Kapitalismus-Debatte
„Wir müssen die Märkte bändigen“

Nach den großen Finanzkrisen ist es jetzt an der Zeit, den Kapitalismus ein zweites Mal sozial zu zähmen. Das ist nur noch auf europäischer Ebene möglich. Dabei geht es nicht um marktkonforme Demokratie – sondern um einen demokratiekonformen Markt.
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BerlinEuropa und Kapitalismus befinden sich in einer tiefen Krise. Doch interessant ist, wie sehr beide Krisen miteinander zusammen hängen und wie günstig das politische Momentum ist, beide Krisen zugleich anzugehen und zugleich unser Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell in Europa zu erneuern. Die zukünftige Ausgestaltung des Kapitalismus wird vielleicht stärker davon abhängen, als uns das heute bewusst ist.

Dass der Kapitalismus Krisen produziert, ist seit Karl Marx in der politischen Theorie geläufig. Inzwischen hat diese Erkenntnis in der realen Welt Widerhall gefunden. Selbst bürgerliche Leitmedien geben dem ungebändigten Kapitalismus die Note mangelhaft. Und Klaus Schwab, der Gründer des Wirtschaftsforums in Davos, hält den Kapitalismus sogar für nicht mehr passend für unsere Welt. Das ist umso bemerkenswerter, weil Davos bisher das jährliche Hochamt der Anbeter eines möglichst von politischer Kontrolle befreiten Marktes war: kein schlechter Moment also für die zweite Bändigung des Kapitalismus.

Denn nichts anderes ist jetzt unsere Aufgabe: den Kapitalismus zum zweiten Mal sozial zu zähmen. Das Modell der sozialen Marktwirtschaft hat vor allem in Deutschland eine beispiellose Erfolgsgeschichte erlebt. In Zukunft wird dieses Modell aber eine europäische Dimension brauchen. Denn in einer globalen Wirtschaft braucht es global wirksame Regeln – soziale und ökologische.

Die Alternative dazu sind Modelle einer zentralen Wirtschaftslenkung mit drastischer Einschränkung der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel. Diese Modelle haben sich in den kommunistischen Systemen der Vergangenheit als ebenso ineffizient wie undemokratisch erwiesen. Hinzu kommt: Volkswirtschaftlich fressen allein die ökologischen Schäden dieses Modells die Wachstumserfolge auf.

Kommentare zu " Kapitalismus-Debatte: „Wir müssen die Märkte bändigen“"

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  • @ mercurius

    Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was an meiner Meinung falsch sein soll, die Politik sei an der Schuldenkrise schuld.

    Die Politik ist es, die für die öffentliche Verschuldung verantwortlich zeichnet (-> zu hoch), und nebenbei auch für sinnvolle (!) Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten (-> nicht umgesetzt).

  • Ich kommentiere hier aus der Ferne. Immerhin 13 Flugstunden von Deutschland entfernt. Da sieht man vieles sehr viel klarer, ins besondere dann, wenn sich die Mühe macht die hier erscheinenden Medien zu lesen und sich mit Leuten unterhalten kann die über Deutschland mehr wissen als die Deutschen z.B. über Japan. Daher bleibe ich dabei, Gabriel ist ein Dummschwätzer hoch 3 und Steinbrück und Asmussen sind die Hauptverursacher der Bankenkrise in Deutschland.

    Und ich bitte Sie der versammelten Gemeinde zu erklären, warum die Schrottpapiere aus den USA in Asien kein Thema waren und sind und warum Banken in anderen europäischen Ländern auch kein Problem waren und sind.

  • Die neue deutsche Einheitspartei (NDE) und ihre Protogarnisten wird man im Bundestagswahlkrampf unterscheiden können durch ihre Kommunikation. S.Daniel hat zum Teil recht, aber macht die Abhängigkeiten nicht deutlich: sowohl... als auch; umso... desto.

    Die CDU hatte immer bessere Berater.

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