Laudatio
Uli Hoeneß zum Sechzigsten

Uli Hoeneß gilt als der größte Manager des deutschen Fußballs - doch er war und ist weit mehr als das. Bayern-München-Aufsichtsrat Herbert Henzler über seinen langjährigen Wegbegleiter und dessen sechzigsten Geburtstag..
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Man schrieb das Jahr 1975 und in der Maschine von Düsseldorf nach München flogen die Spieler des FC Bayern von einem Spiel in Duisburg zurück nach München. Sie saßen gut verteilt über den ganzen Flieger und so ergab es sich, dass Uli Hoeneß neben mir und meinem damaligen McKinsey Kollegen Peter Hoch saß.

Wir kamen ins Gespräch über McKinsey, über Toni Schmücker (den damaligen Rheinstahl und späteren VW Chef) und die intensive Diskussion über die Mitbestimmung, die gerade per Gesetz in allen Unternehmen über 2000 Beschäftigte eingeführt werden sollte.

Aus dieser Begegnung blieb mir haften, dass dieser schwäbische Landsmann äußerst interessiert an wirtschaftlichen Zusammenhängen war und dass er, anders als ich, ein deutlicher Fürsprecher der qualifizierten Mitbestimmung war.

Später war ich mitverantwortlich in einer McKinsey-Studie für den FC Bayern München und stellte fest, dass Uli Hoeneß mit viel Verve diese Studie als eine Wegmarkierung für das Merchandising des Vereins sah. Er brachte sich ein, war mit vielen Ideen über Vergleiche aus der NBL in USA ein ständiger Quell von neuen Anregungen. Ganz entscheidend jedoch war, dass er die Ideen des professionellen Merchandisings auch umsetzte. Dass er dabei auch auf die "Kitzbüheler Mafia " bei der Besetzung von wichtigen Führungspositionen hörte, zeigte, wie viel Vertrauen er doch in meinen Rat setzte.

Als ich Verwaltungsrats- und später Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern wurde, intensivierte sich unser Kontakt (ja als Vorsitzender des Prüfungsausschusses war es gar meine Pflicht, Vorstandsverträge vorzubereiten und somit über allfällige Bonuszahlungen der Vorstände mit zu entscheiden). Die Begegnungen mit Uli Hoeneß waren beidseits stets sehr respektvoll. Er ist geprägt von großer Inquisitiveness verbunden mit hoher Professionalität.

Beeindruckt hat mich, wie er die große Spannweite zwischen der Basis der über 170.000 Mitglieder und der großen Welt des Sports meisterte. Uli Hoeneß war mehr als ein Manager, er wollte die Marke „Bayern“ in allen Facetten verkörpern. Er war und ist Vordenker in der Welt des Sports.

Natürlich erlebte ich in diesen Begegnungen auch den Unternehmer, der das fränkische Bratwurstunternehmen zu neuen Höhen führte, den intellektuell interessierten Mitstreiter in der Kommission "Bayern 2020", den fördernden Philantropen, der sich bei zahllosen Vorfällen einsetzte, zum Beispiel, als er nach dem schlimmen Zug/-Busunglück 1982 in Schönaich ein Benefizspiel zugunsten der Waisenkinder organisierte, sowie seine sofortige Reaktion im tragischen Fall Dominik Brunner, der am S-Bahnhof in München-Solln Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens wurde, eine Stiftung ins Leben zu rufen, deren Vorsitzender des Stiftungskuratoriums er ist etc., um nur 2 Dinge zu nennen.

In den letzten Jahren wandte er sich vermehrt den großen gesellschaftlichen Fragen zu, gab gerne seinen Rat an Ministerpräsidenten und Kanzler und äußerte sich über die künftige Rolle des Sports in der Gesellschaft. Mögen das kommende Dezennium ihm weiterhin viel Raum für seine Ideen in der Welt des Sports und der Bürgergesellschaft geben. In gewisser Weise hat er sein raumgreifendes Spiel vom Rasen in seine Welt des Bayernmanagements übertragen.

Selten gibt es ein brennendes gesellschaftliches Thema, das ihn nicht interessiert. Ihn dabei als Wegbegleiter zu haben, erachte ich als eine Gunst der landsmannschaftlichen Herkunft.

Auf viele gemeinsame weitere Taten.

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