Jürgen Heraeus
Milliarden für verfehlte Politik

Deutschland wird erpresst - von den eigenen Verbündeten. Der Bund soll die Schulden anderer Länder in der Euro-Zone übernehmen. Doch das kann keine Lösung sein.
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Europa war eine großartige Idee und ist es immer noch. Wir brauchen Europa als Gegengewicht zu Amerika und den Mächten in Asien. Aber nicht in unkontrollierter Geschwindigkeit und nicht um jeden Preis, es sei denn, dem deutschen Bürger wird die Konsequenz für ihn persönlich deutlich und klar vermittelt.

Wovon sprechen wir? Schwindelerregend türmen sich die Milliarden auf - die Anleihen bei der Europäischen Zentralbank, die Gelder in den verschiedenen Fonds, das Geld, das sich hinter dem Begriff „Target 2“ verbirgt, die Bürgschaften der Bundesrepublik - und nichts ist bisher gerettet.

Griechenland: Führende griechische Parteien machen ihren Bürgern klar, dass man Zusagen nicht einhalten muss und dennoch irgendwie von den europäischen Mitgliedstaaten gehalten werden wird. Schon wird von den Griechen auf die Spanier verwiesen, die bis zu 100 Milliarden Euro erwarten können, ohne besonders harte Auflagen. Wenn wir jetzt bei Griechenland nachgeben, ist auch der angestrebte Fiskalpakt nichts wert. Als Unternehmer würde man sagen, wir müssen konsolidieren, den Griechen ein Buy-out empfehlen, sie zunächst ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen lassen und außerdem die bereits vorhandene No-Bail-out-Regel stärken.

Frankreich: Die Franzosen sind auf bestem Weg, jeden Investor zu verschrecken. In der französischen Schweiz reiben sich die Banken die Hände über das aus Frankreich kommende Geld.

Spanien: Das Land wird über die Bankenrettung als Gläubigerland für gewährte Garantien ausfallen.

Der Rest Europas schaut nicht nur auf Deutschland, sondern ist dabei, Deutschland politisch zu erpressen, die Schulden für alle zu übernehmen. Addiert man die Verpflichtungen, die Deutschland bereits eingegangen ist, dann sieht die Bilanz nicht gut aus. Die horrenden Verpflichtungen führen politisch natürlich auch dazu, die Ansprüche deutscher Wähler schneller zu befriedigen, da es hier meist nur um einige Hundert Millionen oder eine einstellige Milliardenzahl geht. Durch besondere Sparsamkeit zeichnen sich unsere Politiker nicht aus; was auch schwierig ist, wenn die Milliarden in alle Länder fließen für deren verfehlte Politik.

Auch wenn der Bundestag seine Zustimmung zur Fiskalunion gibt, ist nicht viel gewonnen. Die vereinbarten Strafen sind lächerlich, denn es geht ja um die Länder, die ohnehin über kein Geld verfügen und diese Strafen dann mit neuen Zuwendungen von uns bezahlen würden. Das Ausweichen auf eine Bankenunion erleichtert zwar die Kreditvergabe, zwingt aber noch weniger zu Disziplin.

Vielleicht sollte man den Zug wirklich abbremsen und erst einmal konsolidieren, bevor er alle ins Unglück befördert.

Kommentare zu " Jürgen Heraeus: Milliarden für verfehlte Politik"

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  • Hearaeus hat mit seiner Analyse Recht.
    Und ja, ich denke, man kann den Zug noch abbremsen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schecken ohne Ende.

  • Solides Haushalten ist kein Exportartikel der Deutschen. Seit der Wiedervereinigung wird der Soli eingehoben und die Einnahmen werden auch mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer zum Stopfen der Budgetloecher gebraucht. Der Soli sorgt fuer Zusatzeinnahmen des Bundesfinanzministers in Hoehe von mehr als 12 Mrd. Lieber Herr Heareaus, wie saehe denn das Budgetdefizit der Deutschen ohne diese Steuereinnahme aus, fuer die es heute keine Rechtfertigung mehr gibt. Deutschland liegt aber mit seiner Verschuldung genau im Mittel der Staaten der Eurozone. Die Spanier liegen noch immer besser. Ohne Soli !

  • Wählen ab 16

    +++ Die nächste Schweinerei! +++

    Damit steigt die Zahler der Wähler in Deutschland!
    Damit steigen die EINNAHMEN der Parteien!
    Pro Wähler 5 Euro?!

    Uns auszuplündern,
    da ist den POLITIKERN jedes MITTEL RECHT!

    Räuber Diebe Plünderer…

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