Gastbeiträge

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Gastkommentar: Über Asien braut sich ein Sturm zusammen

Laura Tyson rechnet damit, dass der Kontinent den Einbruch der Weltwirtschaft zu spüren bekommt. Die frühere Beraterin von US-Präsident Bill Clinton ist skeptisch bezüglich der hohen Wachstumsraten.

Laura Tyson von der University of California, Berkeley. Quelle: picture alliance / dpa
Laura Tyson von der University of California, Berkeley. Quelle: picture alliance / dpa

Zum Ende des Jahres 2011 mehren sich die Anzeichen, dass auch Asien von der globalen wirtschaftlichen Schwäche erfasst wird. Damit schwinden die Hoffnungen, dass sich die Region von der Rezession in Europa und der zögerlichen Erholung in den USA abkoppeln kann. Aufgrund der abnehmenden Nachfrage aus Europa, dem größten ausländischen Absatzmarkt nach den USA, zeigt Chinas Exportwachstum Schwächen. Tatsächlich schrumpft die Produktion zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Dies wirkt sich auch auf andere asiatische Volkswirtschaften aus.

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In der Krise von 2008, als Exporte etwa 45 Prozent des asiatischen Bruttoinlandsprodukts (ohne Japan) ausmachten, fand keine Abkopplung statt. Alle Entwicklungsländer der Region mussten im Zuge des abnehmenden Welthandels einen scharfen Wachstumseinbruch hinnehmen. Auch heute ist eine Entkopplung unwahrscheinlich, da der Exportanteil am BIP etwa gleich geblieben ist und etwa 50 Prozent dieser Exporte immer noch an Industrieländer gehen. Also scheint die Idee der Entkopplung eine Schimäre zu sein.

Selbst bei einer Lösung der Euro-Krise führt die europäische Sparsamkeit zusammen mit dem geringen Wachstum in den USA im exportabhängigen Asien zu einer Verlangsamung. Wenn die asiatischen Volkswirtschaften aber ihre interne Nachfrage steigern und den Konsum ankurbeln, können sie immer noch weit stärker wachsen als der Westen. Die gute Nachricht ist, dass diese Volkswirtschaften genug Raum für eine solche Neuausrichtung haben und auch politisch flexibel genug sind, sie durchzusetzen.

Die asiatischen Länder sind Heimat von 3,5 Milliarden Konsumenten, aber ihr Anteil am weltweiten Konsum bleibt gering - viel geringer als ihr Anteil am globalen BIP. China allein vereint 20 Prozent der Weltbevölkerung, fast elf Prozent des globalen BIPs, aber nur drei Prozent des weltweiten Konsums auf sich. China und die meisten der anderen asiatischen Schwellenländer verfügen über starke Haushaltsbilanzen - das Verhältnis ihrer Haushaltsdefizite und öffentlichen Schulden zum BIP ist relativ gering. Daher haben sie die nötige fiskalische Feuerkraft, um den Konsum anzukurbeln und damit die Effekte zurückgehender Exporte auszugleichen.

Natürlich sind viele lokale Regierungen in China stark verschuldet, und einige müssen vielleicht restrukturiert werden. Aber die Zentralregierung konnte sich im letzten Jahr über 28 Prozent mehr Einnahmen freuen und verfügt über mehr als drei Billionen US-Dollar Fremdwährungsreserven. Zusätzlich können die Politiker in China und anderen asiatischen Staaten aufgrund geringeren Wachstums und abkühlender Rohstoffmärkte ihren Schwerpunkt vom Eindämmen wirtschaftlicher Überhitzung auf eine Neuausrichtung des Wachstums verschieben. In China, wo die Inflation stark fällt, ist bereits die Geldpolitik gelockert worden.

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