Kommunikation im Beruf

So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

Männer kommunizieren – wie eine fremde Spezies – im Business-Kosmos anders als Frauen, die von klein auf auf Harmonie und Höflichkeit gepolt sind. Wie Sie das „Männisch“ verstehen und zu eigenen Zwecken nutzen können.
  • Peter Modler
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Ob Mann oder Frau: Führungskräfte sollten grundsätzlich „zweisprachig“ sein und zum Wechsel der Kommunikationsweisen fähig sein, je nach Lage. Quelle: Getty Images

Ob Mann oder Frau: Führungskräfte sollten grundsätzlich „zweisprachig“ sein und zum Wechsel der Kommunikationsweisen fähig sein, je nach Lage.

(Foto: Getty Images)

Stellen wir uns folgende Situation vor: Frau Müller führt erfolgreich eine Firma für elektronische Bauteile, mit den Männern in ihrem Betrieb hat sie keine weiteren Probleme. Aber als ein wichtiger Kunde eine entscheidende Verhandlung unbedingt mit ihr persönlich führen will, erlebt sie eine merkwürdige Szene.

Der Kunde bringt als „Gastgeschenk“ ein dickes Fachbuch über Marketing mit. Das irritiert sie etwas, weil sie eigentlich keine Nachhilfe in Marketing braucht. Trotzdem bedankt sie sich und will gerade die Hand danach ausstrecken, als der Kunde nachschiebt: „Das können Sie dann lesen, wenn Sie mit Shades of Grey durch sind.“ Zu diesem kleinen Affront fällt ihr erstmal nichts mehr ein. Und die Verhandlungen liefen dann auch nicht besonders gut. Warum macht der Kunde so etwas überhaupt? Und was hätte sie tun können, um sich in dieser Szene besser zu fühlen?

Peter Modler: Der Autor hat langjährige Führungspraxis als Manager und berät Frauen auf ihrem Karriereweg.

Peter Modler: Der Autor hat langjährige Führungspraxis als Manager und berät Frauen auf ihrem Karriereweg.

Was der Kerl da veranstaltet hat, hat er vermutlich gar nicht weiter persönlich gemeint. Er hat ein Spiel gespielt, das in seinem Sprachsystem ganz normal ist. Die Soziolinguistik bezeichnet sein System als „vertikales Sprachsystem“, in dem die Klärung von Rang- und von Revierfragen weit vor Sachthemen gestellt wird.

Sehr oft ist es so, dass vertikal Kommunizierende bei ungeklärten Hierarchien nur mit halber Kraft tätig oder völlig lahmgelegt sind. Während eine rasche Klärung der politischen Ränge im Geschäft von ihnen als energiesparend und geradezu motivierend empfunden wird.

Das dem entgegenstehende Kommunikationssystem, das viele weibliche Führungskräften gewohnt sind, legt aber Wert auf ganz andere Dinge. Es hält sich an Machtfragen nicht lange auf, kann schneller sachlich werden und macht egalitäre Beziehungsdeals: ich erzähle dir was von mir und du erzählst mir was von dir. Und dabei sollen wir beide unser Gesicht wahren können.

Eine der großen Forscherinnen zu diesen Themen, Deborah Tannen von der Georgetown University, bezeichnet dieses Verhalten als „horizontales Sprachverhalten“. Wenn das eine System ohne Übersetzer auf das andere System trifft, sind Missverständnis geradezu programmiert. Wo die eine Seite mittels einer kleinen Provokation („Shades of Grey“) die Rangsituation testen will, wie das in ihrem System üblich ist, erwartet die andere Seite die Bereitschaft zum Einvernehmen, weil sie ja auch dazu bereit wäre. Und dann klappt schnell gar nichts mehr.

Unbewegte Miene und kühles Lächeln
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