Gastkommentar Unsere Energiewende braucht Hilfe aus Europa

Die Energiewende treibt den Preis für Strom in die Höhe. Um den steigenden Kosten entgegenzusteuern, braucht Deutschland Unterstützung aus den Nachbarländern.
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Der Autor Kurt J. Lauk ist Präsident des Wirtschaftsrats der CDU. Quelle: dpa

Der Autor Kurt J. Lauk ist Präsident des Wirtschaftsrats der CDU.

(Foto: dpa)

Die Energiewende in Deutschland ist im Wesentlichen emotional begründet: Man glaubt so, technische Katastrophen mit Opfern von Menschenleben vermeiden zu können. Ohne internationale Regeln bringt das aber nichts. Der deutsche Alleingang ist offenbar kein Modell für den Rest der Welt. Von weltweit 443 Kernkraftwerken sind seit der Katastrophe von Fukushima 13 abgeschaltet worden: eines altersbedingt in Großbritannien, vier infolge der unmittelbaren Betroffenheit in Japan und acht infolge politischer Entscheidungen in Deutschland. Zeitgleich sind sechs neue Blöcke in Asien ans Netz gegangen. 436 Kernkraftwerke sind damit in Betrieb. Dabei behauptet jedoch keiner, dass diese Technologie eine große Zukunft hat.

Seit der Verkündigung des Ausstiegs haben wir viel gelernt: Der Ausbau der Stromnetze ist Voraussetzung für den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien. Der Netzausbau auf regionaler und überregionaler Ebene jedoch stockt. Die Fans der Energiewende gehen gegen die Folgen ihrer Forderungen auf die Straße. Sie protestieren gegen Leitungstrassen und Stromspeicherwerke und blockieren den Stromtransport aus den Windparks in Nord- und Ostsee in den Süden. Hohe dreistellige Milliardenbeträge müssen in neue Energieinfrastrukturen investiert werden. Zugleich erreichen die Subventionen für erneuerbare Energien unbezahlbare Höhen. Ohne Subventionen rechnet sich wirtschaftlich (fast) nichts.

Die Energiewende hat sich längst zum Preistreiber für Strom entwickelt. 45 Prozent der Haushaltsstromkosten sind Steuern und Abgaben, die seit 1998 um satte 178 Prozent gestiegen sind. Die explosive Verteuerung des Stroms wird zu einer neuen Armutsfalle in Deutschland: Zur Altersarmut kommt jetzt die staatlich verordnete Energie-Armut. Schon gibt es Hilferufe, die sozial Schwachen mit Hartz-IV-ähnlichen Leistungen zu unterstützen. Die deutsche Planwirtschaft bei der Energiewende feiert fröhliche Urstände. Konsequenz ist: Immer weniger müssen immer höhere Kosten tragen. Ohne erneute Wende läuft die Energiewende vor die Wand.

Es wird immer deutlicher: Durch den planlosen Ausbau erneuerbarer Energien frei nach dem Motto „Hauptsache, die staatlich garantierte Rendite stimmt“ setzen wir die Versorgungssicherheit unseres Industrielandes aufs Spiel: Mangels Netzen und Speichern können Wind und Sonne nicht zu einer stabilen Versorgung beitragen. Die vier Stromübertragungsnetzbetreiber haben festgestellt: Nur durch eine Verkettung vieler glücklicher Umstände und die Aktivierung von Reservekraftwerken in Österreich sind wir diesen Winter an einem Blackout vorbeigeschrammt. Angesichts der hohen Industriestromkosten und abnehmender Versorgungssicherheit verlassen energieintensive Industrien Deutschland und investieren verstärkt im Ausland.

Die Energiewende entschleunigen
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17 Kommentare zu "Gastkommentar: Unsere Energiewende braucht Hilfe aus Europa"

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  • fetten Gewinne der Stromkonzerne ... sind da eigentlich auch schon die fetten Gewinne der EE-Produzenten mit dabei ? oder sind das "gute" fette Gewinne von "guten" Stromkonzernen ?

  • Schön das die Welt immer so einfach ist ... hier die "Atomlobbyisten", die von Geldgierigen Stromkonzernen bezahlt werden um für die Todestechnik schlechthin zu schreiben und auf der anderen Seite die edlen "Solaraktivisten" bzw. "Erneuerbaren-Energie-Robin-Hoods" die nur zum Wohle der ganzen Menschheit die reine und absolute Wahrheit posten und natürlich grüne Energie zum Nulltarif für alle versprechen ... es ist doch alles soooooo einfach

  • Der Zuspruch für "Erneuerbare" Energien geht bedauerlicherweise nicht gegen 0

    Wenn Sie Kommentare die Kommentare sehen, z.B. SGK10, sehen Sie wie weit sich Menschen selbst illusionieren können. Im WKII verschwanden die Illusionen erst als die Sieger vor der Tür standen.

    Ich meine Sie werden noch auf ein Eselmobil umsteigen müssen und ihren übernächsten Computer, sofern Sie sich diesen leisten können, bei Windstille mit der Handkurbel antreiben müssen.

    Vandale
    Vandale

  • Die dümmste und gefährlichste Entscheidung seit dem Ende des 2.Weltkrieges ist die sog."Energiewende" Ohne eine lange Abhandlung darüber zu schreiben werden wir bald erleben, dass die Energiekosten für viele nicht mehr bezahlbar sind und viele Industriestandorte sich verändern werden. Ich schreibe das als Privatperson ohne Lobby-Hintergrund.Über alternative Energie nachzudenken und zu forschen, alles o.k. aber nicht aus wahltaktischen Erwägungen heraus, eine ganz Nation zu verarschen.

