Gastkommentar
Wer hat Schuld an Griechenlands Not?

Früher oder später wird sie kommen: Die Diskussion darüber, wer die Schuld trägt an der griechischen Tragödie. Vier Verdächtige kristallisieren sich heraus. Leider werden sie wohl alle zu leicht davonkommen.
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Angesichts der traumatischen Implosion Griechenlands sollten wir uns auf eine erhitzte Debatte darüber einstellen, wer für die wachsende Not, der sich Millionen Menschen nun ausgesetzt sehen, die Schuld trägt. Es gibt vier Verdächtige, die alle auch an dem spektakulären Boom beteiligt waren, der der Krise voranging.

Viele werden geneigt sein, den Regierungen die Schuld zu geben, die von den beiden einst vorherrschenden politischen Parteien geführt wurden, der rechten Nea Dimokratia und der linken Pasok-Partei. Diese häuften in ihrem Eifer, dem Land einen auf Pump finanzierten Wohlstand zu bringen, enorme Schulden an und nahmen einen dramatischen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit hin. Und manche nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau und vertuschten das wahre Ausmaß ihrer haushaltsmäßigen Fehlleistungen und der Verschuldung.

Beide Parteien ließen ihre Bürger im Stich, als nach der globalen Finanzkrise von 2008 Reformen erforderlich gewesen wären. Auf eine erste Phase des Kopf-in-den-Sand-Steckens folgte die Übernahme von finanziellen Verpflichtungen, die gar nicht zu erfüllen waren. In der Folge wurde das internationale Standing Griechenlands ruiniert, und das verschärfte die Not seiner Bürger.

Stopp, höre ich Sie sagen: Für jede aufgenommene Schuld gibt es einen Kreditgeber. Stimmt. Griechenlands private Gläubiger waren mehr als willig, ihr Geld in das Land zu pumpen, nur um sich dann, als der künstliche Boom nicht durchzuhalten war, davor zu drücken, ihren Teil der Lasten zu übernehmen. Die überzogene Kreditvergabe war so weit verbreitet, dass der Zinsabstand zwischen griechischen und deutschen Anleihen auf 0,06 Prozentpunkte schrumpfte - lächerlich wenig für zwei derart unterschiedliche Länder.

Doch weder die griechische Regierung noch ihre privaten Gläubiger agierten in einem Vakuum. Die Euro-Zone blieb insgesamt mit ihren Regeln und Institutionen hinter den Erfordernissen zurück. Man erinnere sich: Die großen Kernvolkswirtschaften Frankreich und Deutschland gehörten zu den ersten Mitgliedern, die gegen die bei der Einführung des Euros vereinbarten Haushaltsregeln verstießen. Und die europäischen Institutionen erwiesen sich als zahnlos, als es darum ging, die Einhaltung dieser Regeln durchzusetzen.

Europa versäumte es zudem, angemessen zu reagieren, als klar wurde, dass Griechenland ins Schwanken geriet. Die anderen europäischen Regierungen machten zwar widerwillig Geld locker, um Griechenland zu stützen, doch ihre Strategie war mangelhaft und miserabel koordiniert.

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Wer hat Schuld an Griechenlands Not?

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Alle vier müssen zur Verantwortung gezogen werden

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  • In erster Linie sind wohl die Griechen selbst schuld. Die Regierung hat dauerhaft mehr Geld ausgegeben als sie eingenommen hat - und die Bürger haben diese Regierung gewählt. Sie haben von den Versprechungen täuschen lassen.

    Schuld haben aber auch die deutsche Regierung und die europäischen Finanzkonzerne. Die Finanzkonzerne haben Griechenland Kredite gegegeben - und sie haben die deutsche (wie auch andere europäische Regierungen) genötigt Griechenland zu stützen, als immer stärker klar wurde, dass Griechenland die Rückzahlungen nicht mehr leisten konnte.

    Die deutsche Regierung (wie auch andere) haben in dilettantischer Weise (man kann es leider nicht anders bezeichnen) versagt vor allem in folgenden Punkten:
    -Aufnahme Griechenlands in die EU (Prüfung der Voraussetzungen)
    -Beurteilung der Fähigkeit Griechenlands ihre Schulden zu tilgen
    -Information der Bevölkerung über die wirtschaftliche Situation in der einzelnen Staaten der EU

  • Die Not der Griechischen Bürger ist im wesentlichen einem aufgeblähten Bürokratismus und einer durch das Beispiel der Regierungsvertreter korrumpierbarer Einstellung mitgeschuldet. Was die Sache verschlimmerte, war der Abzug grosser Vermögen aus dem Land und die Sparzwänge der EU,EZB u. IWF. Jetzt hat man das Ergebnis. Griechenlan ist zu einem dritte Welt Land kaputtgespart worden. Der krönende Abschluss ist die Aufgabe des EUro die längst überfällig ist. Aber Länder wie Irland, Italien , Spanien u. Portugal stehen auch schon auf dieser Agenda.
    Das Siechtum und das Ende des EUro ist vorhersehbar. Wird allerdings durch die Rettungsschirme u. den Target2 auch FR.u.Deutschland mit in den Sog ziehen. Inflation, VErarmung breiter Massen , Soz. Unruhen werden die Folge sein. Jetzt ist noch Zeit für Deutschland aus dem Euro auszusteigen um die Schäden klein zu halten, was wir allerdings 2015 oder 2030 nicht mehr können. Dann sind Generationen mit Schulden und deren Folgen belastet. Eine Art moderner Sklavenhaltung wird die Folge sein.

  • yes. so ist es immer. erst alles in europa kaputt machen und sich dann als aufbauhelfer feiern lassen. nur wenige leute wissen, dass hitler und die nazis heimlich von den usa in deutschland an die macht gepusht wurden, um ein wenig unruhe in europa reinzubringen. dann ist der große krieg ausgebrochen, man konnte den deutschen die schuld in die schuhe schieben und nebenbei seine darbende wirtschaft zum aufschwung verhelfen. so etwas läuft gerade wieder in der anfangsphase nach etwas geändertem muster ab. wahrscheinlich wirds wieder zu einem sogenannten europäischen bürgerkrieg führen und die ursachen dafür wird erst mal keiner hinterfragen. hier gehts doch nur um wirtschaftliche interessen der großen finanzmogule, die jetzt ihre beute auf ihrem teller haben möchten, koste es was es wolle.

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