Konjunktur
Chinas Wirtschaft wird sich behaupten

Die Euro-Krise belastet die Märkte. Auch China kommt nicht ungeschoren davon. Es mehren sich die Sorgen, dass der asiatischen Wirtschaftsmacht eine harte Landung bevorsteht. Stephan S. Roach hält das für Übertrieben
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Es mehren sich die Sorgen, dass die chinesische Konjunktur auf eine harte Landung zusteuern könnte. Die Kurse am chinesischen Aktienmarkt sind im Verlauf des letzten Jahres um 20 Prozent gefallen und haben damit ein Niveau erreicht wie zuletzt im Jahr 2009. Anhaltend schwache Wirtschaftsdaten sorgen zunehmend für Unruhe. Viele befürchten, dass der langjährige Wachstumsmotor der Welt ins Stottern gerät. Die Sorge ist übertrieben. Die chinesische Konjunktur hat zwar an Fahrt verloren, doch die Abschwächung wurde eingedämmt, und das dürfte in absehbarer Zeit so bleiben.

Wie eine harte chinesische Landung aussieht, ist aus den Jahren der globalen Wirtschaftskrise 2008/2009 hinlänglich bekannt. Dieses Mal verläuft die Talfahrt wesentlich milder. Von seinem Höchstwert im ersten Quartal 2010 mit 11,9 Prozent hat sich das jährliche BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2012 auf 7,6 Prozent verlangsamt - lediglich etwa die Hälfte der überdimensionalen Verlangsamung um 8,2 Prozentpunkte während der Weltwirtschaftskrise.

Chinas Konjunktur ist durchaus Gegenwinden ausgesetzt, insbesondere der politisch bewirkten Abkühlung des überhitzten Immobilienmarktes. Doch der Bau von Sozialwohnungen für Familien mit geringerem Einkommen sollte den Rückgang mehr als wettmachen. Anders als bei den von Banken finanzierten Initiativen vor drei bis vier Jahren, die zu einem beunruhigenden Schuldenüberhang der lokalen Regierungen geführt hatten, dürfte die Zentralregierung bei der Finanzierung der aktuellen Vorhaben im sozialen Wohnungsbau eine wesentlich größere Rolle spielen.

Berichte über Geisterstädte, über Brücken, die im Nichts enden, und leerstehende neue Flughäfen nähren Befürchtungen unter westlichen Analysten, dass sich eine unausgewogene chinesische Wirtschaft nicht so erholen kann wie in der zweiten Jahreshälfte 2009. Dabei übersehen die Pessimisten allerdings eine der wichtigsten Triebkräfte der Modernisierung in China: die größte Urbanisierung, die die Welt je gesehen hat.

Im Jahr 2011 haben zum ersten Mal mehr als über 50 Prozent der chinesischen Bevölkerung in Städten gelebt. Prognosen der OECD zufolge soll sich Chinas stark wachsender Anteil an städtischen Einwohnern bis zum Jahr 2030 um mehr als 300 Millionen Menschen erhöhen - ein Zuwachs, der in etwa der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten entspricht. Mit etwa 15 bis 20 Millionen Menschen pro Jahr, die vom Land in die Stadt umziehen, werden die sogenannten Geisterstädte von heute schon bald die blühenden Metropolregionen von morgen sein.

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