Gastkommentar Wer hat Schuld an Griechenlands Not?

Früher oder später wird sie kommen: Die Diskussion darüber, wer die Schuld trägt an der griechischen Tragödie. Vier Verdächtige kristallisieren sich heraus. Leider werden sie wohl alle zu leicht davonkommen.
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Mohamed El-Erian, Chef der Pacific Investment Management Company (PIMCO). Quelle: Reuters

Mohamed El-Erian, Chef der Pacific Investment Management Company (PIMCO).

(Foto: Reuters)

Angesichts der traumatischen Implosion Griechenlands sollten wir uns auf eine erhitzte Debatte darüber einstellen, wer für die wachsende Not, der sich Millionen Menschen nun ausgesetzt sehen, die Schuld trägt. Es gibt vier Verdächtige, die alle auch an dem spektakulären Boom beteiligt waren, der der Krise voranging.

Viele werden geneigt sein, den Regierungen die Schuld zu geben, die von den beiden einst vorherrschenden politischen Parteien geführt wurden, der rechten Nea Dimokratia und der linken Pasok-Partei. Diese häuften in ihrem Eifer, dem Land einen auf Pump finanzierten Wohlstand zu bringen, enorme Schulden an und nahmen einen dramatischen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit hin. Und manche nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau und vertuschten das wahre Ausmaß ihrer haushaltsmäßigen Fehlleistungen und der Verschuldung.

Beide Parteien ließen ihre Bürger im Stich, als nach der globalen Finanzkrise von 2008 Reformen erforderlich gewesen wären. Auf eine erste Phase des Kopf-in-den-Sand-Steckens folgte die Übernahme von finanziellen Verpflichtungen, die gar nicht zu erfüllen waren. In der Folge wurde das internationale Standing Griechenlands ruiniert, und das verschärfte die Not seiner Bürger.

Stopp, höre ich Sie sagen: Für jede aufgenommene Schuld gibt es einen Kreditgeber. Stimmt. Griechenlands private Gläubiger waren mehr als willig, ihr Geld in das Land zu pumpen, nur um sich dann, als der künstliche Boom nicht durchzuhalten war, davor zu drücken, ihren Teil der Lasten zu übernehmen. Die überzogene Kreditvergabe war so weit verbreitet, dass der Zinsabstand zwischen griechischen und deutschen Anleihen auf 0,06 Prozentpunkte schrumpfte - lächerlich wenig für zwei derart unterschiedliche Länder.

Doch weder die griechische Regierung noch ihre privaten Gläubiger agierten in einem Vakuum. Die Euro-Zone blieb insgesamt mit ihren Regeln und Institutionen hinter den Erfordernissen zurück. Man erinnere sich: Die großen Kernvolkswirtschaften Frankreich und Deutschland gehörten zu den ersten Mitgliedern, die gegen die bei der Einführung des Euros vereinbarten Haushaltsregeln verstießen. Und die europäischen Institutionen erwiesen sich als zahnlos, als es darum ging, die Einhaltung dieser Regeln durchzusetzen.

Europa versäumte es zudem, angemessen zu reagieren, als klar wurde, dass Griechenland ins Schwanken geriet. Die anderen europäischen Regierungen machten zwar widerwillig Geld locker, um Griechenland zu stützen, doch ihre Strategie war mangelhaft und miserabel koordiniert.

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60 Kommentare zu "Gastkommentar: Wer hat Schuld an Griechenlands Not?"

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  • In erster Linie sind wohl die Griechen selbst schuld. Die Regierung hat dauerhaft mehr Geld ausgegeben als sie eingenommen hat - und die Bürger haben diese Regierung gewählt. Sie haben von den Versprechungen täuschen lassen.

    Schuld haben aber auch die deutsche Regierung und die europäischen Finanzkonzerne. Die Finanzkonzerne haben Griechenland Kredite gegegeben - und sie haben die deutsche (wie auch andere europäische Regierungen) genötigt Griechenland zu stützen, als immer stärker klar wurde, dass Griechenland die Rückzahlungen nicht mehr leisten konnte.

