffenen Währungsunion ohne Deutschland. Schwups, aus ist es mit dem Exportboom. Liegt ja nicht am Euro. Egal Deutschland kann ja weitere Reformen machen. HARZ VII, VIII, IX, etc. Die Schere, zwischen reich und arm wird immer grösser. Auf wiedersehen Deutschland.

  • ZUR OPTIK:
    Innenpolitisch ist auch im BMFin in Berlin angekommen, dass Landtagswahlen jetzt und auch künftig massenweises Abtauchen von CDU-Wählern und Auftauchen derselben als FDP-Wähler ein offensichtlich chronisches Moment Deutschlands ist.
    Außenpolitisch diskutiert hier ein deutscher Beamter ungefragt mit einem amerikanischen freiberuflichen Wirtschaftswissenschaftler.
    Und so kristallisiert sich europaweit natürlich ein Problem heraus: Wie läßt sich der Binnenkonsum aller europäischer Länder steigern? Mit den derzeitigen Steuergesetzen gar nicht!
    So ist tendentiell seit Jahren der überproportionalen Zunahme des Vermögens weniger ein realiter geringeres Einkommen der durchschnittlichen Bevölkerung vorhanden.
    Und hier ist auch Herr Kampeter wie deus ex macina schon am Platz: Kümmere er sich doch um die Reform deutschen Steuerrechts. Kann ja mal noch bei Kirchhoff nachlesen. Das bildet, schafft Potenz und bringt die übergelaufenen CDU-Wähler ans grübeln, ob sie denn das Rechte taten.

    PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

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