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Goldman-Deutschlandchef: Produkt von Weitsicht und Flexibilität

Deutschland hat in der Krise eindrucksvoll bewiesen, dass die Sozialpartnerschaft noch funktioniert, sagt Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs. Für die weitere Entwicklung sei es entscheidend, dass der private Konsum nicht gedrosselt werde. Denn dem sei noch mehr Dynamik zuzutrauen.

Alexander Dibelius ist Deutschlandchef der US-Bank Goldman Sachs. Quelle: dpa
Alexander Dibelius ist Deutschlandchef der US-Bank Goldman Sachs. Quelle: dpa

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, und so ist es auch mit dem deutschen Aufschwung, von dem derzeit allerorten und völlig zu Recht gesprochen wird.

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Deutschland kommt stärker aus der Krise, als es uns viele zugetraut hätten. Der ungebrochen starke Export spricht eine deutliche Sprache, und ebenso das stärkste BIP-Wachstum in einem Quartal seit 1987. Aus unserer Sicht ist dieser Aufschwung einer gemeinsamen Anstrengung von Politik, Unternehmen und Arbeitnehmern zu verdanken.??

Die Arbeitsmarktpolitik mit allen ihren Akteuren ist mit Sicherheit ein entscheidender Garant für den Aufschwung. Die Arbeitslosigkeit ist in der Krise kaum gestiegen - dank Kurzarbeit und der Bereitschaft von Unternehmen und Gewerkschaften, der Beschäftigungssicherung oberste Priorität einzuräumen. Deutschland hat in der Krise eindrucksvoll bewiesen, dass die Sozialpartnerschaft im Land noch funktioniert. Unternehmen und ihre Beschäftigte sind in der Krise enger zusammengerückt.

Für die IG Metall war die Beschäftigungssicherung das Ziel Nummer 1, dafür hat man hat lieber sehr moderate Lohnabschlüsse hingenommen. Die Unternehmen, die durch Vorkrisengewinne Speck angesetzt hatten, konnten diesen nutzen, um ihren Mitarbeitern in schwierigen Zeiten zu helfen. Die Bilder in anderen Ländern sehen deutlich negativer aus: Konfrontationen und Ausschreitungen stehen auf der Tagesordnung; so hat in Spanien beispielsweise die Arbeitslosigkeit ein Rekordniveau von 20 Prozent erreicht.??

Dank der konstanten Beschäftigung sind die Unternehmen jetzt in der Lage, schnell auf den Anstieg der Nachfrage zu reagieren.?? Heute sehen wir, dass zahlreiche Unternehmen davon profitieren, sich frühzeitig der rasant wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran China, geöffnet zu haben. Der deutsche Aufschwung ist daher nicht zuletzt auch ein Produkt der Weitsicht und Flexibilität deutscher Unternehmen in den vergangenen Jahren.

Die Früchte dafür werden nun vielen zuteil: Mit steigender Kapazitätsauslastung erhöhen die Unternehmen auch wieder die Investitionen und die Beschäftigung. Zwar haben wir heute noch nicht alle Details zum BIP des 2. Quartals vorliegen, aber das statistische Bundesamt hat angedeutet, dass auch der Konsum zum Wachstum beigetragen hat. Somit hätte der Aufschwung volle Breite gewonnen, der seit Jahren stagnierende private Konsum lebt endlich wieder auf.??

Deutschland ist auch in dieser Krise seinem Ruf als Wachstumslokomotive Europas gerecht geworden; und das ist gut für ganz Europa. Bei aller berechtigten Freude über diese hervorragenden Entwicklungen: In diesem Tempo wird es nicht weitergehen, auch weil die Exportnachfrage sich abschwächen wird. Die Lage ist aber gut, viel besser, als wir alle das erwartet hätten, und dank eines weitgehend stabilen globalen Wachstums erwarten wir keine neuerliche Rezession und trauen dem deutschen Konsum sogar noch mehr Dynamik zu. Wichtig ist, dass jetzt keine Maßnahmen getroffen werden, die den privaten Konsum gefährden. Nun sind wieder alle Väter des Aufschwungs gefragt, diesen auf Dauer zu erhalten.????

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