Gastkommentar
„Trittin Flaneur“ betört die Republik

Jürgen Trittin ist eigentlich ein alter Bekannter und wird doch immer erfolgreicher. Längst hat der ehemalige Bundesumweltminister nicht nur das linksbürgerliche Mileu betört. Was wäre, wenn Trittin ein Parfüm wäre? Ein Gedankenexperiment.
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Stellen Sie sich bitte vor, Jürgen Trittin wäre eine Parfüm-Marke. Nennen wir sie "Trittin Flaneur". Würden Sie dieses Parfüm kaufen? Sie prüfen den Duft, lassen den Flacon auf sich wirken und schauen auch nach dem Preis. Wenn Sie überzeugt sind, benutzen Sie diesen Duft nicht nur für sich, sondern verschenken ihn auch.

Das Erstaunliche: Bald spricht sich "Trittin Flaneur" immer mehr herum. Die Marke, längst en Vogue im linksbürgerlichen Milieu, schafft Begehrlichkeiten gegenüber einer neuen Kundenschicht. Der elegant-blumige Duft betört, und er drückt eine charmante Verwegenheit aus. Wer etwas auf sich hält, will dieses Parfüm haben.

Eine fantastische Geschichte; oder? Sie geht weiter. Wenn die braven Bürger immer frecher werden; das Ehepaar Westerwelle das Ehepaar zu Guttenberg in den Schatten stellt und sich Sigmar Gabriel weiter ohne Profil profiliert - ja, wenn: Dann müssen wir an das Unmögliche denken. An Jürgen Trittin, den grünen Kanzlerkandidaten.

Und da sind wir wieder beim Parfüm und seinen Kunden. "Trittin Flaneur" braucht ein Marketing, damit die Marke stabiles Vertrauen mit eindeutigen Botschaften aufbaut. Madonna, der Papst und selbst Fidel Castro: sie alle tragen adidas. Und die Sportler sowieso. Genau das muss auch "Trittin Flaneur" schaffen. Ein Duft als Programm. Es steht für Aufgeschlossenheit und Aufbegehren. Alles ist möglich. Der Mann fährt Porsche, die Frau duftet nach "Trittin Flaneur". So schick kann zarte Revolution sein.

Ein Duft erobert unsere Republik. Sicher ist jedenfalls, dass "Trittin Flaneur" den gängigen Düften Umsatz abjagt. Damit das noch besser gelingt, entwickeln die PR-Experten eine Kampagne. Sie führt die treuen Kunden, die neuen Kunden und die erhofften Kunden zusammen. Dass heißt: Identifikation stiften und Vertrauen aufbauen.

Vertrauen bedeutet, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, auf das man sich verlassen kann. Vertrauen bedeutet Sicherheit. Es vermittelt dem Kunden das gute Gefühl, sich richtig entschieden zu haben. Vertrauen ist eine Methode, die das Leben erleichtert. Misstrauen bedeutet Stress, weil überall die Gefahr lauert, übers Ohr gehauen zu werden. Misstrauen ist anstrengend, weil damit permanente Kontrolle verbunden ist.

Drehen und wenden Sie das Wort Vertrauen, Sie kommen immer wieder zum Ursprung zurück. Immer geht es darum, Nichtwissen oder Orientierungslosigkeit durch Vertrauen zu kompensieren. Wenn eine Marke das schafft, dann ist sie im Olymp des Konsums angekommen, in der Beletage der wertvollsten Marken.

"Trittin Flaneur" ist eine Marke, die den Weg nach oben erst noch schaffen mus. Wie? Sie muss über alle Zweifel erhaben sein und Mut zur Markanz haben. Nicht nur der Duft allein zählt. Verpackung, Schriftzug, Flacon - es muss sympathisch auffallen und wem es nicht gefällt, der muss wenigstens staunen. Staunen ist ja eine Form von Respekt. Wer staunt, ist überrascht - und schon damit grenzt sich "Trittin Flaneur" vom Gewöhnlichen ab. Wer will schon gewöhnlich sein?

Natürlich versucht die Konkurrenz, die Marke "Trittin Flaneur" schlecht zu reden. Na klar, früher war das eine Kommunisten-Marke. Die Linken haben damit sich damit eingesprüht, um gegen das Establishment anzustinken. Das ist zwar lange her, aber die Wettbewerber verteidigen mit aller Kraft ihre Marktanteile - und da sind natürlich die hässlichen Geschichten aus der Vergangenheit extrem hilfreich.

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  • Wir brauchen Menschen, die den politischen Umbau in diesem Staat zu ihrer politischen Aufgabe machen, keine ideologen, keine Softies, die mit grünlich-emanzipatorischer Charakterwaschlauge weichgespült wurden und bestenfalls über bürokraten-Hemdsärmel mit pseudointellektueller bügelfalte verfügen und sich dann im Ernstfall frasendreschend hinter Mutti Roth und Schwester Kynast einreihen oder verbergen, heimlich die internationale summend und sich an ökologischen Grundsatzfragen diversifizert aufhaltend durch die Amtsperiode kompetenzheuchelnd durchmogeln. Trittin zu einem Duftwässerchen zu verarbeiten, das sich seine gleichgestimmten Fans unter die Nase reiben können, um den viel schlimmeren Gestank der tatsächlichen Realität in diesem Land nicht ertragen zu müssen, ist eine gute Alternative, als diesen Menschen wieder in einflußreiche Ämter zu lassen. Trittin gehört zu dennen, die es gelernt haben, daß einer in der Politik am erfolgreichsten ist, der am besten Kompetenz und Aktivitäten vortäuschen kann, ohne nachweisbare Mißerfolge zu produzieren, weil erfolgreiche Lösungen inzwischen nahezu unmöglich geworden sind, ein Mann der angepaßten neuen Stromlinienform, ein Darsteller fürs Polittheater, der sich gut mit den Halbwahrheiten in seiner branche arrangieren kann...

  • Guten Tag,..... Da ich auch schon viel Unsinn geschrieben habe; sei dem Autor verziehen. besten Dank

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