Goldman-Sachs-Deutschlandchef Dibelius
"Wir brauchen eine neue Berufsehre für Investmentbanker"

Die schlimmste Krise der Weltwirtschaft seit Jahrzehnten scheint überwunden. Geblieben ist die Angst vor einer Wiederholung und ein tief sitzendes Misstrauen gegenüber meiner Berufsgruppe, den Investmentbankern.
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Dass unser Ruf gelitten hat, können viele in der Branche gut nachvollziehen, auch ich. Die Investmentbanken haben sich in den Boom-Jahren vor der Krise vom "normalen" Leben entfernt. Sie haben sich eine Art Paralleluniversum geschaffen. Das hat unsere ganze Branche in Misskredit gebracht.

Verschärft wurde die Situation, weil sich die Investmentbanken zu wenig darum bemüht haben, ihre Parallelwelt zu erklären. Die Fronten sind bis heute verhärtet: auf der einen Seite Investmentbanker, die sich unverstanden fühlen, auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die der Branche nicht mehr vertraut und ihren volkswirtschaftlichen Leistungsbeitrag grundsätzlich infrage stellt.

Misstrauen und Sprachlosigkeit aber müssen dringend überwunden werden. Auf Dauer drohen volkswirtschaftliche Schäden, wenn Banken durch eine überzogene Regulierung daran gehindert werden, ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: Märkte zu schaffen. Damit Banken dies tun können, bedarf es eines gesunden Maßes an Freiheit. Freiheit ermöglicht Selbstbestimmung, den Austausch von Ideen, Wachstum und Fortschritt.

Auch Investmentbanken wirken in einer freiheitlichen Ordnung auf vielfältige, Nutzen stiftende Weise - etwa, indem sie Märkte für Kapital schaffen und Unternehmen ermöglichen, Arbeitsplätze zu schaffen. In einem zu engen Korsett von Regeln und Vorschriften - oder sogar im Extremfall bei unabhängig von Märkten gesetzten Preisen - kann sich hingegen keine Freiheit entfalten. Letztlich würde dies zu Wohlstandsverlust führen.

Meine Warnung vor einer regulatorischen Überreaktion auf die Finanzkrise und mein Eintreten für eine wohlverstandene Freiheit, aus der funktionierende Märkte entstehen, sind kein Plädoyer für Regel- und Zügellosigkeit. Auch Investmentbanken können nur innerhalb eines auf einem stabilen Wertegerüst beruhenden regulatorischen Rahmens nachhaltig erfolgreich sein - eine Erkenntnis, die viele der Investmentbanker, die ich kenne, schon lange vor der Krise hatten.

Im Kern geht es für mich um Integrität - im Verhältnis zu Klienten, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit, im Umgang mit Mitarbeitern, aber auch im Wettbewerb. Hierfür sind sieben Handlungsmaximen wichtig:

1. Authentizität. Sie setzt Selbsterkenntnis und konsequentes Handeln voraus. Authentizität schließt auch den Mut ein, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und sich immer wieder kritisch zu hinterfragen.

2. Fairness. Leistung und Gegenleistung müssen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Das gilt für die Beziehung Klient/Bank ebenso wie für das Verhältnis zwischen Bank und Mitarbeiter.

3. Respekt. Ein fairer Umgang bedingt gegenseitigen Respekt sowohl vor den Leistungen als auch vor den berechtigten Interessen der jeweiligen Partner.

4. Verantwortung. Banken, aber auch ihre Klienten, müssen stets die Folgen ihrer Handlungen im Blick behalten, das heißt konkret: die Risiken. Darüber hinaus gilt es für eine Bank auch, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Mittler zwischen Angebot und Nachfrage nach Kapital jederzeit gerecht zu werden.

5. Vertraulichkeit. Vertrauen muss täglich neu verdient werden. So sollten zum Beispiel vertrauliche Informationen unter allen Umständen vertraulich bleiben. Wer anders agiert, bleibt langfristig nicht im Geschäft.

6. Offenheit und Transparenz. Wer sich nicht erklärt, kann nicht verstanden werden. Banken müssen daher immer wieder transparent machen, wie ihre Geschäftstätigkeit dem eigenen Erfolg, dem des Klienten und dem öffentlichen Interesse dient.

7. Professionalität. Klienten verlangen und verdienen Höchstleistungen. In diesem Sinne ist Professionalität eine Facette von Integrität.

Branchenweit hat die Krise das Bewusstsein dafür geschärft, wie essenziell Werte für unser Geschäft sind. Es kommt dabei auf jeden Einzelnen an. Der Markt ist nur so moralisch oder amoralisch wie die Summe seiner Akteure. Um wieder Vertrauen zu gewinnen, müssen wir Investmentbanker zweierlei tun: besser erklären, was wir tun und welchen Nutzen wir dadurch stiften. Und Tag für Tag, im Dialog mit allen Stakeholdern, die Vorurteile widerlegen, die auf uns lasten. Das wird sicher einige Zeit brauchen. Aber ich bin optimistisch, dass es uns gelingen wird.

Alexander Dibelius ist Managing Director, Leiter Goldman Sachs Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa und Russland

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  • Du lieber Gott...ohne Worte. Falls man doch Worte finden will, bringt es dieser Text hier sehr gut auf den Punkt: http://pingumania.wordpress.com/

  • Netter Versuch, gesetzlicher Regulierung zuvorzukommen. Es wird nichts nutzen, Herr Sibelius. Am Ende müssen Sie noch zur ärztlichen Praxis zurückkehren - Schnibbeln ist doch auch ganz spaßig, solange die anderen unterm Messer liegen. Vielleicht reicht ja schon, darüber nur zu reden. Goldman wird zumindest zur reinen investmentbank und das Geschäft eigenverantwortlicher - mit ganz persönlichen Folgen in der einen (die haben wir schon) und anderen (die gibts noch nicht) Richtung. bis hin zur persönlichen insolvenz der Personen, die da auf unsere Kosten die eigenen Taschen füllen.

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