Gastkommentar
Sarrazin provoziert Eskalation der Euro-Krise

Thilo Sarrazin verbreitet mit seinem Anti-Euro-Buch falsche Botschaften. Damit trägt er in der gegenwärtigen krisenhaften Situation zu möglicherweise verheerenden ökonomischen und politischen Entscheidungen bei.
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Um es vorweg zu nehmen. Das Buch „Europa braucht den Euro nicht“ von Thilo Sarrazin ist ein schlechtes und  verantwortungsloses  Buch. Des Inhalts wegen wäre beschämtes Schweigen die richtige Reaktion. Doch dies ist keine Option mehr in einem medialen Umfeld, in dem Aufregung mehr zählt als sachlicher Gehalt und Vernunft. Die massive publizistische Aufwertung des Buches durch Fernsehanstalten und verschiedene Magazine lassen Schweigen als stille Zustimmung erscheinen.

Hinzu kommt die lauwarme Kommentierung durch einzelne Ökonomen, die sich im Geflecht richtiger und falscher Fakten verheddern und damit die Botschaft aussenden, dass eben nicht alles falsch ist, was Sarrazin schreibt und sagt. Im Kern, wenn man einmal die Übertreibungen weglasse, habe er vielleicht sogar Recht. Unter diesen Umständen ist Schweigen weder inhaltlich noch moralisch zu rechtfertigen. Deshalb sei hier Widerspruch und Anklage erhoben.

Sicher, in Sarrazins Buch stehen auch richtige Fakten. Es gibt eben auch Richtiges im Falschen. Wir kennen die Beispiele aus der deutschen Geschichte. Aber das Buch als Ganzes ist falsch. Es fängt mit dem Titel an, zieht sich methodisch durch das ganze Buch und endet in unappetitlichen politischen Mutmaßungen, die inhaltlich nahtlos an das Vorgängerbuch anschließen und beweisen, dass es zumindest einen nationalistischen Sozialdemokraten gibt.

Der Titel ist als Provokation gedacht. Leider fangen damit schon die falschen Botschaften an. Denn die Frage, ob Europa den Euro braucht oder nicht, führt schon in die falsche Richtung. Die Einführung des Euro, die auf einen Beschluss der europäischen Staats- und Regierungschefs von 1992 zurückgeht, war ohne Zweifel ein stark politisch motivierter Beschluss vor dem Hintergrund der deutschen Vereinigung und des neuen, nunmehr offenen Europas. Ob diese Entscheidung seinerzeit falsch oder richtig war, darüber kann man lange streiten. Das mag aus historischer Perspektive von Relevanz sein. Für die heutige Entscheidungssituation ist diese Frage jedoch bedeutungslos. Denn, falsch oder richtig, der Euro wurde eingeführt.

Kommentare zu " Gastkommentar: Sarrazin provoziert Eskalation der Euro-Krise"

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  • Was sagen uns die EURO-Apologeten um Prof Horn:

    Nachdem sie das Ziel aus den Augen verloren hatten
    verstärkten sie Ihre Anstrengungen!!!

    Heese-Osten

  • Viel verantwortungsloses BlaBla Herr Horn. Wenn ich mit ihren Worten sprechen darf. Es ist pseudowissenschaftlich Unfug was sie da schreiben. Allein das der Euro unumkehrbar hat mit Wissenschaftlickeit nix zu tun, Eher ist es eine praktischer Anwendung. Sie schreiben auch über die Kosten die der Euro bisher schon verursacht hat. Wer die Kosten verursacht, und warum und mit welchen Mitteln kommt bei ihnen überhaupt nicht vor. Vor allen Dingen nicht wo das Geld geblieben ist. Das wäre doch einmal eine schöne Aufgabe. Aber stattdessen verlieren sie sich in billiger Polemik der Gutmenschen Rhetorik. Alle sind doof und blöde die gegen den Euro waren und immer noch sind.
    Da können sie sich durchaus mir der Claudia Roth vergleichen - wissenschaftlich.

  • Die Euro-Zone hat sich zu einer EU-Vertragsbruch-
    Gemeinschft entwickelt. Die Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien, egal ob Regierung od. Rot-Grüne
    Opposition "verarschen" den deutschen Steuerzahler seit dem
    Bruch der Maastrichtkriterien und das steigert sich seit dem ersten Griechenlandrettungspaket fort und fort.

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