Nina Chrustschowa
Russland rennt im Hamsterrad der Geschichte

Russlands Bodenschätze, Bevölkerung und Staatsgebiet schrumpft. Doch der Kreml reagiert nicht. Präsident Wladimir Putin führt das Land zurück in die Vergangenheit, urteilt die Urenkelin von Nikita Chruschtschow.
  • 20

MoskauStrategische Vision war noch nie ein russisches Markenzeichen und auch im Jahr 2012 war davon absolut nichts zu erkennen. Russlands riesiges Territorium scheint seiner Führung weiterhin den Blick für die Notwendigkeit einer Zukunftsplanung zu verstellen. Zudem ist man überzeugt, dass die scheinbar unerschöpflichen Bodenschätze es dem Land ermöglichen, jede Unwägbarkeit zu bewältigen.  

Aus diesem Grund geht Russland stets unvorbereitet in die Zukunft. Ebenso wie die russische Staatsführung es in der Vergangenheit versäumte, sich auf den Fall des Kommunismus vorzubereiten, zeigt die heutige Schwäche der russischen Wirtschaft, dass man auch für die kommenden Jahrzehnte schlecht gerüstet ist, die von erschöpften Ressourcen, schwindenden Bevölkerungszahlen und einem sich verkleinernden Staatsgebiet geprägt sein werden.  

Wladimir Putins diesjährige Rückkehr in das Präsidentenamt markiert einen neuen Tiefpunkt im Hinblick auf eine strategische Vision Russlands. Schließlich ist die Vergangenheit die einzige Zukunft, die Putin für das Land jemals anstrebte.  

Als die Sowjetunion zusammenbrach, verlor der Kreml nicht nur die Kontrolle über riesige Teile des Staatsgebietes, sondern auch die Hälft der beinahe 300 Millionen Einwohner der UdSSR. Seit damals ist die Bevölkerungszahl aufgrund der vor allem unter Männern hohen Sterblichkeitsrate um weitere Millionen Menschen gesunken. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von 248 auf über 300 Millionen Menschen.   

Trotz der Forderungen der russischen Öffentlichkeit nach Reformen – von der Modernisierung des Militärs sowie der  heruntergekommen und korrupten Rechtsinstitutionen bis hin zur Diversifizierung einer auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und den militärisch-industriellen Komplex konzentrierten Wirtschaft – ist Putin der autokratischen Sache treu geblieben. 

Als Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow sich anschickte, die russischen Streitkräfte zu reformieren – durch verbesserte Ausbildung in modernen Abwehrtechniken, Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung – wurde er durch den früheren Gouverneur von Moskau und eingefleischten Putin-Anhänger Sergei Schoigu ersetzt, der das veraltete System umgehend wiederbelebte. Sogar die neuen Uniformen der Armee, die mit ihren Schulterklappen im Stil des 18. Jahrhunderts und den Jacken im Weltkriegslook an der Grenze des Komischen vorbeischrammen, beschwören eher die Vergangenheit, als die für moderne Kriegsführung erforderliche Annehmlichkeit und Effizienz zu bieten. 

Kommentare zu " Nina Chrustschowa: Russland rennt im Hamsterrad der Geschichte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Vicario
    Uhu, da kam ja jemand aus dem kurzen Weihnachtsurlaub und hat sich gleich an die Arbeit getan: In den Internetforen Propaganda verbreiten - ist es das, was Sie tun müssen, wenn Sie gerade nicht im " Außendienst" sind? (Ich soll doch direkt fragen)
    ...habe Ihre werte Antwort jetzt erst durch Zufall entdeckt. Und danke für den Patrioten, allerdings bin ich weder Russe noch habe ich dort niemals gelebt. Ich mag nur dieses Land und sein Volk, insofern unterscheiden wir uns wie Tag und Nacht...

  • "Bekannte deutschsprachige Professoren an dieser Universität waren Emil Lederer, Hanns Eisler, Wilhelm Reich, Alfred Schütz, Albert Salomon, Karen Horney, Erich Fromm, Karl Löwith, Max Wertheimer, Rudolf Arnheim, Marie Jahoda, Arnold Brecht, Hannah Arendt, Hans José Rehfisch, Eduard Heimann, Adolph Lowe und Hans Jonas. Bekannte Studenten waren beispielsweise Dan Flavin und John Weakland. In Anerkennung der Verdienste, die sich die New School nach 1933 durch die Aufnahme der durch die Nationalsozialisten ins Exil gezwungenen Wissenschaftler erworben hatte, wurde 1962 aus finanziellen Mittel der Bundesrepublik Deutschland die Theodor-Heuss-Professur eingerichtet, die jedes Jahr mit einem prominenten Ethnologen, Philosophen, Psychologen, Soziologen oder Wirtschaftswissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum besetzt wird. Erster Inhaber der Theodor-Heuss-Professur war 1962/63 der Philosoph Helmuth Plessner."

    Muß man dazu noch was sagen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%