Kapitalismus-Debatte
Welche Art von Kapitalismus wollen wir?

Das ist keine Frage von ökonomischen Zwängen, sondern von gesellschaftlicher Gestaltung. Entscheidend ist, dass wir in Deutschland der Marktwirtschaft wieder eine Orientierung geben.
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Wir Deutsche tun uns schwer, unser Wirtschaftssystem unbefangen Kapitalismus zu nennen – in den neuen wie den alten Bundesländern. Zu Recht? Zumindest waren wir im Westen stolz darauf, aus dem Kapitalismus mehr gemacht zu haben, als Marx und Engels und deren spätere Interpreten prophezeit hatten. Als dann der Ostblock mit seiner verqueren Ideologie von Planwirtschaft und kollektiver Freiheitsberaubung unterging, schien so etwas wie eine historische Gewissheit die Gesellschaften rund um den Globus erreicht zu haben. Aber Gewissheiten sind trügerisch.

Heute meint die Hälfte der Deutschen laut einer Befragung des Allensbacher Instituts für Demoskopie, dass der Kapitalismus in seiner heutigen Form nicht mehr in die Welt passt. Spätestens jetzt ist es an der Zeit zu fragen: Was läuft da schief? Ganz offenbar zu viel, als dass man die derzeitigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen länger ignorieren könnte.

Im kapitalistischen Mutterland, den USA, findet das in dem Ruf „Occupy Wall Street“ seinen Ausdruck. In Deutschland sucht derweil der Bundestag mit der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ nach neuen „Wegen zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“. Innerhalb wie außerhalb der Parlamente, in der breiten Bevölkerung wie in der kleinen Teilmenge der Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft wächst die Skepsis, dass die heutige ökonomische (Un)Ordnung zu guten Ergebnissen bei tolerierbaren Kosten führt.

Dieses Unbehagen ist kein Symptom einer kurzfristig erschütternden Zuversicht, sondern Resultat einer tiefen, seit Jahren schwelenden Vertrauenskrise.

Kommentare zu " Kapitalismus-Debatte: Welche Art von Kapitalismus wollen wir?"

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  • Ich will gar keinen Kapitalismus. Ich will Humanismus.

  • Kurz: Mehr Markt & weniger Finanzmarkt

  • Marktwirtschaft oder gar Kapitalismus sind keine Namen, die auf unser Wirtschaftssystem passen. Wir haben einen Marktinterventionismus keynesianistischer Prägung. Durch die KfW und andere Subventionsmechanismen ist der Markt weit an den Rand seiner Existenz zurückgedrängt. Und das war nur auf der Ebene unsrer eigenen Nation.

    Aus Brüssel kommen die weitaus schlimmeren Eingriffe in den Markt. Irrationale Verbote und Regelungen einer zentralistischen Kommission, die dem Markt Effizienz lehren sollen und sich dabei als in höchstem Maße kontraproduktiv erweisen. (Glühlampenverbot, Agrarpolitik, Gurkennormung und die restliche Umverteilung)

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