Gastkommentar
Notenbanker – Helden oder Schurken?

Glückt das Anleihekaufprogramm der EZB, wird man sie als Heldin feiern. Doch es drohen auch Hyperinflation und hohe Arbeitslosigkeit. Der Chef der Fondsgesellschaft Pimco über die schwierige Rolle der Notenbanken.
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Die Geschichtsbücher werden unseren Kindern überliefern, dass die westlichen Notenbanken sich nach der weltweiten Finanzkrise 2008 auf ein beispielloses Experiment einließen. Sie wagten sich mutig weiter vor, als es geldpolitische Institutionen jemals getan hatten. Sie überdehnten ihr Mandat und riskierten ihre politische Unabhängigkeit mehr als je zuvor.

Und wenn sie damit nicht so recht vorankamen, versuchten sie es um so verbissener, statt sich zurückzuziehen. Das alles haben sie gemacht, weil andere politische Institutionen nicht gewillt oder nicht in der Lage waren, ihre Verantwortung ausreichend, rechtzeitig und koordiniert zu übernehmen. So weit ist der Fall klar.

Und abzusehen ist auch, dass die Geschichtsbücher sich nicht nur mit der Europäischen Zentralbank (EZB) beschäftigen werden, die in Deutschland so stark unter Beobachtung steht. Denn auch die britische und die japanische Notenbank und die Fed in den USA - sie alle experimentieren, was das Zeug hält. Keine von ihnen weicht zurück.

Die EZB hat sich jetzt sogar entschlossen, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen anzukaufen. Und die Fed hat ein Programm mit offenem Ende gestartet, das sogar bei einer wirtschaftlichen Erholung der USA fortlaufen wird. Schwieriger vorauszusagen ist, wie künftig die Ergebnisse dieser Politik bewertet werden.

Werden die Notenbanken als Helden oder als Schurken in die Geschichte eingehen? Genauer gefragt: Werden sie als Helden gelten, weil sie das Wachstum, den Arbeitsmarkt und die finanzielle Stabilität unterstützt und, im speziellen Fall der EZB, die europäische Perspektive, die so weitreichende Vorteile und Chancen bietet, gerettet haben?

Oder werden sie als Schurken gelten, weil sie unseren Kindern Inflation, schwaches Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit beschert haben und so - zum ersten Mal seit langem - eine Generation schlechter dasteht als die ihrer Eltern? Um diese Frage - Held oder Schurke? - zu entscheiden, fehlen heute die Zahlen und Fakten. Erschwerend kommt hinzu, dass niemand sagen kann, was ohne den Einsatz der Notenbanken passiert wäre.

Manche argumentieren plausibel, ohne diesen Einsatz wäre die Euro-Zone zerbrochen und die USA wären in eine Rezession mit noch länger andauernder Arbeitslosigkeit gerutscht. Beides hätte zweifellos auch weltweit eine Rezession oder gar Depression verursacht.

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Kommentare zu " Gastkommentar: Notenbanker – Helden oder Schurken?"

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  • Schurken

  • würde wohl besser passen.

  • Ach so, ihr Frage war ja "Notenbanker – Helden oder Schurken?". Meine Antwort ist, Mr Greenspan war der letzte grosse Notenbanker. Danach kamen nur noch Vasallen der Staatsschulden, die sie zu finanzieren hatten.

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