Gastkommentar
Unsere Energiewende braucht Hilfe aus Europa

Die Energiewende treibt den Preis für Strom in die Höhe. Um den steigenden Kosten entgegenzusteuern, braucht Deutschland Unterstützung aus den Nachbarländern.
  • 17

Die Energiewende in Deutschland ist im Wesentlichen emotional begründet: Man glaubt so, technische Katastrophen mit Opfern von Menschenleben vermeiden zu können. Ohne internationale Regeln bringt das aber nichts. Der deutsche Alleingang ist offenbar kein Modell für den Rest der Welt. Von weltweit 443 Kernkraftwerken sind seit der Katastrophe von Fukushima 13 abgeschaltet worden: eines altersbedingt in Großbritannien, vier infolge der unmittelbaren Betroffenheit in Japan und acht infolge politischer Entscheidungen in Deutschland. Zeitgleich sind sechs neue Blöcke in Asien ans Netz gegangen. 436 Kernkraftwerke sind damit in Betrieb. Dabei behauptet jedoch keiner, dass diese Technologie eine große Zukunft hat.

Seit der Verkündigung des Ausstiegs haben wir viel gelernt: Der Ausbau der Stromnetze ist Voraussetzung für den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien. Der Netzausbau auf regionaler und überregionaler Ebene jedoch stockt. Die Fans der Energiewende gehen gegen die Folgen ihrer Forderungen auf die Straße. Sie protestieren gegen Leitungstrassen und Stromspeicherwerke und blockieren den Stromtransport aus den Windparks in Nord- und Ostsee in den Süden. Hohe dreistellige Milliardenbeträge müssen in neue Energieinfrastrukturen investiert werden. Zugleich erreichen die Subventionen für erneuerbare Energien unbezahlbare Höhen. Ohne Subventionen rechnet sich wirtschaftlich (fast) nichts.

Die Energiewende hat sich längst zum Preistreiber für Strom entwickelt. 45 Prozent der Haushaltsstromkosten sind Steuern und Abgaben, die seit 1998 um satte 178 Prozent gestiegen sind. Die explosive Verteuerung des Stroms wird zu einer neuen Armutsfalle in Deutschland: Zur Altersarmut kommt jetzt die staatlich verordnete Energie-Armut. Schon gibt es Hilferufe, die sozial Schwachen mit Hartz-IV-ähnlichen Leistungen zu unterstützen. Die deutsche Planwirtschaft bei der Energiewende feiert fröhliche Urstände. Konsequenz ist: Immer weniger müssen immer höhere Kosten tragen. Ohne erneute Wende läuft die Energiewende vor die Wand.

Es wird immer deutlicher: Durch den planlosen Ausbau erneuerbarer Energien frei nach dem Motto „Hauptsache, die staatlich garantierte Rendite stimmt“ setzen wir die Versorgungssicherheit unseres Industrielandes aufs Spiel: Mangels Netzen und Speichern können Wind und Sonne nicht zu einer stabilen Versorgung beitragen. Die vier Stromübertragungsnetzbetreiber haben festgestellt: Nur durch eine Verkettung vieler glücklicher Umstände und die Aktivierung von Reservekraftwerken in Österreich sind wir diesen Winter an einem Blackout vorbeigeschrammt. Angesichts der hohen Industriestromkosten und abnehmender Versorgungssicherheit verlassen energieintensive Industrien Deutschland und investieren verstärkt im Ausland.

Seite 1:

Unsere Energiewende braucht Hilfe aus Europa

Seite 2:

Die Energiewende entschleunigen

Kommentare zu " Gastkommentar: Unsere Energiewende braucht Hilfe aus Europa"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • fetten Gewinne der Stromkonzerne ... sind da eigentlich auch schon die fetten Gewinne der EE-Produzenten mit dabei ? oder sind das "gute" fette Gewinne von "guten" Stromkonzernen ?

  • Schön das die Welt immer so einfach ist ... hier die "Atomlobbyisten", die von Geldgierigen Stromkonzernen bezahlt werden um für die Todestechnik schlechthin zu schreiben und auf der anderen Seite die edlen "Solaraktivisten" bzw. "Erneuerbaren-Energie-Robin-Hoods" die nur zum Wohle der ganzen Menschheit die reine und absolute Wahrheit posten und natürlich grüne Energie zum Nulltarif für alle versprechen ... es ist doch alles soooooo einfach

  • Der Zuspruch für "Erneuerbare" Energien geht bedauerlicherweise nicht gegen 0

    Wenn Sie Kommentare die Kommentare sehen, z.B. SGK10, sehen Sie wie weit sich Menschen selbst illusionieren können. Im WKII verschwanden die Illusionen erst als die Sieger vor der Tür standen.

    Ich meine Sie werden noch auf ein Eselmobil umsteigen müssen und ihren übernächsten Computer, sofern Sie sich diesen leisten können, bei Windstille mit der Handkurbel antreiben müssen.

    Vandale
    Vandale

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%