Mindestlohn für Praktikanten
„Die Zeche zahlen die Berufseinsteiger“

Der Mindestlohn für Praktikanten macht nichts besser: Er sorgt für Verunsicherung auf allen Seiten und gefährdet freiwillige Praktika. Wirtschaft und Jobsuchende werden das bitter zu spüren bekommen.
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Die Gesetzesvorlage zum Mindestlohn verunsichert Studenten, Absolventen und Arbeitgeber: Das Angebot von freiwilligen Praktika ist durch die geplante Neuregelung extrem gefährdet. Laut dem Gesetzesentwurf soll es beim Mindestlohn nur eine Ausnahme für „ausbildungs- und studienrelevante Praktika“ geben.

Wer aber ein freiwilliges Praktikum machen möchte, hat laut Gesetzesentwurf spätestens ab der fünften Woche einen Anspruch auf den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Den aber werden nur wenige Unternehmen zahlen wollen: „Unternehmen, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen können jungen Leuten, die den betrieblichen Alltag kennenlernen und praktische Erfahrungen sammeln möchten, unmöglich 1500 Euro zahlen. Das Angebot an freiwilligen Praktika wird durch den Mindestlohn sinken“, befürchtet Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass dieses zentrale Sprungbrett in Beschäftigung nun durch den Mindestlohn derart beschnitten werden soll.“ Das Ministerium wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Schon jetzt schaffen es Studenten im Rahmen ihrer Curricula kaum, ausreichende Praxiserfahrung zu sammeln. Daher spielen die freiwilligen Praktika eine umso größere Rolle. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat bei einer Umfrage unter Hochschulabsolventen herausgefunden: Jeder zweite Praktikant; der übernommen werden wollte, erhielt nach dem Praktikum eine Festanstellung.

Die Arbeitgeber bestätigen den Trend: In einer Unternehmensbefragung von Fair Company – der Initiative für faire Praktikumsbedingungen, die sich mit anerkannten Regeln gegen ausbeuterisches Praktikantenhopping einsetzt – gaben 90 Prozent der Arbeitgeber an, Praktikanten später zu übernehmen.

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