  • So eine Stuss wie diesen Artikel habe ich lange nicht gelesen. Die fetten Gewinne der Stromversorger sind viel zu hoch, hier muss staatlich eingegriffen werden, um diese Raffgier ein für alle Mal zu liquidieren.

  • tja, schön das immer wieder die gebildeten Lobbyisten sich zu Wort melden wenn es um Energie geht. Die Rechnung wird von A-Z geschönt, dann passt es wieder mit der tollen Atomenergie - gerade für die einfachen Geister. Wieviel Milliarden wurden seit Strauss an Subventionen umgeleitet? Wer trägt die Kosten für eine ( nicht vorhandene ) Endlagerung und Transporte? Wer hat den Rwe's Milliarden Gewinne von Steuerzahlers Gnade beschert - diese Milliarden sind allerdigns immer blitschnell versickert. Ups. Wer hat den Erzeugern die komplette Infrastruktur geschenkt? Diese wurde dann, um die Gewinne zu erhöhen, vergammeln gelassen bis die Masten umkippten.
    Wer hat keine nennenswerte Investitionen in erneuerbare Energien gesteckt und jammert jetzt das China vorne liegt? Ich kann ja verstehen, dass die das Lied derer singen, deren Brot sie essen - aber erstmal an die eigene Nase greifen bevor wieder diese Pavlovschen Reflexe hier gepostet werden.

  • @Gast:

    Richtig, Sie zählen einen Teil der durch Ihren Nachbarn erzeugten Energie. So ist das. Für ein Produkt oder eine Dienstleistung, in diesem Fall die Stromerzuegung muss man bezahlen. Sie zahlen ja auch für die Äpfel vom Bauern und die Tomaten aus Holland.

    Zudem muss natürlich festgestellt werden, Sie zahlen mit Ihrer Stromrechnung ja auch die Gewinne von EON und RWE und deren Aktionären - eine massive Umverteilung von unten nach oben. An einer Solaranlage oder einem Windpark kann jeder Teil haben. Es gibt genug erneuerbare Energiegenossenschaften oder Fonds.

    Wahrscheinlich sind sie ein typischer HB Leser, der den ganzen Tag mit Aktien zockt. Das ist für Sie ja sicher alles in Ordnung?!

  • Der Grund für den höheren Preis in De ist aber die höhere Steuerbelastung.

  • Ich bin immer wieder geschockt, wie naiv und teilweise in allen technischen Fragen ungebildet behauptet wird, dass die Energiewende kein Problem darstellt. Fast jeden Tag lese ich die Verzögerungen, die durch zu hohe Umweltauflagen bei den Windparks entstehen etc. Aber so ist es, wenn emotional diskutiert wird. Der größte Witz ist der mit den Solaranlagen, wo die Wertschöpfung in china erfolgt und ich bezahlen darf, das s mein Nachbar die Anlagen installiert und ich mir es nicht leisten kann. Dafür fliegen die jedes Jahr zweimal zum Tauchen ans Ende der Welt, aber mir erzählen die immer wie ökologisch sie leben. Irrsinn mit der Ideologie.

  • Bildungswende ist auch notwendig.

    gerade dieser Artikel und die Reaktionen darauf zeigt, dass wir unsere Zukunktsfähigkeit schon längst verloren haben. Früher musste sich der Fürst und der Bischof einigen: Du hälst sie dumm ich halte sie arm. Heute hat unser Staat für beides die Macht und nutz diese aus. Bei allen Diskussion über Windenergie und Fotovoltaik wird immer vergessen, dass für beide Energiearten es erstens einen Begrenzung gibt und zweites wir massiv in das Wettergeschehen eingreifen, was ja eigentlich zu verhindern war. Daher schon mal Thema verfehlt. Wer die Gnade der frühen Geburt und ein intaktes Bildungssystem genossen hat, kann sich von der Solarkonstante (Energimenge, die die Sonne pro qm abgibt) ausreichen, dass es nur für ca. 30% des Energiebedarfs von Deutschland reicht. Wenn wir weiter mehr Zug fahren und auch die Autos immer mehr auf E-Antriebe umstellen, so muss das zu einen Zuwachs führen. Leider ist unsere Politik ( auch dank der Medien) nur noch ein dogmatisches hin und her. Fakten werden beliebig erfunden und verdreht. Es wird gezeigt wieviel Haushalte man mit Windenergie versorgen kann. Nur zeigen, tut es keiner. Auch genaue Aussagen über die Leistung die ein Windanlage liefert. Fehlanzeige. Installiert haben wir ja schon deutlich mehr als Leistung aus Kernernieanlagen. Daher müsste wir die schon längst abeschalten können. Ja wir haben auch mal kurz in diesem Winter Energie an Frankreich geliefet, die wir aus Östereich und Tschechien importiert haben. Die hochgerechnete Energieversorgung für 2040 sieht vor ca 30% vom Ausland zu kaufen. Sonst funktioniert das nicht.
    Die Kosten für Energie sind ja entsprechende dem Politischen Willen extrem angestiegen. Somit werden wir weiterhin arm und dumm bleiben.

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