Nach S&P-Rundumschlag: „Europa muss seine Krisenstrategie ändern“

Nach S&P-Rundumschlag
„Europa muss seine Krisenstrategie ändern“

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone dürfen die Warnung von S&P nicht ignorieren. Vor allem die Bundesregierung ist jetzt gefordert. Sie muss ihre bisherige Rettungsstrategie dringend ändern. Ein Gastbeitrag.
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BerlinDie Herabstufung von Frankreich und weiteren acht Staaten der Eurozone durch Standard & Poor's löst erneut Handlungsdruck in Europa aus. Sie zeigt, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs sich nicht darauf verlassen dürfen, dass mit den massiven Interventionen der Europäischen Zentralbank die Probleme gelöst seien.

Auch wenn die Frage berechtigt ist, welche Methodik genau zu diesen Rating-Entscheidungen führt, kann ich nur davor warnen, diese Warnung zu ignorieren. Es hilft auch nichts, darauf zu verweisen, dass Standard & Poor's aus den USA kommt - die chinesische Ratingagentur Dagong hat schon vor Wochen Frankreich herabgestuft. Die aktuelle Ratingentscheidung spiegelt die Bewertungen vieler Marktakteure wider und wird das Anlageverhalten beeinflussen.

Die Herabstufung von Frankreich und Österreich wird die Erwartung auslösen, dass auch das Rating des Rettungsschirms EFSF nicht mehr lange bei AAA bleibt. Die Herabstufung von Italien und Spanien wird die Refinanzierung dieser Staaten wieder erschweren, nachdem zuletzt aufgrund der EZB-Intervention etwas Entspannung an deren Anleihemärkten zu verzeichnen war. Die Verzerrung der Märkte wird noch weiter zunehmen, wenn der Markt für deutsche Staatsanleihen als der letzte als stabil erachtete relevante Anleihemarkt in der Eurozone übrig bleibt. Niemand sollte sich über die Negativverzinsung Deutschlands freuen, die sich daraus ergibt. Sie ist Folge der sich weiter verschärfenden Krise, die auch Deutschland in Mitleidenschaft zieht.

Die Begründung der Ratingagentur weist auf die unzureichenden Ergebnisse des 14. europäischen Krisen-Gipfels im Dezember 2011. Das steht in starkem Kontrast zu dem Selbstlob von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble für die dort erreichten Ergebnisse. Die Marktrealität hat bisher nach jedem der 14 Krisen-Gipfel gezeigt, dass die Strategie der Bundesregierung, die allein auf die Kontrolle der Staatsschulden in den einzelnen Mitgliedstaaten setzt, keine Stabilität bringt. Das ist diesmal nicht anders. Es wird deshalb Zeit für ein Umdenken in der Bundesregierung. Der 15. Krisengipfel muss eine Änderung der Krisenstrategie bringen: Es braucht neben der Reduzierung der Staatsschulden ein europäisches Investitionsprogramm. Und es braucht jetzt ein gemeinsames Auftreten der europäischen Staaten an den Kapitalmärkten mit europäischen Anleihen.

Gerhard Schick ist Finanzexperte bei den Grünen.

Kommentare zu " Nach S&P-Rundumschlag: „Europa muss seine Krisenstrategie ändern“"

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  • Pappalapapp
    Es sind mittlerweile 750 Milliarden. Das können Sie dem Monatsbericht der Bundesbank entnehmen( Extern)
    Zum Thema
    Die Grünen planen deb ökkologischen Finanzmarkt.Was darf der Bürger darunter vorstellen: Noch windigera Konflikt zwischen Finanzpolitik und Geldpolitik!

  • "Es braucht neben der Reduzierung der Staatsschulden ein europäisches Investitionsprogramm. Und es braucht jetzt ein gemeinsames Auftreten der europäischen Staaten an den Kapitalmärkten mit europäischen Anleihen." D. h., Sie wollen EU-Fonds, um damit auch noch die letzten Feldwege des betr. Landes zu asphaltieren, überdimensionierte Brücken über Meerengen zu bauen, die dann keiner nutzt, etc.. Als zweites wollen Sie, etwas verbrämt, wieder an die Eurobonds, dien aus guten Gründen strikt abgelehnt werden. Meine Güte, das ist doch alles Kappes! Diese Vorschläge werden nicht besser dadurch, daß Sie sie hier zum Xten Mal präsentieren. Die Defizitländer können nur dann wieder auf einen Wachstumspfad zurückgeführt werden, wenn die Einkommen ihrer Bürger auf das Maß zurückgeführt werden kann, was das jeweilige Land erwirtschaften kann. Das geht nur über eine Abwertung. Bei Beibehaltung des Euro muß diese "intern" erfolgen, d. h. Staatsausgaben, Löhne und Gehälter sind um das Maß einzukürzen, das vorher durch laxe Politik überschritten wurde. Das geht dann nur über eine Rezession oder eine externe Abwertung, wenn Sie den Euro aufgeben. Alles andere ist doch Illusion

  • Ist ja nicht wahr, die 500 Mrd. werden auf die Eurostaaten geteilt, davon trägt Deutschland etwa 27 %, etc. Da werden noch alle Staaten blöd schauen.

    Der Monti ist ein Verbrecher. Diese Hetzereien sind ein Wahnsinn, anstatt sein Volk maßzureglen, maßregelt er Deutschland.

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