
Die aktuellen Diskussionen über die US-amerikanischen Gesetzgebungspläne „Sopa“ und „Pipa“ zur Regulierung des Internets verfügen über alle Elemente, um - endlich? - den lang erwarteten und von einigen vielleicht ersehnten „Clash of Civilizations“ zu provozieren. Es ist der Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben. Während die „digital natives“ den realen Menschen zum Dinosaurier erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt. Auf Mehrheitsverhältnisse haben Revolutionen indessen nie wirklich Rücksicht genommen.
Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren. Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers. Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.
Denn es ist Aufmerksamkeit geboten. Auch wenn das Web 2.0 als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Bürger, auf zur Wacht! Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!
Diese bürgerliche Gesellschaft mit ihren Werten von Freiheit, Demokratie und Eigentum hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt - so entstand der Citoyen. Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee des geistigen Eigentums geboren. Welche Errungenschaft wider die geistige Leibeigenschaft des Ancien Régime! Endlich konnte man - unabhängig von Herkunft und Status - mit seines Geistes Schöpfung wirtschaftlich etwas anfangen. Diese Idee des geistigen Eigentums sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen. Eine Idee, deren Bewahrung auch im digitalen Zeitalter lohnt.
Da gibt es tatsächlich Volksvertreter, die keinen Kompromiss wollen? Da die CDU/CSU auch nicht auf E-Mails innerhalb von 4 Monaten vor der NRW Wahl geantwortet hat, werde ich einfach weiter jemand anderen wählen. Übrigens: Die SPD hat einen Auto-Responder hinbekommen, die FDP wollte ein Fax und nur die GRÜNEN und PIRATEN haben per E-Mail geantwortet, die PIRATEN zur Diskussion eingeladen.
Das Internet und die reale Welt waren Anfang der 90er getrennt. Heute ist das Internet genauso Teil des Lebens des Großteils der Deutschen wie das Telefon und der Toaster. Gab es auch Anti-Toaster Politiker?
Jungs, rüstet mal rhetorisch ab, so kommen wir alle nicht weiter.
Wir brauchen genauso Qualitätsjournalismus wie Laien-Berichterstatter. Und für ein gutes Buch, ob nun als PDF oder gedrucktes Papier zahle ich gerne Geld.
Genauso brauchen wir aber keinen herbei argumentierten digitalen Krieg. Wozu auch? Das Internet ist angekommen.
Wo ist der Kompromiss mit dem alle leben können? Ich bin bereit:
- Monatlich Geld für Kultur zu bezahlen
- Bücher pro Kauf zu bezahlen
- Auch für meine Zeitung als PDF zu zahlen
Nicht bereit:
- Irgendeine Art von Zensur zu akzeptieren
- Irgendeine Art von Überwachung zu akzeptieren
Da muss es doch einen Kompromiss geben, Leute. Was machen die Vollzeitpolitiker denn bitte, außer uns die Arbeit bei solchen Kompromissen abzunehmen?
Mit einer Sache hat der Kerl leider recht: Die Netzgemeinde wird den Kampf verlieren, wenn sie da bleibt, wo immernoch viel zu viele ihrer Angehörigen sind: Im Netz. Denn eines wird sich auch in Zukunft nicht ändern: Wirklich etwas bewegen lässt sich nur auf der Straße, notfalls auch mit Gewalt.
"Bürger, ihr werdet den Kampf verlieren!"
Allein die Überschrift sagt doch schon alles...
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