Im Fegefeuer der Öffentlichkeit Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann

Mindestens zwölf, maximal 42 Monate Freiheitsentzug für Patriarch Uli Hoeneß. Danach wird seine Freiheit wieder hergestellt sein. Sein guter Ruf hingegen nicht. Drei Comeback-Strategien für die Zeit nach dem Fegefeuer.
16 Kommentare
Nichts braucht die Marke Hoeneß mehr als öffentliche, kompromisslose Reue. Quelle: ap

Nichts braucht die Marke Hoeneß mehr als öffentliche, kompromisslose Reue.

(Foto: ap)

1. Die „Apology Dramatics“-Strategie oder der Kniefall vor der eigenen Schuld

Der Umgang mit Schuld ist hierzulande, sagen wir, speziell. Unsere Geschichte wiegt schwer. Die Amerikaner haben auch für das bedingungslose Schuldeingeständnis einen Eigennamen. Sie nennen es „Apology Dramatics“. Diese zur Schau gestellte, aufrichtige Reue nach einem Fehltritt verlangt die vollständige Läuterung „im Fegefeuer der Öffentlichkeit“. Sie gibt dem geläuterten Sünder aber die Chance zur Rückkehr und zum Neuanfang in der Gesellschaft.

Mit einem aufrichtigen, umfassenden Schuldgeständnis nach amerikanischem Vorbild, also ohne Wenn und Aber, könnte Hoeneß so den letzten Strohhalm einer öffentlichen Verzeihung packen. Dabei könnte er noch immer vom Käßmann-Effekt profitieren.

Dieser hat uns gelehrt: Kompromisslose Buße schafft Glaubwürdigkeit. Margot Käßmann war und ist eine brauchbare Blaupause für den Vater des FC Bayern. Sie hatte im Jahr 2010 durch einen raschen Rücktritt als Bischöfin und Ratsvorsitzende viel Respekt geerntet. Durch ihr bedingungsloses Fehler-Eingeständnis avancierte sie gar zur Ikone.

Nach dem Rücktritt des Vorbilds, wuchs Käßmann zum Vorbild für den Rücktritt.

Für den Mut nach ihrer betrunkenen Autofahrt erhielt die evangelische Pastorin sogar den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage. Dass Hoeneß von seinen Ämtern zurückgetreten ist, war unausweichlich. Nach der Verurteilung musste Hoeneß schleunigst als Bayern-Präsident abtreten und ehrlich Buße tun.

Zweitens muss er alle Steuern, auch die bereits verjährten Schulden, bis zum letzten Euro zurückzahlen. Nur so kann er zeigen, dass er seinen Fehler im Kern einsieht und die Konsequenzen demütig tragen will. Diese Botschaft an die Öffentlichkeit ist für die Reputation seiner Marke unumgänglich. So kann er die „zur Schau gestellte Reue“ handfest glaubhaft machen.

2. Nach der Haft: Rückzug zum Kern der Marke und raus aus dem Rampenlicht

Wie sollte sich Hoeneß nach seiner Haftstrafe verhalten?
Zurück aus dem Gefängnis sollte er sich in den ersten Jahren an eine Grundregel halten: Meide das Rampenlicht. Denn jetzt kann Hoeneß nicht mehr durch Worte, sondern nur durch Tat-Sachen beweisen, dass er tat-sächlich der Mensch ist, an den viele geglaubt haben.

Als Gutmensch und Macher hatte er sich für den Fußball und unser Land verdient gemacht. Doch diese Vorstellung von der Persönlichkeit Uli Hoeneß ist in weiten Teilen der Gesellschaft erloschen. Deshalb muss er – zurück in der Freiheit – wieder beweisen, dass diese Werte nur in der Vorstellungswelt der Menschen, nicht aber in Hoeneß Persönlichkeit ausradiert sind. Was heißt das konkret? Er sollte sich wieder im Stillen für soziale Zwecke engagieren; sich wie damals im Falle des FC St. Pauli für Schwächere in Not einsetzen. Er sollte weniges tun. Das Wenige aber gezielt mit klarem Nutzen für die Gesellschaft voranbringen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Mach's bloß nicht so wie Tiger Woods!
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "Im Fegefeuer der Öffentlichkeit: Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht. Bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließlich will auch der StA und der Richter irgend wann befördert werden. Uli Hoeneß kann jeden Tag unserem Herrgott dan


  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht, in dem es um 700 Euro geht: gleichwohl hat die StA gegen den "Wulff-Freispruch" Revision eingelegt, bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl ein Verstoß gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließli


  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid und tiefes Mitgefühl mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht haben, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl darf man an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils gehörige Zweifel anbringen. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder gerichtserfahrene Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlichen hinterzogenen Steuern wirklich ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar völlig ohne Bedeutung: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich unter dem Teppich verschwinden zu lassen. Man muss sich fragen, wie die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht, in dem es um 700 Euro geht: gleichwohl hat die StA gegen den "Wulff-Freispruch" Revision eingelegt, bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision gegen das LG-Urteil nicht getraut! Dies wäre wohl ein Verstoß gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließli

  • Für Hoeneß ist der öffentliche Kniefall (Strategie 1) längst verpasst. Bis zu letzt har er gelogen, betrogen und vertuscht. Er hat sogar noch an seinen verlorenen Ämtern geklebt, als die Sache gestanden und die Beweislast erdrückend war.

