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Globale Sicherheit: Europa muss jetzt mehr Verantwortung übernehmen

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz fordert die europäischen Länder auf, eine stärkere Rolle zu spielen. Denn im „Krieg gegen den Terror“ sind die USA nicht mehr bereit, alles alleine zu regeln. Ein Gastkommentar

Wolfgang Ischinger ist Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Quelle: dapd
Wolfgang Ischinger ist Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Quelle: dapd

Normalerweise kommt ein amerikanischer Präsident nicht ins Pentagon, um dort eine neue Verteidigungsstrategie vorzustellen. Dass Präsident Obama das Strategiepapier Anfang Januar im Verteidigungsministerium persönlich vorstellte, unterstrich nicht nur die Bedeutung des Papiers für die sicherheitspolitische Neuausrichtung der USA, sondern stand auch bildlich für die neue Rolle Amerikas. Denn es ist Barack Obama selbst, der dieses neue Amerika verkörpert.

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Erstens schließt die neue Strategie faktisch die weltpolitische Dekade ab, die von den Auswirkungen des 11. September 2001 bestimmt wurde. Nach einem Jahrzehnt massiven militärischen Engagements der Vereinigten Staaten im Zuge des "Kriegs gegen den Terror" sind die USA heute weder fähig noch willens, ihre globale Präsenz in dieser Intensität aufrechtzuerhalten.

Die Münchner Sicherheitskonferenz

  • Gründungsdatum

    Die Münchner Sicherheitskonferenz startete 1962 unter dem Namen „Wehrkundetagung“ .

  • Der Initiator

    Der „Wehrkundetagung“ wurde von dem Verleger Ewald von Kleist, einem Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, gegründet.

  • Sinn & Zweck

    Für Politiker, Militärs und Experten sollte die Tagung Kontaktbörse und freies Diskussionsforum sein. In den ersten Jahren standen die Sicherheit Europas und das Verhältnis zu den USA im Mittelpunkt.

  • Umbenennung & Erweiterung

    Als 1998 Horst Teltschik, der frühere außenpolitischer Berater von Kanzler Helmut Kohl, die Organisation übernahm, legte er Wert auf die Bezeichnung „Sicherheitskonferenz“, weil „Wehrkundetagung“ nicht mehr zum internationalen Charakter des Treffens passte. Er öffnete die Veranstaltung für Teilnehmer aus Osteuropa und Asien.

  • Der neue Gastgeber

    2009 übernahm der langjährige deutsche Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger, die Rolle des Gastgebers.

  • Tagungsort

    Tagungsort ist traditionell das Hotel „Bayerischer Hof“ in der Münchner Innenstadt, das komplett für die Teilnehmer reserviert wird. Abseits des Forums im Ballsaal finden in den Hotelsuiten viele Dutzend bilaterale Treffen statt, daneben pflegen auch Militärs und Manager der Rüstungsindustrie ihre Kontakte.

Ein Jahrzehnt militärischer Überdehnung geht zu Ende. Zwar hält Obama wie alle Präsidenten vor ihm den globalen amerikanischen Führungsanspruch aufrecht. Aber er verfolgt nicht mehr die Ambition, die Welt nach amerikanischem Bild zu formen, koste es, was es wolle.

Zweitens schreibt die Strategie die geografische Neuorientierung der USA fest - hin zum asiatisch-pazifischen Raum. Angesichts des Aufstiegs Chinas und der ökonomischen Bedeutung des gesamten asiatischen Raums macht die Strategie klar, dass die USA dieser Region Priorität einräumen. Dies geht naturgemäß zulasten anderer Weltregionen, vor allem Europas, das in der kritischen amerikanischen Wahrnehmung heute eine geringere Rolle spielt und deshalb Truppenreduktionen in Kauf nehmen muss, die aus US-Sicht von Europa auch ohne weiteres verkraftet werden können.

In seiner letzten Rede in Europa hatte der ehemalige Verteidigungsminister Robert Gates im letzten Sommer schon davor gewarnt, dass kommende, nicht mehr vom Kalten Krieg geprägte Führungsgenerationen in den USA kaum mehr bereit seien, Steuergelder für die europäische Verteidigung aufzubringen, sofern die Europäer nicht selbst einen größeren Beitrag leisteten. Barack Obama hat sich schon in seinem ersten Amtsjahr als Amerikas ersten "pazifischen Präsidenten" bezeichnet. Er gehört bereits zu dieser neuen Generation, die ihre Aufmerksamkeit auf andere Weltregionen richtet.

  • 06.02.2012, 08:50 UhrAnonymer Benutzer: Domenq

    Ist es gestattet, nach Sinn und Zweck eines quasi imperialen Engagement weltweit zu fragen?

    Oder müsste ich diese Lektion längst gelernt und als Reflex verinnerlicht haben?

  • 05.02.2012, 15:56 UhrAlexander.W.Schoppmann

    Wer seine Freiheit opfert um Sicherheit zu erlangen, wird am Ende beides verlieren.
    ddrv2.de

  • 05.02.2012, 15:38 UhrAnonymer Benutzer: 99Prozent

    Es macht wirklich Hoffnung, dass in keinem der Kommentare dem Artikel zugestimmt wird. Zeigt aber auch das die Volksvertreter nicht das Volk vertreten.

    Die amerikanische Außenpolitik ist tödlicher Staatsterrorismus und im Inneren schwinden die Freiheiten der Menschen zu Gunsten totalitärer polizeistaatlicher Strukturen. Ein Staat in dem unbegrenzte Inhaftierung ohne Prozess, Folter und Todesstrafe zur Doktrin geworden ist fordert von uns größere Beteiligung an völkerrechtlichen Verbrechen. Finde ich persönlich weniger gut...

    Ich frag mich wann der erste Ami im Iran Asyl beantragt weil er politisch verfolgt wird. Das kann doch wirklich alles nicht sein...

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