
Wer noch immer von "Web 2.0" schwätzt, der hat rein gar nichts verstanden.

@Handelsblatt - bisher hatte ich den Eindruck, das es bei Ihnen noch einen gewissen Qualitätsanspruch gibt - diesen Eindruck haben sie mit dem Abdruck dieses zwischen lächerlich und peinlich changierenden "Gastbeitrags" massiv beschädigt.
Sorry, aber so einen Quatsch wird man noch nicht mal bei Blöd finden. Schämen sie sich!

Seinem Text nach ist Hevelings Geisteshaltung von Unverständnis und Ablehnung gegenüber dem Internet geprägt. Wie wenig Heveling von einer Welt versteht, die durch das Internet bereichert wurde, drückt am deutlichsten in der Unterscheidung zwischen Internet und "der realen Welt" aus. Heveling scheint wahlweise nicht zu verstehen, oder zurückdrehen zu wollen, daß das Internet jetzt da ist, da bleibt.
Wer heute von "medialer Schlachtordnung" spricht, die zweifelsohne zwar gegeben ist, sie im gegenwärtigen Stand jedoch zum "Endkampf um Mittelerde" stilisiert, trägt damit lediglich mangelnde Umsicht offen zur Schau. Ob Ansgar Heveling einen Schimmer davon hat, daß der Kampf ums general computing erst noch bevorsteht? Dein Text lässt daran arg zweifeln.
Eben so wenig begreift Heveling, daß aus der freien Verfügbarkeit von Informationen und liberalisierter Nutzungsrechte mehr Kulturgüter entstehen und eine größere Kreativität freigesetzt wird, als die ordinären kommerziellen Schmieden des von ihm so vergöttertem “geistigen Eigentum” imstande zu leisten wären.
Zweifelsfrei brauchen Immaterialgüter Schutz zum Zwecke der Monetarisierung. Aber findet sich auch nur ein dezenter Hinweis auf die legitimen Ansprüche der Gesellschaft zu einer Liberalisierung der sich zusehends stärker präkarisierenden Urheberrechtssituation? Selbstverständlich nicht.
Hevelings Einlass ist als der Vorgestrigen zu betrachten, der lauthals nach Verbündeten sucht und sich anschickt, statt eines konstruktiven Dialoges mit den Akteuren der digitalen Sphäre, lieber auf die bereits erwähnte "Schlachtordnung" im Sinne der Mehrheitsverhältnisse zu setzen. Diese Haltung offenbart Hevelings Kapitulation gegenüber den Argumenten dieser "Netzcommunity", die es freilich nie gegeben hat.
"Bürger, verteidigt eure Werte und das Netz gegen Vorgestrige wie Ansgar Heveling und die Lobbyverbände, für die er implizit das Wort ergreift", antworte ich.

Dass Heveling die Abschaffung des Internets gefordert hätte, ist mir entgangen. Er hat auch nicht eine virtuelle Welt einer realen Welt außerhalb des Internets gegenübergestellt. Vielmehr sagt er, zur Realität des Internets gehört, dass seine Voraussetzung der Markt ist und damit auch die Voraussetzung der Öffentlichkeit, die durch die Nutzung dieser relativ neuen Infrastrukrur erzeugt wird. Das war aber in einem Zeitalter, das vorwiegend von Druckerzeugnissen beherrscht wurde, auch nicht anders. Auch damals bestand schon die Frage, wer soll profitieren, die Verlage und der Handel oder die Autoren. Jede geistige Leistung, jeder Gedanke ist ein individueller Akt und wird sprachlich-dialogisch erzeugt, auch wenn sich die Produktionsapparate und Medien einer kollektiven Anstrengung verdanken, gleichwohl aber auch im Falle des Internets privatwirtschaftlich von Großkonzernen und Kleinkriminellen (megaupload) genutzt werden, und zwar zu Lasten der Urheber, also der eigentlich geistig Produktiven. Meiner Ansicht nach könnte man das nur ändern, wenn man das Denken außerhalb der Erwerbsphäre und der Welt der Geschäfte stellen würde, was aber beim Internet nicht der Fall ist. Also: Schützt das Urheberrecht! Und sonst bin ich der Meinung: ein paar geschichtliche Kenntnisse können tatsächlich nicht schaden.

Nur das das Internet nicht den Markt als Vorraussetzung zur Existenz, Entwicklung braucht.

Das war anfänglich auch beim Buchdruck und der Lesekultur nicht der Fall. Dazu reichten sozusagen ein paar Humanisten in ihren Gelehrtenstuben. Sobald aber diese das Feudalzeitalter und ihre subventionierte Lebensform - auch Goethe hat nicht allein von seinen Büchern leben können -, hinter sich gelassen haben, trat der Markt auf den Plan. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wie ricardo sagt: "Auch damals bestand schon die Frage, wer soll profitieren, die Verlage und der Handel oder die Autoren." Man müsste hinzufügen: Einig waren sich beide Seiten, dass es nicht die Raubdrucker und sonstigen Freibeuter sein sollten. Das Geschäftsmodell von Google und Konsorten beruht doch letztlich auf dem Gedanken, wie können wir unsere Kunden zu unseren Angestellten machen, zu unbezahlten Mitarbeitern, Trägern unserer Werbebotschaft und Türdrückern. Bei Facebook ist das ähnlich: So selbstlose "Freunde" hat nicht einmal unser Bundespräsident. Was man also sehen muss: Markt und Öffentlichkeit, Infrastruktur und Medium gehören zusammen, und das erzeugt all die unliebsamen Widersprüche. Ich weiß nicht, wie man sie auflösen kann. Man kann sich aber bemühen, so mit ihnen umzugehen, dass möglichst niemand übervorteilt oder ausgebeutet wird.

Der Nutzer des internets ist zugleich Konsument und Produzent von Inhalten, die dann andere als Ware behandeln. Das liegt daran, dass es sich um ein Kommunikationsmedium, um eine Vermittlungsform der Verständigung, des Verstehens und des Wissens handelt. Denn auch in der Sprache nehmen wir immer auf und bringen zugleich hervor, sind wir Hörende und Sprechende, Schreibende und Lesende in einem. Der Markt kommt durch den Anbieter dieses Services der technischen Vermittlung von Bewusstseinsinhalten ins Spiel. Er ist es, der an unserer Geschwätzigkeit verdient, weil er die Apparate zur Verfügung stellt, was diese hervorbringen aber kostenlos geliefert kriegt oder einfach z.B. aus irgendwelchen Bibliotheken mehr oder weniger gratis übernimmt.

Wer so offen eine Partei angreift, von deren Programm und Zielen er keine Ahnung hat, der muss echt Angst haben, dass sie besser ist als die eigene. Folglich machen die Piraten alles komplett richtig. Zum restlichen Text möchte ich lieber kein Wort verlieren, denn er offenbart nur eine sehr große Verwirrtheit im Umgang mit diesem Thema.

Hier versucht Rethorik vollständige technische Ahnungslosigkeit zu überdröhnen. Selten einen solchen Bockmist gelesen.