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Gastkommentar: Planlose Weltwirtschaft

exklusiv Durch die Finanz- und Schuldenkrisen zeigten sich die Schwächen der Wirtschaftsmodelle der USA und Europas. Als Orientierungmaß könnte man nun nach China schauen. Doch auch die dortige Strategie birgt Gefahren.

Harold James ist Geschichtsprofessor an der Princeton University. Quelle: Charly Kurz/laif
Harold James ist Geschichtsprofessor an der Princeton University. Quelle: Charly Kurz/laif

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zuerst das amerikanische Kapitalismusmodell diskreditiert und anschließend die europäische Variante. Nun sieht es so aus, als ob auch der asiatische Ansatz ein paar Schläge einstecken dürfte. Und so stellt sich nach dem Scheitern des Staatssozialismus die Frage: Gibt es denn keine richtige Methode, eine Volkswirtschaft zu organisieren?

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Im Gefolge der Subprime-Krise und des Zusammenbruchs von Lehman Brothers galten die USA als ein Beispiel dafür, wie schlimm die Dinge fehlschlagen können. Dies war die Diagnose, die der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück damals stellte: Das Problem liege in der übermäßigen Abhängigkeit von hochkomplexen Finanzinstrumenten, die von globalisierten amerikanischen Finanzinstituten ausgegeben würden. Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble fuhr im selben Ton fort und attackierte die „planlose“ amerikanische Geldpolitik, die angeblich nur darauf ausgerichtet sei, das amerikanische Finanzmonster zu füttern.

Doch eine derartige Kritik ignoriert die Probleme jener Banken, die keine komplexen Finanzprodukte nutzen. Die Bankenaufsichten hatten lange darauf beharrt, dass das Finanzinstrument, das ein Höchstmaß an Sicherheit böte, eine von einem reichen Industrieland begebene Staatsanleihe sei. Dann kam die Staatsschuldenkrise der Euro-Zone, die ihre Wurzeln in den laxen Staatsfinanzen einiger (meist südeuropäischer) Länder hatte.

Die Kritiker hatten jetzt einen neuen Fokus. Natürlich waren viele konservative Amerikaner hocherfreut vom unmittelbar bevorstehenden Versagen dessen, was sie als das Steuer- und Ausgabenmodell Europas mit seiner Abhängigkeit von einem kostspieligen und ineffizienten Wohlfahrtsstaat ansahen.

Sie waren nicht die einzigen: Der Vorsitzende der China Investment Corporation, Jin Liquin, bezeichnete Europa als „verschlissene Wohlfahrtsgesellschaft“ mit „angestaubten“ Wohlfahrtsgesetzen, die zu Abhängigkeit und Faulheit führten.

Eines der am häufigsten verwendeten chinesischen Wörter entspricht der deutschen „Schadenfreude“: Jemand anders – irgendeine andere Gesellschaft – ist auf einer politischen Bananenschale ausgerutscht. Die nach Amerika und Europa blickenden asiatischen Kritiker konnten sich mit Leichtigkeit überzeugen, dass das westliche Modell des demokratischen Kapitalismus dabei ist, zusammenzubrechen.

Doch sind ähnliche Anlageinvestitionen und steil in die Höhe schießende Immobilienpreise nicht auch ein zunehmend wichtiger Teil des chinesischen Wandels seit den 1990er-Jahren? Chinas Bürger jedenfalls fragen sich auch, ob ihre Regierung die richtigen Prioritäten gesetzt hat.

  • 14.01.2012, 13:25 UhrAnonymer Benutzer: AndreAdrian

    Gibt es denn keine richtige Methode?

