JuLi-Chef Konstantin Kuhle
Die Kultur der zweiten Chance, auch für die FDP

Zu einer Republik der Chancen gehört auch ein Recht auf Scheitern, findet JuLi-Chef Konstantin Kuhle. Dafür hofft der Nachwuchs-Politiker auf eine neue Kultur, die zweite Chancen einräumt. Auch für seine eigene Partei.
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Der Begriff der Chancen ist Bestandteil vieler politischer Programme und vieler Leitartikel. Ob bei der Gründung eines Unternehmens, in Schule, Ausbildung und Hochschule oder bei den Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft – es wird gefordert, Politik solle nicht an Bedenken und Ängsten orientiert sein, sondern die Menschen in ihrer Tatkraft unterstützen.
Das ist zwar richtig. Doch wenn dieser Chancenbegriff gebraucht wird, ist allzu oft nur eine bestimmte Art von Chancen gemeint. In Deutschland meint Chance meist die erste Chance. Im Fokus stehen jene Menschen, die es ohnehin schon geschafft haben. Keine Frage: Auch die Chancen von Familienunternehmern und Akademikerkindern, am besten beides in der dritten oder vierten Generation, brauchen eine politische Stimme. Doch Mut zum Handeln, Visionen und Optimismus finden sich nicht nur bei jenen, die ihre gute erste Chance zu nutzen wissen. Auch, wer nach einer Zäsur wieder neu beginnen und sich nicht unterkriegen lassen will, verdient Unterstützung. Kurzum: Ein neues politisches Chancenkonzept muss auch die zweite und dritte Chance der Menschen in den Blick nehmen.
Schon heute bieten Handwerksbetriebe in Zusammenarbeit mit den Kammern eigene Programme an, um Studienabbrechern den Weg in eine handwerkliche Lehre zu ebnen. Es braucht kein mittelmäßiges Abitur für alle, sondern Lebenschancen und Lebensglück für jeden.

Wer nach drei Semestern Architektur merkt, dass er lieber selbst Hand anlegt, fährt mit einer Lehre als Zimmermann oder Tischler besser als sich ein Leben lang über die verpasste Chance zu ärgern. Statt einem Studienabbrecher ein vermeintliches Scheitern vor Augen zu führen, müssen Wirtschaft und Politik ihn in seinem Neuanfang bestärken. Schließlich kann er sich mit einer klassischen Ausbildung womöglich sogar schneller selbstständig machen und Jobs für andere schaffen, als seine ehemaligen Kommilitonen. Um die zweite Chance für Studienabbrecher zu stärken, müssen die Regeln für das Handwerk weiter flexibilisiert werden. Außerdem müssen Ausbildungsberufe stärker in einzelne Module aufgeteilt werden, um Leistungen aus dem Studium für den schulischen Teil der Ausbildung anrechnen zu können.

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet und mit der ersten eigenen Idee scheitert, ist oft für den Rest seines Lebens stigmatisiert. Nicht nur, dass es noch schwieriger wird, für die nächste Idee einen Kredit zu bekommen.

Schon der politische Umgang mit risikofreudigen ehemaligen Selbstständigen ist beschämend. Seine Rückschläge bis zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung beschrieb Max Levchin, der Mitbegründer des Online-Bezahldienstes Paypal, einmal wie folgt: „Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Und wissen Sie, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann Paypal.“

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Das Stigma des Scheiterns

Kommentare zu " JuLi-Chef Konstantin Kuhle: Die Kultur der zweiten Chance, auch für die FDP"

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  • Wenn die Menschen den FDP-Parteivorsitzenden Lindner wegen seiner ehrlosen Nichtrückzahlung seiner KFW-Kredite tadeln, kommt sofort aus der neolibertären Ecke der Satz "Er hat es wenigstens mal versucht". Gemeint ist damit Lindners gescheiterte Firmengründung. Und genau dies ist die Tragödie der neolibertären FDP- Schichten. Hauptsache versucht, und wenn man dabei die ganze Welt anzündet. Eben so darf es nicht sein. Es ist schon noch noch die ganz entscheidende Frage, was man bei seinem Versuch angerichtet hat. Im 19.Jahrhundert hätte man im wirtschaftsliberalen Bürgertum Lindner und seinesgleichen die Pistole auf den Tisch gelegt, das Zimmer verlassen und von Lindner erwartet die Schande seiner auf Staatskosten getätigten Unternehmenspleite in der Farbe seines Blutes zu tilgen. In der heutigen FDP hingegen gilt Bruchlandung auf Staatskosten sogar noch als ehrensteigernd. Im übrigen mögen sich die neolibertären FDP-ler auf ihre Wahlumfragen nichts einbilden. Es ist normal, dass diese Gruppierung dank Medienaufmerksamkeit zur Zeit des Dreikönigstreffens in Umfragen leicht zulegt. Anfang 2014 lag sie sogar über 5 Prozent. Jetzt ist sie in neueren Umfragen sogar wieder auf 3 Prozent zurückgefallen. Da nützen auch die Beinfreiheitspeinlichkeiten gewisser hanseatischer Damen nichts. Nein, die FDP hat fertig, und das ist gut so.

  • @ Herr Marc Hofmann
    Wenn irgendjemand der Allgemeinheit nimmt, und es den Reichen gibt, dann ist es doch zu tiefst kapitalistisch!
    So werden die Verluste der Banken den Bürgern aufgebürdet, die Gewinne bekamen die Reichen, siehe Vermögensentwicklung.

    Sozialistisch wäre es hier, wenn die Reichen über Vermögenssteuer usw. an der Finanzierung der Schulden beteiligt würden. Dies will z.B. die kommende sozialistische Regierung in Griechenland tun.

    Beim EEG profitieren in erster Linie die Netzbetreiber - die Dank CDU/FDP stark subventioniert werden und natürlich die Banken und Privatpersonen, deren Anlagen oft überhöht subventioniert werden. Vielmehr wurden natürlich voher die KKW subventioniert, es waren reine Gelddruckmaschinen - und es ist zu befürchten, daß hier noch gewaltige Kosten auf die Bürger zukommen. Sozialistisch wäre gewesen, diese EEG-Anlagen staatlich zu finanzieren und die Gewinne wieder in die Staatskasse zu bringen.

    Also Sozialismus ist das alles nicht! Eher ein Kapitalismus der Reichen Herrschenden, schon mit feudalen Zügen, wenn man sich die Gesetzgebung gegen Bezahlung (z.B. Mövenpickgesetz) ansieht!

  • @Marcel Europaeer
    Was haben die Farbe "Braun", "Rot" und "Grün" in Deutschland gemeinsamm...das Sozialistische (Gleichmacherei und Bevormundung). Schon mal darüber nachgedacht???!

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