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Gastkommentar: Suche nach Wachstum nimmt neue Formen an

Die Industrieländer sollten die Krise als Weckruf sehen, um die bislang übertünchten Probleme zu lösen, sagt Finanzwissenschaftler Raghuram Rajan. Er fordert vor allem eine nachhaltigere Wachstumspolitik.

„Die Industrieländer haben die Wahl“, sagt Raghuram Rajan. Quelle: Reuters
„Die Industrieländer haben die Wahl“, sagt Raghuram Rajan. Quelle: Reuters

Die demokratischen Industrienationen der Welt stecken in der Krise. Und dazu sind zwei unterschiedliche Geschichten im Umlauf. Die erste lautet, dass aufgrund hoher Verschuldung die Nachfrage eingebrochen ist. Die Haushalte und Staaten, die am meisten ausgegeben haben, können sich nichts mehr leihen. Um das Wachstum wiederzubeleben, müssen andere ermutigt werden, Geld auszugeben: Regierungen, die noch kreditwürdig sind, sollen ihre Defizite vergrößern, und niedrige Zinssätze sollen Haushalte vom Sparen abhalten. Unter diesen Umständen wäre Sorglosigkeit in Haushaltsfragen eine Tugend, zumindest kurzfristig. Diese Geschichte – die an die Schuldenkrise angepasste keynesianische Standarderklärung – erzählen die meisten Politiker, Notenbanker und Wall-Street-Ökonomen.

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Die zweite Geschichte lautet, dass die grundlegende Fähigkeit von Industrieländern, durch die Produktion nützlicher Dinge zu wachsen, schon seit Jahrzehnten zurückgeht – ein Trend, der durch schuldengetriebene Ausgaben lediglich verschleiert wurde. Wie Wolfgang Streeck in der „New Left Review“ überzeugend schreibt, waren die demokratischen Regierungen nach der scheinbar endlosen Perspektive von Innovation und Wachstum der 1960er aber nur zu bereit, den Wohlfahrtsstaat auszubauen. Doch mit der Abschwächung des Wachstums bedeutete dies eine Expansion der staatlichen Ausgaben bei gleichzeitig schrumpfenden Ressourcen. Eine gewisse Zeit wurde diese Ausgabenpolitik durch Notenbanken unterstützt. Die daraus entstehende Inflation rief Unmut hervor. Die Notenbanken setzten sich daraufhin geringe Inflation als Hauptziel. Aber die schuldenbasierten Regierungsausgaben liefen weiter, und die am Bruttoinlandsprodukt gemessenen öffentlichen Schulden der Industrieländer stiegen weiter.

Angesichts der Notwendigkeit, neue Wachstumsquellen zu finden, deregulierten die Vereinigten Staaten am Ende der Präsidentschaft von Jimmy Carter und unter Ronald Reagan die Industrie und den Finanzsektor, wie es auch Margaret Thatcher in Großbritannien getan hatte. Mit der Zeit wuchs in diesen Ländern die Produktivität erheblich, was auch Kontinentaleuropa zu eigenen Reformen veranlasste, die oft durch die Europäische Kommission vorangetrieben wurden.

Aber selbst dieses Wachstum reichte angesichts der großzügigen Pensions- und Fürsorgeversprechen nicht aus – Versprechen, deren Einhaltung durch steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten noch erschwert wurden. Die Schulden der öffentlichen Hand stiegen weiter.

  • 14.02.2012, 09:59 UhrAnonymer Benutzer: Alfred_H

    @PeterScholz1
    Sie haben sich auch schon mal zuversichtlicher angehört. Im Altersheim wächst nicht mehr soviel. Aber man kann es gut nutzen, um an das Geld der Angehörigen zu kommen. Das erzeugt wiederum Wachstum.

  • 14.02.2012, 00:34 UhrPeterScholz1

    Sex und Crime im Altersheim, das sind die Wachstumsfelder des Abendslandes und dann ist hier Feierabend.
    Die Politik hat alles vermasselt.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • 14.02.2012, 00:07 Uhrpappalapapp

    Dieser Theoretiker sollte seine geistige Energie zunächst mal dazu einsetzen, in seinem Herkunftsland die Bevölkerungsexplosion einzudämmen, denn Gesundschrumpfen ist das einzige Mittel, um ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Ressourcenschonung und Ressourcenverschwendung zu ermöglichen. Das gilt natürlich weltweit. Wer jedoch meint theoretisieren zu müssen, sollte erstmal bei sich selbst und in seinem Herkunftsland anfangen und dann bei ähnlich gelagerten Ländern weitermachen. Wachstum, insbesondere bei der Bevölkerung und damit Verbrauchern, ist mit Sicherheit der falsche Ansatz, auch wenn etablierte Wirtschaftswissenschaftler dies favorisieren. Das Erste muß nunmal zuerst erledigt werden, nicht Hü und Hott gleichzeitig.

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