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Lateinamerika: China verdrängt die Europäer als wichtigste Partner

Viele lateinamerikanische Länder leiden unter dem Aufwertungsdruck auf ihre Währungen, der von China, Europa und USA ausgeht. Sie wehren sich mit Importbeschränkungen.

China wird schon bald in vielen Ländern Lateinamerikas die USA und Europa als wichtigste Handelspartner verdrängen. Allein im Erdöl- und Erdgassektor Argentiniens und Brasiliens investierten chinesische Staatsunternehmen Ende 2010 rund 20 Milliarden Dollar. Sicher gibt es noch Probleme, das hat aber Chile nicht davon abgehalten, 2006 ein Freihandelsabkommen mit China in Kraft zu setzen. Peru und Costa Rica folgten 2010. Auch andere Länder der Region wie Kolumbien haben Freihandelsverhandlungen aufgenommen oder angekündigt.

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Die wirtschaftlichen Fakten wiegen schwerer als traditionelle Vorlieben. Chinesische Unternehmen können zu jeder Zeit mit konkurrenzlos günstigen Krediten aufwarten. Die Annäherung erfolgt auf Kosten der traditionellen Handelspartner USA und Europa. Der baldige Abschluss eines Freihandelsabkommens EU-Mercosur ist also dringend erforderlich.

Die umfangreichen Rohstoffexporte Lateinamerikas erklären nicht alleine den Wirtschaftsboom der Region. Obwohl 2010 die Exporterlöse Brasiliens um ein Drittel gewachsen sind, entsprechen sie lediglich neun Prozent des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts. Hauptmotor ist inzwischen der wachsende Binnenmarkt. Der Anteil der Mittelschicht steigt stetig; in Brasilien zählt bereits die Hälfte der Bevölkerung dazu, und in Lateinamerika stieg das Pro-Kopf-Einkommen um fünf Prozent. Eine strukturelle Schwäche der Region bleibt die unzureichend entwickelte Infrastruktur. Sie ist aber zugleich auch eine Chance für gute Geschäfte: Geplant sind mittelfristig Investitionen von fünf Billionen Dollar.

Das Hauptproblem ist derzeit der Aufwertungsdruck auf die Landeswährungen. Brasilien spricht von einem Währungskrieg, der bald zu einem Handelskrieg werden könnte. Die Hauptverantwortlichen seien China, die USA und Europa. China halte den Yuan-Wechselkurs durch staatliche Eingriffe weit unter dem tatsächlichen Wert, während die USA und Europa mit dem bisher niedrigsten Zinsniveau der Geschichte einen starken Abwertungsdruck auf ihre Währungen ausübten. Die hohe Rentabilität und das deutlich gesunkene Risiko der Finanzmärkte Lateinamerikas lassen kurzfristige Geldanlagen dorthin fließen. Die ausländischen Direktinvestitionen sind 2010 um 21 Prozent auf 141 Milliarden Dollar gestiegen.

Die Geldströme lassen die Währungen der Region aufwerten. Der brasilianische Real legte in den letzten beiden Jahren gegenüber dem US-Dollar um 37 Prozent zu. Deshalb wird es zusehends schwieriger, lateinamerikanische Industrieprodukte sowohl auf dem Weltmarkt als auch im Inland abzusetzen. Südamerika droht eine schleichende Deindustrialisierung. Der kräftige Anstieg der Rohstoffpreise fördert ebenfalls die Umorientierung von der Industrieproduktion auf den Rohstoffexport.

Die Regierungen Lateinamerikas sehen sich gezwungen, mit massiven US-Dollar-Käufen den Aufwertungsdruck abzuwehren. Die Exportindustrie und produktive Investitionen werden verstärkt gefördert, der Zufluss kurzfristiger Finanzanlagen wird beschränkt. Den Zustrom billiger Importwaren sollen die Verteuerung von Konsumkrediten, die Verhängung von Einfuhrkontingenten sowie die Erhöhung von Importzöllen und Steuern bremsen. Der von einigen Regierungen angekündigte Sparkurs wird das Wachstumstempo senken. Diese Maßnahmen werden aber nicht so bald greifen. Denn die Stärke einer Währung spiegelt auch das Wirtschaftspotenzial und die Einschätzung seiner Geschäftspartner wider. Unter denen wird China sicher bald die Nummer eins sein.

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