Josef Ackermann
Ende des Euros würde Chaos bedeuten

Der Euro wird nicht zusammenbrechen. Dafür werden die Staats- und Regierungschefs alles tun. Jetzt fehlt nur noch jemand, der die Rettung auch den Bürgern vermitteln kann.
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Vielleicht bin ich zu optimistisch. Aber wenn wir die heutige Krise erfolgreich bewältigen, dann wird das vielleicht das erste Mal sein, dass Europa gemeinsam ein Problem löst und später stolz auf diese Leistung sein kann. Deshalb dürfen wir diese Gelegenheit, das Richtige zu tun, nicht versäumen.

Aber was ist zu tun? Da gibt es die große Debatte: Zuerst sparen und dann Wachstum oder erst Wachstum und dann ein bisschen sparen? Ich glaube, dass wir beides zugleich brauchen. Wir müssen in den Ländern Europas die Defizite senken und die Schulden abbauen. Aber natürlich brauchen wir parallel auch Anreize für ein höheres Wachstum, etwa einen völlig geöffneten Binnenmarkt und mehr Innovation. Auch, um die Arbeitslosigkeit zu verringern, denn die ist erschreckend hoch in manchen Ländern, vor allem bei den jungen Menschen unter 25 Jahren.

Sehr stark diskutiert wird auch die Frage: Sollte Deutschland sich finanziell stärker für den Erhalt der Euro-Zone einsetzen? Der Druck auf die Regierung in Berlin wächst, er kommt nicht nur aus anderen europäischen Ländern, sondern auch aus den USA.

Hierzu zunächst zwei Zahlen. In den 90er-Jahren entsprach die Hilfe der USA für Mexiko, auf die Amerika damals sehr stolz war, 1,3 Prozent des Bundeshaushalts. Die Garantien und Kredite für all die verschiedenen Rettungsmechanismen, die Deutschland bereits zugesagt hat, entsprechen aber 70 Prozent des Bundeshaushalts. Den Steuerzahlern zu erklären, dass sie noch mehr Risiken übernehmen müssen, wäre sehr schwierig.

Dazu kommt, dass viele in Deutschland das Gefühl haben, dass andere Länder sich nicht genug bemühen, wenn sie wissen, dass Deutschland und Frankreich - aber hauptsächlich Deutschland - alles garantieren und immer weitere Mittel zur Verfügung stellen.

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Kommentare zu " Josef Ackermann: Ende des Euros würde Chaos bedeuten"

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  • Welche "Krise" denn - Ackermännchen? Das klingt wie eine Art Krankheit, die "bewältigt" wird, und dann ist alles wie früher! Nein, mein Freundchen, so geht das nicht, und das weißt DU genau! Solange die Wahnsinnsschulden der Staaten und der Banken (und damit zwingend die Guthaben, gerade auch der kleinen Leute!) nicht um ein paar Nullen vermindert sind, geht gar nichts!
    Wir erleben den Todeskampf des bestehenden Geldsystems und nicht eine "Krise"!

  • dem selben "Moral Hazard" durchsetzt,

    Genau, es ist wieder dasselbe in grün, wenn D nicht zahlt, dann geht die EU den Bach runter, war oder nicht war, Hauptsache, es wird mal gesagt.

  • zumal das Geld verprasst worden ist ohne jegliche Werte zu schaffen

    ...also da wäre ich mir nicht so sicher...ich glaube, dass da sehr wohl Geld in Anlagen etc. geflossen ist. Das will man vielleicht so darstellen.....

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