Geldentwertung
Inflation schadet den Alten von morgen

Die Kosten der Krise wird die heutige Generation 45+ bis ins Alter tragen, das ist klar. Nun ist die Frage: Mit welchem Maß an Inflation? Der Weg der Geldentwertung richtet in jedem Fall den größten Schaden an.
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Ganz Europa stöhnt über Deutschlands Inflationstrauma. Wie schön könnte alles sein, wenn es nur die Deutschen nicht gäbe. Ein bisschen mehr Inflation, die Staatsschulden würden entwertet, der Geldfluss käme wieder in Gang, die Leute würden ihr Geld ausgeben - so, wie sie es in der Türkei tun, dem neuen Wirtschaftswunderland.

Die Deutschen aber lieben es, das große Trauma des 20. Jahrhunderts zu pflegen und damit die europäischen Nachbarn in Mithaftung zu nehmen. Zieht die Inflation an, bekommen sie Panikattacken. Diese Art der Angst aber beeindruckt die Krisenländer Europas und die großen Handelspartner immer weniger. Dabei gibt es gute Gründe für Deutschland, sich mehr als andere vor der Inflation zu fürchten. Der gewichtigste ist die Demografie. Ein Land, dessen Bevölkerungsmehrheit sich dem Rentenalter nähert, kann verlorenen Wohlstand nicht mehr zügig durch Wirtschaftswachstum und durch solidarische Leistungen der Jüngeren kompensieren.

Der neue Begründungszusammenhang für die deutsche Angst ist einfach. Die Bevölkerung schrumpft, die Babyboomer-Generation darf kaum auf die Opferbereitschaft ihrer wenigen Kinder rechnen, wenn es im Alter zum Leben auf gewohntem Niveau nicht mehr reicht. Sie wird auf ihre Ersparnisse angewiesen sein. Und da die Deutschen nun mal kein Volk von Aktionären und Hauseigentümern wurden, sondern eines der Sparer und Mieter blieben, wird sie die Inflation doppelt treffen. Die Babyboomer werden in den verbleibenden Jahren bis zur Rente nicht mehr in der Lage sein, einen wirtschaftlichen Neuanfang zu machen. Sie haben ihr Geldvermögen für die Altersvorsorge im Wesentlichen schon heute gebildet und sehen nun, jenseits der 50, mit Unruhe einer Zeit entgegen, in der sie der Inflation ausgeliefert wären, ohne selbst noch viel tun zu können, um den vernichteten Wohlstand durch neuen zu ersetzen.

Die Generation 45+ wird für die europäische Schuldenkrise bezahlen müssen, so oder so. Sie wird diese Einbußen nur durch längere Lebensarbeitszeiten kompensieren können, so oder so. Doch sie hat das Recht, darauf zu bestehen, dass diesmal nicht der politisch simpelste Weg dafür eingeschlagen wird. Das wäre die Inflation. Sparer, Immobilieneigentümer, Aktionäre, Gehaltsempfänger, Rentner, Gläubiger und Schuldner müssen die Lasten fair teilen. Dies zu organisieren, für diesen schwierigen Pfad Mehrheiten zu gewinnen ist eine politische Aufgabe. Es darf kein ungesteuerter Prozess werden.

Kommentare zu " Geldentwertung: Inflation schadet den Alten von morgen"

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  • bravo frau weidenfeld .sie bringen die risiken für den bürger auf den punkt-von vielleicht notwendigen steuererhöhungen,sozialkürzungen und einer kommenden rezession abgesehen .aber europa um jeden preis .die geldruckmaschine wirds schon richten.als ehemaliger student
    von ex ezb-volkswirt issing (inflationstheorie) sehe ich in der geldpolitik-zinssenkung nur eine weitere volksverdummung .japan ist trotz 0-zins noch immer in der
    rezession!

    der € hat den südländern ein schönes leben auf pump gebracht, den banken bei minizinsen der ezb megagewinne beim zocken,nur der großindustrie-nicht dem mittelstand -riesige exportgewinne.aber dem bürger vorübergehend sichere arbeitsplätze.
    der staat saniert sich jetzt über minizinsen ,inflation ,die kommen wird -oder gar deflation.
    der dumme ist zunächst vor allem der deutsche sparer und rentner der nicht in sichere,vor allen außereuropäische aktien investieren kann. der "bankbeamte" wird ihm irgend
    ein unverständliches produkt andrehen .sein haus,sofern es sich nicht um sparkasse oder volks-raiffeisenbank handelt-kaum kredite vergeben ,hohe dispozinsen verlangen ,und ihn mit tagesgeldzinsen um 1% abspeisen.

    wann wacht deutschland endlich auf

  • Schuld sind die Blockparteien, unfähige und oftmals korrupte Politiker, die sich fast nie um das wohl ihres Volkes gekümmert haben. Ja es wird so kommen, Rentenkürzungen und der Verlust der Lebensleistung werden die Regel werden.Nur wird das auch den Untergang der Blockparteien und der EU bedeuten. Die Wut im Volk wir immer stärker. Man stelle sich mal vor, wir hätten das Glück gehabt, die letzten 20 Jahre keine Regierung gehabt zu haben.

  • Hallo Frau Weidenfeld,

    ihren Auftritt bei Phoenix-Presseclub habe ich gesehen. Ihre wahrheitsgetreuen Beiträge und dass die Deutschen garnichts vom Wechsel DM->EURO hatten und haben kann ich auch nur beipflichten.

    Richten Sie doch dem Herrn Schönborn mal aus, er soll nicht immer so linke Ansichten propagieren im GEZ-TV und die anderen Moderatoren beim Presseclub sind viel weniger einschränkend bei der Meinungsäusserung.

    Herr Schönborn fasst das Gesagte immer zusammen als Gedankenstütze, worüber man gerade geredet hat und zu welchen "gemeinsamen" Ergenissen man beim DIskutieren im Presseclub man gekommen ist. Natürlich gesäubert poilitisch System-kompatibel.

    Warum lassen die eingeladenen Journalisten sich sowas gefallen und übern Mud fahren ? Warum wird Herr Tichy von der WIrtschaftswoche und Frau Titty Bruns vom Tagesspiegel nicht mehr eingeladen ? Nicht System-kompatibel ?

    Und warum haben Sie am ENde vom Presseclub so EU-hörig argumentiert und alles so schöngeredet, was mit EU zusammenhängt Frau Weidenfeld, waren wir in den 80er Jahren mit EWG und eigenen justierten Währungen nicht glüclicher und freier in Europa ?

    Ja. Meine Antwort jedenfalls dazu.

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