Motivationsforschung: Warum uns Gier in den Abgrund führt

Motivationsforschung
Warum uns Gier in den Abgrund führt

Was sind die Motive, die besonders erfolgreiche Menschen antreiben? Es ist jedenfalls nicht allein das Geld, wie viele fälschlich meinen.
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Auch siebzig Jahre nach dem Tod von John D. Rockefeller ist es schwierig, die Motive auseinanderzudividieren, die ihn zum reichsten Mann der Welt, aber auch zu ihrem größten Menschenfreund machten. "Es ist meine Pflicht, Geld zu verdienen, noch mehr Geld zu verdienen und es dann den Vorgaben meines Gewissens nach zum Wohl meiner Mitmenschen einzusetzen", sagte er einmal.

Andrew Carnegie, gebürtiger Schotte, Stahlmagnat und Zeitgenosse von Rockefeller, zeigte dieselbe Entschlossenheit beim Spenden wie beim Aufbau seines Vermögens. Seine berühmt gewordene Devise war: "Ein Mensch, der reich stirbt, stirbt in Schande."

Henry Ford schuf sein Unternehmen, weil er Autos leidenschaftlich liebte und sie unbedingt zum Massengut machen wollte. Einige Aktionäre verklagten ihn, weil sie höhere Dividenden forderten. Die Aktionäre gewannen. Der größte Anteil der Dividenden ging natürlich an Ford selbst, der das Geld prompt einsetzte, um diese Minderheit herauszukaufen. Heute kann man sagen, diese missvergnügten Aktionäre hätten besser geschwiegen.

Sam Walten, Gründer und Hauptanteilseigner von Wal-Mart, dem größten Einzelhändler der Welt, fuhr bis zu seinem Tod einen Pritschenwagen. Er erinnerte sich: "Ich habe mich lange angestrengt, den bestmöglichen Einzelhändler aufzubauen. Für mich war es nie ein besonderes Ziel, ein großes Privatvermögen aufzubauen." Aber genau das hat er getan: Seine Familie steht auf der Forbes-Liste der Reichen ganz oben.

Wenn man Bücher über die Karriere liest, die Bill Gates durchlaufen hat, wird einem klar, dass sein Hauptinteresse nicht Geld, sondern die Computer waren. Ihm ging es ums Geschäft und nicht um Marmorbäder. Wie Carnegie und Rockefeller ist Gates ein Philanthrop geworden, der sich mit Begeisterung für wohltätige Zwecke einsetzt. Selbst Donald Trump schreibt am Anfang seiner Autobiografie: "Ich mache es nicht für Geld. Ich habe genug davon, viel mehr, als ich je benötige. Ich mache es, weil ich es machen will. Geschäfte sind meine Form von Kunst."

Heutzutage kann man ein großes Vermögen gewinnen, wenn man ein großes und erfolgreiches Unternehmen aufbaut. Das erfordert außergewöhnliches Talent und harte Arbeit, mit Hingabe bis in die Einzelheiten. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, diese Eigenschaften hätten mit Gier und Materialismus zu tun. Eher gilt das Gegenteil: Wer vom Wunsch nach Geld besessen ist, will es unbedingt ganz schnell haben, sei es auf legale oder illegale Weise, und will nicht den Weg über den Geschäftsausbau gehen. Wenn das dann mal nicht mehr funktioniert, ziehen sie sich auf ein sonniges Plätzchen zurück.

Wir wollen Rockefellers Aussage, dass Geldverdienen ein Gottesgeschenk sei, nicht zum Nennwert nehmen - genauso wenig wie Trumps "Kunstform". Dennoch sagen uns diese Worte etwas über die Art und Weise, wie diese Männer die Geschäfte angegangen sind, die sie reich gemacht haben.

Lange habe ich mich gefragt, warum Spitzenführungskräfte darauf bestehen, so viel zu verdienen. Warum ist es so wichtig für sie, Geld zu bekommen, das sie nicht brauchen und niemals ausgeben können? Die Antwort ist, dass sie die Bezahlung als Bestätigung für die eigene Wichtigkeit brauchen.

Welcher selbstbewusste Unternehmenschef kann es denn schon hinnehmen, mit seinem Gehalt im unteren Viertel der Chefgehälter seiner Branche zu liegen - obwohl schon definitionsgemäß ein Viertel dieses Schicksal tragen muss. Selbst unter den Händlern und Investmentbankern in der City und an der Wall Street, bei denen die Gier notorisch ist, geht es beim Bonus genauso um die Ehre wie um das Geld, das in die Tasche fließt. Darum verfolgen sie mit Argusaugen, wie viel die Kollegen und Wettbewerber erhalten.

Die Jagd nach Vermögen, sei es als Selbstzweck oder aus Besitzgier, schädigt Individuen und Organisationen, die ihr nachgehen. Gier ist sicherlich eine menschliche Eigenschaft - aber nicht von vornherein eine dominierende. Wir freuen uns über die Freundlichkeit eines Fremden und profitieren vom Engagement eines Lehrers oder einer Krankenschwester. Die meisten Menschen arbeiten nicht wegen der materiellen Belohnung, sondern wegen der Befriedigung, die die Arbeit gibt, und wegen des Respekts von Freunden und Kollegen.

Gier ist nicht einmal für die sehr Vermögenden der alles beherrschende Antrieb. Für sie ist Geld ein Statussymbol, ein Erfolgsnachweis - oder der Nebeneffekt ihrer Leidenschaft für Macht und Geschäfte. Personen oder Organisationen, die von der Gier besessen sind, werden von ihr zerstört. Die Anhäufung von Vermögen ist - wie die Erlangung von Glück - ein undurchsichtiger Prozess, der, wenn er um seiner selbst willen betrieben wird, oft genug im Bankrott endet - oder vor dem Strafgericht.

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  • in Deutschland geht es nicht um Unternehmensaufbau, sondern um die Zerschlagung von Unternehmen.

    Unternehmer die Unternehmen aufgebaut haben wurden zahlreich vernichtet.

    Es geht nicht um Konstruktivität sondern um Wirtschaftskrieg und Destruktivität.

    Um Unterdrückung des Anderen.

    Fallbeispiel DDR: Unternehmen wurden geschlossen von der Treuhand, weil sie nicht die hochwertigen Produkte aus dem Westen herstellen konnten. Sie stellten einfache Produkte her, so wie sie es gewohnt waren, z.b. diesen FCkW freien Kühlschrank.

    Doch die Deutsche industrie und vorne an der Spitze bis hin zu Sarrazin, die die Währungsreform steuerten, war es ein abgekartetes Spiel unter wenigen.
    Diese Produkte sind "angeblich" nicht gut genug und die Leute sind heute arbeitslos. Ergebnis ist: ihre Arbeit wurde vernichtet und sie sind heute hartz4 Leichen. Genauso wie die Hartz4 und Sozialhilfeempfängerleichen in westdeutschland.

    ihre Arbeit ist nicht erwünscht. Geschweige denn, dass sie unternehmen aufbauen. Dieser MArkt wird planwirtschaftlic hzwischen Politik und Unternehmertum aufgeteilt. Unternehmen gründen maximal die Söhne und Töchter dieser Generation.

    Der andere Rest darf als Leiharbeit vegetieren. Weil irgendjemand muss schließlcih ja auch noch die Drecksarbeit machen.

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