    Die deutsche Regierung (wie auch andere) haben in dilettantischer Weise (man kann es leider nicht anders bezeichnen) versagt vor allem in folgenden Punkten:
    -Aufnahme Griechenlands in die EU (Prüfung der Voraussetzungen)
    -Beurteilung der Fähigkeit Griechenlands ihre Schulden zu tilgen
    -Information der Bevölkerung über die wirtschaftliche Situation in der einzelnen Staaten der EU

  • Die Not der Griechischen Bürger ist im wesentlichen einem aufgeblähten Bürokratismus und einer durch das Beispiel der Regierungsvertreter korrumpierbarer Einstellung mitgeschuldet. Was die Sache verschlimmerte, war der Abzug grosser Vermögen aus dem Land und die Sparzwänge der EU,EZB u. IWF. Jetzt hat man das Ergebnis. Griechenlan ist zu einem dritte Welt Land kaputtgespart worden. Der krönende Abschluss ist die Aufgabe des EUro die längst überfällig ist. Aber Länder wie Irland, Italien , Spanien u. Portugal stehen auch schon auf dieser Agenda.
    Das Siechtum und das Ende des EUro ist vorhersehbar. Wird allerdings durch die Rettungsschirme u. den Target2 auch FR.u.Deutschland mit in den Sog ziehen. Inflation, VErarmung breiter Massen , Soz. Unruhen werden die Folge sein. Jetzt ist noch Zeit für Deutschland aus dem Euro auszusteigen um die Schäden klein zu halten, was wir allerdings 2015 oder 2030 nicht mehr können. Dann sind Generationen mit Schulden und deren Folgen belastet. Eine Art moderner Sklavenhaltung wird die Folge sein.

  • yes. so ist es immer. erst alles in europa kaputt machen und sich dann als aufbauhelfer feiern lassen. nur wenige leute wissen, dass hitler und die nazis heimlich von den usa in deutschland an die macht gepusht wurden, um ein wenig unruhe in europa reinzubringen. dann ist der große krieg ausgebrochen, man konnte den deutschen die schuld in die schuhe schieben und nebenbei seine darbende wirtschaft zum aufschwung verhelfen. so etwas läuft gerade wieder in der anfangsphase nach etwas geändertem muster ab. wahrscheinlich wirds wieder zu einem sogenannten europäischen bürgerkrieg führen und die ursachen dafür wird erst mal keiner hinterfragen. hier gehts doch nur um wirtschaftliche interessen der großen finanzmogule, die jetzt ihre beute auf ihrem teller haben möchten, koste es was es wolle.

  • Das heisst das, nach ihrer Weltsicht, derjenige der Kredite aufnimmt bzw Foerdergelder zum Aufbau einer funktionierenden Volkswirtschaft von seinen Solidarpartnern erhaelt schuldlos am Misbrauch dieser Gelder ist - WEIL ES ZU EINFACH WAR DIESE ZU ERHALTEN?! Oh Mann...was muss denn noch passieren, damit ihr Hellenen lernt wie das Leben funktioniert? Eine solche Verweigerung der Realitaet, verbunden mit beispielloser Unverschaemtheit, hat die Welt noch nicht gesehen!

  • All dies entbindet das griechische Volk nicht von seiner Verantwortung. Ich weiss, und nun auch der Rest der Welt, das Eigenvernatwortung von Hellenen generell abgelehnt wird. Es ist immer eine Verschwoerung gegen das griechische Volk. lol Werdet erwachsen!!

  • Sie beluegen sich, immer noch, selbst liebster Hellene. Ich habe von 2000-2011 in Griechenland gelebt und ein Unternehmen geleitet. Kontakte zu Politik und Industrie haben mir aufgezeigt, wie Griechen "ticken". Und ich werde nicht muede werden den Rest der Welt vor ihrem Charakter und ihrem Geschaeftsgebaren zu warnen. Wobei, das griechische Volk zeigt ja gerade sein wahres Gesicht, das sollte dann wohl Warnung genug sein.