    Ausserdem reden wir nicht von einem (einmaligen) Ausrutscher, sondern von einem Mann, der jahrelang ein Doppelleben geführt hat, und für den Stehlen ein festes Hobby war. Der seinen Verein erbarmungslos bis zur letzten Sekunde belastet hat. Eine Apology-Pressekonferenz kann und muss er sich und uns ersparen: Das kann nur in die Hose gehen.

    Entweder sollte er Strategie 2 anwenden: Nach dem Gefängnis jahrelang Buse tun, dann hat er noch die echte Chance, Teile seines Nachrufs zu retten.

    Oder Strategie 4: Er könnte auf Freiheitsheld machen. Das haben verschiedene internationale Steuerbetrüger schon hingekriegt und sogar ein waschechter englische Posträuber (Ronnie Biggs). Nach dem Motto: Der Staat unterdrückt mit Steuern und Kontrollwahn die Freiheit der Bürger. Steuern sind kollektiver Diebstahl. Steuern töten die Initiative des Einzelnen, der sich Mittel erwirtschaften und für die Gemeinschaft einsetzen will.

    Etwas gewagt, weil politisch brisant, aber machbar. Ausserdem entspricht dieser Ansatz viel mehr Hoeneß´ Gemüt und wohl auch seinen inneren Überzeugungen.

  • "Ullis guter Ruf ist gerade höchstens meine zweitgrösste Sorge. "
    ---
    Sehe ich auch so. Die Sau wurde jetzt seit Wochen die kreuz die quer durch's mediale Dorf getrieben. Nu' ist's gut. Schwamm drüber und neue Sau zum Treiben suchen!
    Sich vielleicht mal intensiv und *objektiv* statt politisch korrekt plattpoliert mit dem Eurorettungs- und EEG-Wahnsinn befassen und Fakten auf den Tisch legen, damit der Bürger sich ein Urteil bilden kann? Hätte doch was! Das wäre was, das ich als investigativen Journalismus bezeichnen würde.

  • so lange die Steuerhinterzieher (Wowereit, Platzeck & Co) für ihre Steuerverschwendung nicht bestraft werden, hat man kein Recht, die Steuerhinterzieher zu bestraften.

    alles andere ist das Recht eines Bananenstaates, wo nur der Stärkere, nicht aber das RECHT, gewinnt.

  • Ullis guter Ruf ist gerade höchstens meine zweitgrösste Sorge.

  • Tja, wie kann der größte Steuerkriminelle der letzten Jahre seinen Ruf retten? Welchen Ruf hatte er denn?
    Den Ruf, den er jetzt hat, wird er behalten. Für immer.
    Da gibts nix zu retten. Er könnte sich vielleicht den Europa-Pokal des größten Steuerhinterziehers ins Vereinsheim stellen und darunter eine Inschrift stellen: "Sorry, for That".
    Wenn es Äh, Äh, Äh, Stottie-Stoiber gelingen sollte, dem Mann wieder die Führungsrolle beim FC Bayern zuzuschanzen, dann wäre das sicher ein aufklärerischer Beitrag dafür, wie es in den Führungsetagen deutscher Unternehmen zukünftig aussehen könnte.

  • Zitat : Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann

    Hoeness hat schon lange keinen guten Ruf mehr !

    Folgendem Link kann man auch realistisch entnehmen, wie unsere Eliten den Kriminellen Hoeness weiterhin schützen :


    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Zweifel-an-seiner-Version/story/17297272

    .

  • Wie Hoeneß seinen guten Ruf retten kann?
    Wer Herrn Hoeneß als Opfer oder Spielsüchtig hinstellen will, sie die kriminelle Energie von Herrn Hoeneß nicht.
    Er glaubte, unter dem Schutz seiner großen Freunde zu stehen, aber hier unterliegt der Leser einem großen Irrtum.
    Herr Hoeneß hat erst reagiert als er erfuhr es sollte eine weitere Steuer-CD gekauft werden.
    Er gab nur dass zu, was unvermeidlich war, für mich ist diese Straffe keine Straffe, sondern eine verarsche der normalen Steuerzahler.
    Es muss weiter die Frage erlaubt sein, warum keine Revision?
    Ich spekuliere, sonst würden andere hochrangige Namen zu Tage kommen.
    Ich bin auch dafür, Herr Hoeneß muss seine ganzen Bayrische-Orden abgeben, die ihm Herr Steuber verliehen hat, nur so wird ein Schuh daraus.
    Kein Mitleid mit Steuersündern, egal wie sie heißen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%