Im Fegefeuer der Öffentlichkeit
Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann

Mindestens zwölf, maximal 42 Monate Freiheitsentzug für Patriarch Uli Hoeneß. Danach wird seine Freiheit wieder hergestellt sein. Sein guter Ruf hingegen nicht. Drei Comeback-Strategien für die Zeit nach dem Fegefeuer.
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1. Die „Apology Dramatics“-Strategie oder der Kniefall vor der eigenen Schuld

Der Umgang mit Schuld ist hierzulande, sagen wir, speziell. Unsere Geschichte wiegt schwer. Die Amerikaner haben auch für das bedingungslose Schuldeingeständnis einen Eigennamen. Sie nennen es „Apology Dramatics“. Diese zur Schau gestellte, aufrichtige Reue nach einem Fehltritt verlangt die vollständige Läuterung „im Fegefeuer der Öffentlichkeit“. Sie gibt dem geläuterten Sünder aber die Chance zur Rückkehr und zum Neuanfang in der Gesellschaft.

Mit einem aufrichtigen, umfassenden Schuldgeständnis nach amerikanischem Vorbild, also ohne Wenn und Aber, könnte Hoeneß so den letzten Strohhalm einer öffentlichen Verzeihung packen. Dabei könnte er noch immer vom Käßmann-Effekt profitieren.

Dieser hat uns gelehrt: Kompromisslose Buße schafft Glaubwürdigkeit. Margot Käßmann war und ist eine brauchbare Blaupause für den Vater des FC Bayern. Sie hatte im Jahr 2010 durch einen raschen Rücktritt als Bischöfin und Ratsvorsitzende viel Respekt geerntet. Durch ihr bedingungsloses Fehler-Eingeständnis avancierte sie gar zur Ikone.

Nach dem Rücktritt des Vorbilds, wuchs Käßmann zum Vorbild für den Rücktritt.

Für den Mut nach ihrer betrunkenen Autofahrt erhielt die evangelische Pastorin sogar den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage. Dass Hoeneß von seinen Ämtern zurückgetreten ist, war unausweichlich. Nach der Verurteilung musste Hoeneß schleunigst als Bayern-Präsident abtreten und ehrlich Buße tun.

Zweitens muss er alle Steuern, auch die bereits verjährten Schulden, bis zum letzten Euro zurückzahlen. Nur so kann er zeigen, dass er seinen Fehler im Kern einsieht und die Konsequenzen demütig tragen will. Diese Botschaft an die Öffentlichkeit ist für die Reputation seiner Marke unumgänglich. So kann er die „zur Schau gestellte Reue“ handfest glaubhaft machen.

2. Nach der Haft: Rückzug zum Kern der Marke und raus aus dem Rampenlicht

Wie sollte sich Hoeneß nach seiner Haftstrafe verhalten?
Zurück aus dem Gefängnis sollte er sich in den ersten Jahren an eine Grundregel halten: Meide das Rampenlicht. Denn jetzt kann Hoeneß nicht mehr durch Worte, sondern nur durch Tat-Sachen beweisen, dass er tat-sächlich der Mensch ist, an den viele geglaubt haben.

Als Gutmensch und Macher hatte er sich für den Fußball und unser Land verdient gemacht. Doch diese Vorstellung von der Persönlichkeit Uli Hoeneß ist in weiten Teilen der Gesellschaft erloschen. Deshalb muss er – zurück in der Freiheit – wieder beweisen, dass diese Werte nur in der Vorstellungswelt der Menschen, nicht aber in Hoeneß Persönlichkeit ausradiert sind. Was heißt das konkret? Er sollte sich wieder im Stillen für soziale Zwecke engagieren; sich wie damals im Falle des FC St. Pauli für Schwächere in Not einsetzen. Er sollte weniges tun. Das Wenige aber gezielt mit klarem Nutzen für die Gesellschaft voranbringen.

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Mach's bloß nicht so wie Tiger Woods!

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  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht. Bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließlich will auch der StA und der Richter irgend wann befördert werden. Uli Hoeneß kann jeden Tag unserem Herrgott dan


  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht, in dem es um 700 Euro geht: gleichwohl hat die StA gegen den "Wulff-Freispruch" Revision eingelegt, bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl ein Verstoß gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließli


  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht, in dem es um 700 Euro geht: gleichwohl hat die StA gegen den "Wulff-Freispruch" Revision eingelegt, bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl ein Verstoß gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließli

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