    Die Ingenieurwissenschaften behandeln Fragestellungen im Rahmen von "Systemen". Für die Weltwirtschaft wäre die Frage: Wie bringt man das System Weltwirtschaft auf einen stabilen Arbeitspunkt? Der wichtigste Teil der Antwort ist: Man betrachtet die Welt als ein System. An diesem Punkt sind wir heute noch nicht. Solange die Volkswirtschaften gegeneinander arbeiten, solange kann jede einzelne Volkswirtschaft den stabilen Arbeitspunkt verhindern. Es muss ein weltweites Einverständnis darüber geben das die Vorteile eines stabilen Arbeitspunkts überwiegen. Ein drastisches Beispiel: Nach einer Katastrophe kann man nach Überlebenden suchen, oder man kann plündern.

  • 14.01.2012, 11:34 UhrAnonymer Benutzer: Blickensdoerfer

    "Die wichtigen globalen Volkswirtschaften haben viel mehr gemeinsame Schwächen als gemeinhin angenommen." . . .“ tatsächlich ist die heutige Weltwirtschaft ein Tohuwabohu abgleitender Wirtschaftsmodelle“
    Wenn Harold James hier richtig, den Sachverhalt zutreffend, übersetzt worden ist, was ich bezweifle, dann ist ihm zu empfehlen, zunächst das „Gemeinsame“ (das Charakteristische) von „Volkswirtschaften“ festzustellen, bevor es (zum Beispiel mit „Schwäche) beurteilt wird, und festzustellen, dass nicht „Wirtschaftsmodelle“ bestehen, sondern diese Bezeichnung vom herrschenden Verständnis von „Wirtschaft“ benutzt wird, um ein Feststellen und Verstehen des Charakteristischen zu verhindern. (s. http//blog.erkenntniswiderspruch.de)

  • 14.01.2012, 11:24 UhrSiggi40

    @opport: „Die Rettung etlicher Banken erhöhte die Verbindlichkeit der Staaten und machte sie insgesamt handlungsunfähiger“.
    Super Analyse – die Ursache des Übels.

    Von allen Wirtschaftsmodellen wäre eigentlich das amerikanische am erfolgreichsten.
    Mit staatlichen Garantien ausgestattet hatte man dafür gesorgt, dass sich sogar Sozialhilfeempfänger ein Haus leisten konnte. Das grenzt wirklich schon an ein Perpetuum-Mobile.
    Mit jedem Haus werden 2 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Häuser werden jedes Jahr mehr wert. Nicht umsonst konnte man sie als Kreditkarte nutzen.
    Bei einem Zahlungsausfall wurde das Haus postwendend, mit Gewinn an unzählige Bewerber verkauft. Ein tragfähiges und solides Wirtschaftsmodell, das seinesgleichen sucht und wahrscheinlich sogar noch die nächsten 100 Jahre überdauert hätte.
    Die Probleme haben die Investmentbankster geschaffen, die aus den ca. 12 Bio. $ Hypothekenkrediten ein Vermögen von ca. 600 Billionen $ zauberten, in kleine Pakete verschnürt, mit AAA versehen und sie an die ganze Welt als super Geldanlagen verkauft. Als dann ab 2006 auch in den USA die Benzinpreise stiegen, die Leute auf dem Lande ihre Immobilien verkauften und näher an die Stadt, zum Arbeitsplatz gezogen sind, fielen die Preise auf dem Lande.
    Erst jetzt schauten sich die Käufer den Inhalt ihrer Weihnachtspakete an und stellten fest, dass nichts drin war, außer heißer Luft. Als nun alle auf einmal versuchten, sich ihrer Kreditrisiken zu entledigen, die Deutsche Bank erfolgreich an die IKB, durch Betrug und Insiderwissen an die Steuerzahler ausgelagert, erst da brach das Kartenhaus wie Staub in der Wüste in sich zusammen. Jetzt mussten die Bankster weltweit mit gigantischen Steuergeldern gerettet werden. Allein in den USA mit ca. 20 Billionen Dollar!! Europäische Banken innerhalb von nur 2 Jahren mit 4589 Mrd. Euro!! So kam eine Lawine ins Rollen, die nicht mehr aufzuhalten ist, außer mit einem Reset im Finanzsystem und einem Trennbankensystem.

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