  • Herrlich, eine facettenreiche Debatte. Hier nun ein Beitrag, die Dinge in einem etwas größeren Zusammenhang zu sehen:
    Alle reden von der Globalisierung. Sie ist real und technologiegetrieben, insofern also unumkehrbar. Jeder erwartete sich davon Vorteile, was theoretisch ja auch stimmt. Nur das Tempo ist zu hoch und nicht steuerbar. Der rasche Schwerpunktwechsel vom Westen in den Osten führt zu einer relativen Verarmung des Westens. Als vor etwa zwanzig Jahren sich die ersten volkswirtschaftlichen Folgen im Westen zeigten (fehlendes Wachstum, zunehmende Arbeitslosigkeit, klamme Staatshaushalte), wurde dies als eine Konjunkturdelle angesehen und als solche behandelt, nämlich mit Aktionismus und leichtem Geld (Gruenspan und FED). Niemand sah es oder wollte es dem Wahlvolk eingestehen, daß sich ein grundsätzlicher Wandel anbahnte. Die Folge war der kollektive Marsch in die falsche Richtung: billiges Geld, Konjunkturprogramme, Blasen aller Art in rascher Folge (die nächsten stehen schon hinter der Tür), soziale Umverteilung auf Pump (um wenigstens den status quo des Lebensstandards zu halten und den Wähler ruhig zu stellen). Das ist im Kern der Grund für die allgemein katastrophale Verschuldung der westlichen Industriestaaten. Langfristig gesehen ist damit deren (relativer) Niedergang besiegelt. GR ist nur das schwächste Glied in der Kette und macht den Anfang. Alle anderen, selbst die USA werden folgen, hinhaltend zwar wegen der immensen Substanzwerte, die erst verzehrt werden, aber letzten Endes doch.

  • @gquell
    "... und der Staat hat sich aus den Geschäften rausgehalten."
    Sorry, genau das Gegenteil ist der Fall. Der Staat hat die Hände überall in der GR-Wirtschaft, sei es durch direkten Staatsbesitz oder durch massive regulative Eingriffe, sehr oft zugunsten der paar Dutzend besitzenden griechischen Familien, die gleichzeitig auch in wechselnder Zusammensetzung die GR-Politik bestimmen. In GR kennt jedes Kind die Namen (ich auch) und hat schon längst resigniert. Ich wette darauf, daß alle diese Clans schon seit langem, sozusagen traditionell, ihre Schäfchen im trockenen (Ausland) haben und nun nur milde lächeln, wenn über den €-Austritt diskutiert wird.

  • @Beobachter:
    Sie sollten etwas vorsichtiger mit Ihren Aussagen sein, wenn Sie nicht einen Sack über den Kopf haben wollen und dann wieder etwas sehen wenn Sie auf Guantanamo aufwachen...
    Die USA sind doch unsere verbündete. die USA haben doch ausserhalb der westlichen Welt sich nur Freunde gemacht. die USA haben doch immer Kriege begonnen um Ihrer maroden Industrie unter die Arme greifen zu können.
    Wissen was komisch an dieser Sache ist? Die Griechen bauen gerade einen Grenzwall auf, damit Sie die Leute zurückhalten können die über die Türkei in die EU wollen. Nun kann die Türkei froh sein das Die Mauer fertig ist wenn Griechenland zusammenbricht und alle nur noch wegwollen...

  • In vielem einerstanden mit Herrn El-Erian. Aber er hat einen wesentlichen Verantwortlichen vergessen - die USA. Denn von dort ging die weltweite Finanzkrise aus, die mit ihren Ausläufern das griechische Desaster erst möglich machte. Eine US-Finanzwirtschaft, die getrieben von der FED immer neue undurchsichtige Produkte unters olks brachte, bis die Blase schließlich platzte. Die US-Administration lenkt mit erweisen auf Europa nur allzu gern von dieser Verantwortung ab. Bislang ist "jenseits des Teichs" der Poloitik nur eingefallen, immer mehr Dollers zu drucken. Tatsächlicher ökonomischer Effekt gleich Null; daraus gezogene Lehren: keine.

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