Gastbeiträge

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Gastkommentar: Ruhe vor dem Sturm

Die EU-Energiepolitik steht still. Daher muss jetzt Deutschland den Vorreiter spielen, wenn die nationale Energiewende nicht an der Blockade gegen internationale Ziele nach 2020 scheitern soll.

Noch ist die Energie-Strategie der EU etwas trübe, die Staaten verstehen sich auf Kompromisse und zögern strikte Beschlüsse hinaus. Fragt sich: Wie lange können sie diesen Kurs noch fahren? Quelle: dpa
Noch ist die Energie-Strategie der EU etwas trübe, die Staaten verstehen sich auf Kompromisse und zögern strikte Beschlüsse hinaus. Fragt sich: Wie lange können sie diesen Kurs noch fahren? Quelle: dpa

Das Treffen des Europäischen Rats und dessen Beschlüsse zur Energiepolitik offenbaren ein tiefgreifendes Dilemma. Trotz der unbestritten zentralen Bedeutung des Politikfelds werden sich die 27 Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten an diesem Mittwoch nicht auf eine strategische Linie einigen. Bei dem vor wenigen Monaten noch euphorisch als „EU-Energiegipfel“ annoncierten Treffen wird man lediglich einen Katalog abstrakt formulierter Schlussfolgerungen verabschieden.

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Zeit für eine eingehende Diskussion ist nicht eingeplant. Aufgrund weitreichender energiepolitischer Differenzen operiert die EU nun schon seit Verabschiedung des Energie- und Klimapakets 2009 vornehmlich auf Basis eingespielter Kompromissformeln, ob bei der „Diversifizierung der Energiequellen“ oder der „Vollendung des Energiebinnenmarkts“.

Der Ehrgeiz für eine proaktive Gestaltung der EU-Energiepolitik ist nur noch gering ausgeprägt. Schon bei der nationalen Umsetzung des geltenden EU-Rechts agieren viele Mitgliedstaaten sehr zögerlich. Potenziell strittige Entscheidungen auf EU-Ebene werden entweder aufgeschoben oder enden – wie bei der Novelle der Energieeffizienzrichtlinie – in aufreibenden Gesetzgebungsverfahren, die keinem Beteiligten Appetit auf Mehr machen. Bei drängenden Fragen wie der Reform des Emissionshandels spielen die Mitgliedstaaten erkennbar auf Zeit.

Oliver Geden forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zur Energie- und Klimapolitik der EU.
Oliver Geden forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zur Energie- und Klimapolitik der EU.

Auch wenn das Treffen der Staats- und Regierungschefs wenig Greifbares bringt, kündigt sich bereits ein Ende der trügerischen Ruhe an. Da die 2007 unter deutscher Ratspräsidentschaft beschlossene EU-Energiestrategie nur bis ins Jahr 2020 reicht und die Energiewirtschaft in langen Investitionszyklen denkt, bereiten sich die Mitgliedstaaten bereits auf konfliktträchtige Verhandlungen über den Politikrahmen bis zum Jahr 2030 vor, bei denen sie Farbe bekennen müssen.

Einerseits, um europäischen Unternehmen Investitionssicherheit zu geben, und andererseits, weil die EU im Umfeld des wohl entscheidenden Weltklimagipfels Ende 2015 deutlich machen muss, zu welchen Emissionsminderungen sie sich in der kommenden Dekade verpflichten will.

Die EU-Kommission hat im März mit einem Grünbuch bereits eine Konsultationsphase zu den Post-2020-Zielen eingeleitet, gegen Ende des Jahres will sie konkrete Vorschläge vorlegen, unter Berücksichtigung der Präferenzen vor allem der Mitgliedstaaten, aber auch der Industrieverbände und der Zivilgesellschaft.

Dem Europäischen Parlament kommt in diesem Prozess nur eine marginale Rolle zu, denn die Entscheidung über die zentralen energiepolitischen Ziele für 2030 obliegt letztlich dem Europäischen Rat. Da dessen Beschlüsse einstimmig gefasst werden, verfügt jeder Mitgliedstaat über ein Vetorecht. Insbesondere die mittel- und osteuropäischen Regierungen werden versuchen, eine Prioritätenverschiebung durchzusetzen.

  • 23.05.2013, 08:01 UhrHofmannM

    Nochmal zum mitschreiben! Mit dieser diktierten politischen Energiewende auf Basis eines Zwangs-EEG (Erneuerbaren Energie Gesetz) wird es keine wirtschaftliche und damit industrie-und handwerkliche Zukunft in Deutschland und Europa geben! Mit dieser perfiden und assozialen Energiewende werden wir gut bezahlte Industriearbeitsplätze und Handwerksarbeitsplätze verlieren. Und damit wir Schritt für Schritt der Wohlstand in Europa und Deutschland abgebaut. Die Eurokrise ist ja keine Krise des Euro, sondern eine Krise der falschen Wirtschafts-und Energiepolitik in Europa! Auch Deutschland wird von dieser falschen Energiepolitik nicht verschont bleiben. Diese grünsozialistische Gedankengut vom menschengemachten CO2-Klimaerwärmungsmärchen und der CO2 Verteufelung macht eine wirtschaftliche und damit wohlstandssicherende Lebensbasis UNMÖGLICH. Mit diesem grünsozialen Gedankengut fahren wir direkt in die nächste Mangelgesellschaft ala DDR ein!!!
    Energieeinsparungsparolen sind Parolen einer kommunistischen Mangelgesellschaft!!! Kapiert das Endlich!!!

  • 22.05.2013, 17:09 UhrHansMeier

    Warum "muss jetzt Deutschland den Vorreiter spielen" für ein Konzept (Energiewende), das auf Dauer nicht überzeugend ist und zu sozialen Verwerfungen führt? Es ist begrüßenswert, wenn zukünftige klimaziele realistischer werden. Alles andere wäre vor dem Hintergrund der seit 1998 stagnierenden Welttemperatur schlicht Wahnsinn. Menschen lassen sich nicht jahrzehntelang in die Irre führen. In ein paar Jahren werden die Klimaziele ohnehin obsolet. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Welttemperatur zurückgeht ist genauso hoch wie dass sie ansteigt (anders gesagt: die derzeitigen Klimaprognosen sind Wahrsagerei, sonst nichts). Und dafür sollen die Strompreise künstlich noch weiter steigen?

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