Gastkommentar
„Regulierung durch Wettbewerb“

Die europäische Industrie hat einen schweren Stand. Immer wieder muss sie sich politischen Entscheidungen beugen – zulasten betriebswirtschaftlicher Vernunft.
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Die globale Finanzkrise hat's möglich gemacht: Industriepolitik ist wieder "in", in Europa wie in den USA. Sie hat allen, die es vergaßen, die Augen geöffnet: Die Industrie ist das Fundament erfolgreicher Wirtschaftspolitik. Ohne sie läuft's nirgends!

Deutschland, noch vor wenigen Jahren als "kranker Mann Europas" verschrien, gilt heute als Vorbild. Die industrielle Substanz hat unser Land zu einem der erfolgreichsten Exporteure der Welt gemacht und entscheidend geholfen, dass wir die Finanz- und Wirtschaftskrise bisher besser als alle Partnerländer durchstehen konnten.

Aber was ist das - eine europäische Industriepolitik? Eines ist sie jedenfalls nicht: eine Ruhmesgeschichte. Soweit sie je das Licht der Öffentlichkeit erblickte, ging es stets um "europäische Champions". Aber nur einer davon ist wirklich durchgekommen. Es ist der sehr erfolgreiche Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der sich jetzt mit der britischen BAE noch vergrößern will.

Alle weiteren Versuche scheiterten, zumeist wegen des politischen Einflusses, der allzu oft zulasten betriebswirtschaftlicher Vernunft ging. Erlebt habe ich es selbst noch beim Versuch der französischen Politik, eine deutsch-französische "maritime EADS" auf Kiel zu legen. Die fusionierten HDW/Thyssen-Krupp-Werften wollte Paris unbedingt mit den Thales- und DCN-Werken unter einen Hut bringen, und dies natürlich unter französischer operativer Führung.

Eine staatlich gesteuerte Industriepolitik, die ohnedies nur geboten sein kann, wo - wie auf dem militärischen Sektor oder in der Raumfahrt - der Wettbewerb weltweit kraft staatlichen Handelns ganz oder weitgehend ausgehebelt ist, ist in Europa noch immer an nationalen Standortinteressen gescheitert. Paris mit seiner etatistischen Denkweise spielte dabei immer mit. Einzig EADS hat auch all die politisch verursachten Unternehmenskrisen heil überstanden.

Kommentare zu " Gastkommentar: „Regulierung durch Wettbewerb“"

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  • Dominik
    Genau so ist es.
    Rot-Grün hat doch den Ausverkauf Deutschands eingeleitet.
    So allmählich müssen wir uns doch fragen, was in unserem Land uns noch gehört.

  • Ja, Clement ist seit ein paar Monaten nun auch offiziell Mitglied der Lobby-Gruppe INSM... Schon als amtierender MP war er eigentlich auch schon Mitglied dort..

    Komisch, jeder Genosse, der sich zu weit zu Gunsten der Kleinen aus dem Fenster in der SPD lehnt, muss das Parteibuch abgeben.., und solche Verräter wie Clement und Co werden noch stolz als Vorzug der Partei dargestellt. Aber es gibt ja noch bekanntlich genügend dumme Menschen, die darauf reinfallen!

  • Wettbewer klar! Aber dann bitte für alle, nicht nur für Gemüsebauern und Leiharbeiter!

    Warum wird Gemüse und Obst zum Qualitäts- und Preisvergleich genormt. Für Finanzprodukte, Versicherungen und viele andere Bereiche gibt es so etwas nicht. Wettbewerb ist eben nicht überall erwünscht. Und Clement benutzt das Wort auch nur zur Bauernfängerei!

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