Gastbeiträge

Der Westen steckt in einem schrecklichen Dilemma

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Wer schützt die Christen und Alawiten?

Der Westen müsste zugleich für einen zweiten Krieg gerüstet sein, zumindest eine Streitmacht bereithalten, die jedwede Gegenintervention abschreckt, sei es durch Iran, das mit Assad seine Bastion am Mittelmeer verlöre - oder durch Teherans Stellvertreter Hisbollah.

Der Westen müsste auch Ankara von einem Einmarsch abhalten können - für den Fall, dass die syrischen Kurden einen eigenen Staat aus der Erbmasse Assads schneiden. Die gerechte Sache entpuppt sich also als Krieg mit offenem Ende und endloser Rechnung, die in der reinen Moral keine Rolle spielt.

3. Wie ginge es weiter? Jeder Krieg, auch ein selbstloser, hat mit den drei K zu tun: Konsequenzen, Kosten, Durchhalte-Kraft. Dieser Krieg sei humanitäre Pflicht, dozieren die Verfechter: Der Tyrann muss gestürzt, das Volk gerettet werden! Leider ist die syrische Tragödie kein Kampf zwischen Gut und Böse, sondern ein Bürger- und Religionskrieg, der über Tod und Leben aller Gruppen entscheidet.

Gewinnt die sunnitische Mehrheit mit Hilfe des Westens und der sunnitischen Potentaten am Golf, wer schützt die jeweils 2,5 Millionen Christen und Alawiten, dazu die Hälfte der zwei Millionen Kurden, die ihr Schicksal mit dem Assad-Regime verknüpft haben? Schießen wir auf die neuen Herren, denen wir den Sieg geschenkt haben? Und wie lange, wenn unsere eigene Öffentlichkeit nur „billige“ und blutlose Kriege goutiert?

4. Was gebietet das Interesse? Was wie ein Kampf für die Demokratie aussieht, ist in Wahrheit ein Krieg aller gegen alle um die Vorherrschaft, an dessen Ende ein neues Gewaltregime mit anderer ethnisch-religiöser Färbung stehen könnte. Der Westen steckt in einem Dilemma, das schrecklicher nicht sein könnte.

Im Namen der Demokratie hat er sich mit den sunnitischen Despoten am Golf zusammengetan, die sich keinesfalls eine demokratische Zukunft für Syrien wünschen. Es kommt noch schlimmer. Henry Kissinger hat es so ausgedrückt: „Inzwischen ist El Kaida in den Konflikt eingetreten - zugunsten der Kräfte, denen sich auch die USA anschließen sollen.“ Mithin: Amerika und El Kaida Seit' an Seit'! Moralisch erhebend ist diese Aussicht nicht.

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Welche blutige Ironie der Geschichte: Die Arabellion hat Nahost heftiger erschüttert, als es alle Diktatoren seit Nasser, Saddam und Assad je geschafft haben. Der Westen kann und wird in diesen Bürgerkrieg nicht offen eingreifen. Wenn er Glück hat, wird er ihn eindämmen können. Wenn da bloß nicht so viele Mächte von Ankara bis Teheran, von Moskau bis Peking mitmischten, die bestimmt nicht in moralischen Kategorien denken.

  • 09.08.2012, 13:51 Uhr1-Weltordnung

    Wenn Deutschland vernünftig ist, lassen sie sich nicht wieder vor dem Karren der Israelis / Amis spannen.

    Eigentlich sollte es ausreichen, dass deutsche Soldaten für eine sichere Drogenversorgung in Afganistan sterben und verstümmelt werden.

    In Syrien kämpfen CIA/ Mossad Terroristen gegen den Staat.

    Es sollte ausreichen, dass wir den Israelis schon Uboote schenken müssen. Aber dass dt. Soldaten für israelische Interessen sterben müssen, wäre unverantwortlich.



  • 09.08.2012, 14:09 Uhrwhoknows

    "Der Westen steckt in einem schrecklichen Dilemma"

    Vor allem in einem selbstgestrickten Dilemma.
    Nach dem Ende des osmanischen Reiches wurden von den europäischen Siegermächten Claims (Sykes–Picot Agreement) abgesteckt und Staaten gegründet, welche nicht mit der vorhandenen Siedlungsstruktur der lokalen Völker übereinstimmte.

    Aus dem französischem Claim wurden Syrien und Libanon, aus dem britischen Jordanien, Irak und Palestina.

    Diese künstlichen Staatsstrukturen sind so fragil, das sie nur mit Unterdrückung und ausländischer Unterstützung funktionieren.

    Assad ist ruchlos genug um sein eigenes Volk abzuschlachten. Er wird erst dann stürzen, wenn seine Unterstützer in Moskau und Iran den Stecker ziehen. Ein neuer Machthaber wird Syrien aber genauso brutal regieren müssen wie Assad, es sei denn man akzeptiert den natürlichen Zerfall Syriens.

    Das sollte uns allen in Europa eine Warnung sein nicht mit den Völkern und Nationen Europas zu spielen und keinen Brüsseler Superstaat anzustreben.

    Sonst steht uns irgendwann dasselbe wie in Syrien ins Haus.

  • 09.08.2012, 14:22 UhrNWO

    ---@ whoknows

    Nun glauben Sie doch nicht jeden Mist.

    Der Ami's / Juden bestimmen schon heute, was bei uns gemacht wird. Warum sollte uns denn das ins Haus stehen, was die Amis gerade in Syrien wieder anstellen ?

    Aber Ihrem Text entnehme ich, dass sie voll in die Falle der Maistream Medien gelaufen sind.

    Träumen sie ruhig weiter,

    süß
    voll süß

  • Kommentare
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