Researchgate-Chef Ijad Madisch: Stellen Sie Optimisten ein!

Ijad Madisch – Gastbeitrag
Stellen Sie Optimisten ein!

Ijad Madisch hat mit Researchgate eines der wertvollsten Start-ups der Republik aufgebaut. Sein Erfolgsgeheimnis sieht der Gründer vor allem in seinem Team – und gibt Unternehmern dazu vier Ratschläge. Ein Gastbeitrag.
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Liebe Old Economy, Sie fragen mich immer öfter um Rat. Sie interessiert, was Researchgate, das professionelle Netzwerk für Wissenschaftler, das meine Freunde und ich vor neun Jahren gegründet habe, so erfolgreich macht. Wie haben wir es geschafft, die jahrhundertelange Isolation im Elfenbeinturm zu beenden, sodass heute 12 Millionen Forscher weltweit online ohne Zeitverzögerung miteinander arbeiten? Wie haben wir Bill Gates als Investor gewonnen?

Wir haben doch gerade erst angefangen, antworte ich. Aber wenn eins wichtig war, um bis hierher zu kommen, dann war das unser Team. Wenn es ums Team geht, habe ich einen Rat für Sie, genau genommen sogar vier Ratschläge: Stellen Sie Weltverbesserer und Optimisten ein. Setzen Sie auf ein vielseitiges Team. Geben Sie Verantwortung an diese Leute ab. Es wird sich lohnen.

Dieser Rat kommt von einem, der selbst Deutscher mit ausländischen Wurzeln, selbsterklärter Weltverbesserer und dazu noch Optimist ist. Ich bin also befangen. Meine eigene Erfahrung hat mir aber gezeigt: Diese Eigenschaften, besonders der Optimismus, sind gute Voraussetzungen für den Erfolg. Den Rest kann man lernen.

Noch vor sieben Jahren stand ich als Angestellter im Arztkittel im Krankenhaus neben dem Patientenbett. Heute leite ich zusammen mit meinen Freunden, dem Arzt Dr. Sören Hofmayer und dem Informatiker Horst Fickenscher, ein Unternehmen mit 300 Leuten. Ich suche nach Mitarbeitern, deren Lebenslauf genauso unkonventionell ist wie meiner.

1. Setzen Sie auf ein vielfältiges Team!

Ich wurde 1980 in Wolfsburg geboren. Meine Eltern kamen vor über 50 Jahren aus Syrien nach Deutschland, um meinen fünf Geschwistern und mir eine bessere Zukunft zu bieten. Mein Vater arbeitete als Arzt, meine Mutter zog uns groß, managte unsere Familie und Finanzen. Das war nicht immer einfach, aber meine Eltern haben nie aufgegeben. Daher stammt mein Gründergeist.

Die zupackende Mentalität teile ich mit vielen Immigranten der ersten und zweiten Generation und schätze sie bei meinen Mitarbeitern. Über 60 Prozent von ihnen kommt nicht aus Deutschland. Diese Kollegen stammen gebürtig aus 46 unterschiedlichen Ländern. Das ist bei anderen Start-ups ähnlich: Rund 42 Prozent der Mitarbeiter von jungen deutschen IT-Unternehmen kommen nach Angaben des Deutschen Start-up Monitors 2016 aus dem Ausland. Der Rest der Wirtschaft hinkt mit einem Anteil ausländischer Erwerbstätiger von knapp zehn Prozent hinterher.

Dabei lässt sich so viel von einem Team lernen, das in jeder Beziehung vielfältig ist und seine ganz eigene Sicht auf die Welt mitbringt. Dabei spielen Herkunft und Religion eine Rolle, genauso wie das Geschlecht, die sexuelle Orientierung und der berufliche Werdegang. Bei uns arbeiten nicht nur Programmierer, sondern Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen und ein gelernter Maurer. Viele haben sich das Coden selbst beigebracht. Nur wenn sich so unterschiedliche, kreative Köpfe Gedanken machen, entstehen Produkte, die für alle attraktiv sind.

Diese Vielfalt der Ansichten, das respektvolle Miteinander und die Kultur, die sich daraus ergibt, auszubauen und zu erhalten, während wir weiter wachsen, ist eine der größten Herausforderungen, die ich auf uns zukommen sehe. Wenn Sie an dieser Stelle einen Rat für mich haben, freue ich mich, von Ihnen zu hören.

2. Stellen Sie Weltverbesserer ein!

Ähnlich wie Ausländer treibt Weltverbesserer etwas an, das über den schnöden Mammon hinausgeht. Sie hören nicht auf zu arbeiten, wenn sie denken, sie hätten diesen Monat genug für ihr Geld getan. Wenn sich diese Menschen Ihr unternehmerisches Ziel zu eigen machen, liebe Old Economy, dann haben Sie tatkräftige Mitarbeiter gewonnen.

Für diese Identifikation steht symbolisch das T-Shirt. Wenn ich mich im Silicon Valley auf der Straße umsehe, finde ich überall Google- oder Facebook-Shirts. Auch in Berlin begegne ich immer öfter Leuten mit dem Logo von Soundcloud oder Researchgate auf dem Hemd. Im Rest der Republik dagegen suche ich eher vergeblich Menschen, die stolz das Logo eines Dax-30-Unternehmens auf der Brust tragen – bis auf Adidas, versteht sich.

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  • Rat Nr. 5:

    Stellen Sie mindestens einen Pessimisten ein. Denn Pessimisten sehen auch die Probleme, die Optimisten nicht sehen wollen. Und wenn diese Probleme erkannt sind, kann man sie umschiffen bzw. sich darauf einstellen.

    Außerdem wird Ihr Team mit einem Pessimisten vielseitiger.... ;-)

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