Gastkommentar
Ungarn hat sein Tafelsilber verschleudert

Der ehemalige ungarische Ministerpräsident, Gordon Bajnai, warnt vor einem Staatsbankrott des osteuropäischen Landes. Eine inkompetente Wirtschaftspolitik habe Ungarn tief in die Krise gestürzt.
  • 18

Ungarn befindet sich in einer wesentlich kritischeren Lage als im Jahr 2008, als die erste Krisenwelle das Land traf. Der Wechselkurs des Forints, die öffentlichen Schulden, die Risikodaten des Landes und die Anleiheerträge befinden sich allesamt auf dem schlimmsten Stand seit 20 Jahren. Die Regierung steht vor einer einfachen Wahl: Sie muss einen Stand-by-Kredit mit dem Internationalen Währungsfonds mit all seinen strikten Auflagen vereinbaren oder den Staatsbankrott verkünden.

Die wichtigste Ursache für den Rückfall in den Krisenmodus ist eine inkompetente Wirtschaftspolitik. Im Mai 2010 konnte die Regierungspartei Fidesz 53 Prozent der Wählerstimmen erringen, weil sie zwei Gruppen von Wählern mit unterschiedlichen Interessen unerfüllbare wirtschaftliche Versprechungen gemacht hatte.

Sie versprach den Stammwählern, vor allem der wirtschaftlich aktiven Mittelschicht, sofortige und radikale Steuersenkungen, während sie gleichzeitig den Beziehern niedriger Einkommen versicherte, die Sozialausgaben aufrechtzuerhalten und die Sparmaßnahmen zu beenden. Beide Versprechen zu erfüllen hätte den unmittelbaren Kollaps des Haushaltsgleichgewichts zur Folge.

Die sichtlich erschrockene EU-Kommission in Brüssel legte sofort Widerspruch ein. Aber nicht einmal das reichte aus, um die ungarische Regierung zu einem Rückzieher zu bewegen. Stattdessen versuchte sie, Zeit zu schinden. Dadurch verschleuderte sie die letzten Reserven. Die erste Reserve betraf die Auslandsinvestitionen in Ungarn. Das schreckte neue Investoren ab, die Jobs hätten schaffen sowie Technologie und Kapital exportieren können.

Als das nicht ausreichte, erfolgte in einer zweiten Phase eine Verstaatlichung von Pensionsreserven, die über zwölf Jahre aufgebaut worden waren und 25 Prozent aller künftigen Pensionszahlungen abdecken sollten. Pensionsrückstellungen zu nutzen, um staatliche Schulden abzudecken mag schon diskussionswürdig sein, aber einen Großteil dieser Rückstellungen zu vernichten, um das Defizit zu finanzieren ist schon ein Wirtschaftsverbrechen. Ungarn hat einen Teil des „Tafelsilbers“ verschleudert.

Seite 1:

Ungarn hat sein Tafelsilber verschleudert

Seite 2:

Stand-by-Kredit vom IWF ist die letzte Rettung

Kommentare zu " Gastkommentar: Ungarn hat sein Tafelsilber verschleudert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "keine in Ungarn weiss wieviel und wo die viele milliarden dollar sind"
    Ich hoffe dass Du jetzt bei dieser "demokratischen" Regierung ganz im Bilde bist und villeicht mir erklaeren würdest wo de 8,5 millionen, die meine Familie in Privatrentenkasse einbezahlt hatte, sind?
    Wo die Solidaritaetsgelder der Schlammkatastrophe sind?

  • Jozsef:
    In den letzten 10 Jahren ,davon 8 in der opposition, habt Ihr Xtausend Mal dieser Sünden aufgzaehlt,und das gehört gewiss zu Medienfreihheit .Das Raetsel aber was ich jetzt aufzaehle gehört heute nicht zu Medienfreiheit in Ungarn!
    Feldherr von Felcsut(liegt bei Budapest)
    Inhaber der "Fussballer Akademie" in Felcsut
    Weingutbezitzer in Szárazsadány (Tokajer-Gebirge)
    der Familie gehören noch Stein- und Torfgruben.
    Riesige Villa auf der Budaer-Gebirge.

    Du darfst es erraten um welche Familie es geht!

  • Orbán ist genauso Versager, wie die Ministerpräsidenten Lajos Batthyány in 1948 (der erste in Ungarn) oder Imre Nagy in 1956 (s. Wikipedia).

    Schön dass du diesen grossen Namen aufzaehlst- Lajos Batthyány wurde in 1849 hingerichtet (1948 ist nich richtig)Imre Nagy in 1957 . Orban ist ein Kuckuksei in der Reihe .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%