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Philip Whyte: Der Härtetest kommt erst noch

Deutschlands Wachstum im zweiten Quartal war außergewöhnlich. Das Wachstumstempo beizubehalten wird aber sehr schwierig, sagt Philip Whyte, vom Londoner Think-Tank Centre for European Reform. Dagegen spreche das Auslaufen der Konjunkturprogramme und die starke Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export.

Philip Whyte ist Senior Resarch Fellow des Londoner Centre for European Reform. Quelle: Pressebild
Philip Whyte ist Senior Resarch Fellow des Londoner Centre for European Reform. Quelle: Pressebild

Auf den ersten Blick sieht Deutschland wirtschaftlich kerngesund aus. Im ersten Quartal 2010 ist die Wirtschaft stärker gewachsen als zuvor angenommen. Im zweiten Quartal war das Wachstum sogar so stark wie nie seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Aber was ist der Grund für Deutschlands Höhenflug? Und - wichtiger noch - wie lang wird er anhalten?

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Die Ausgaben der deutschen Konsumenten und Unternehmen sind zuletzt gestiegen, bleiben aber trotzdem schwach. So sind die Investitionen der Firmen zum Beispiel immer noch zehn Prozent geringer als Anfang 2008. Vor allem zwei Faktoren haben die Binnennachfrage seit Mitte 2009 gestützt: Die Unternehmen haben ihre Lagebestände wieder aufgefüllt, und der Staat hat viel Geld in die Wirtschaft gepumpt. Man darf nicht vergessen: Deutschland ist eines der wenigen Industrieländer, das seine Konjunkturprogramme in diesem Jahr ausgebaut hat - auch wenn die USA die deutsche Regierung dafür kritisieren, nicht noch mehr zu tun.

Die andere Triebfeder des deutschen Wachstums war der Welthandel. Ende 2008 und Anfang 2009 traf der Kollaps der Weltwirtschaft das Land besonders hart, jetzt profitiert die deutsche Exportwirtschaft von der Wiederbelebung des Handels. Bemerkenswert ist: Vor allem der Handel mit Indien und China ist drastisch gewachsen - die Anstiegen waren deutlich größer als im Handel mit den traditionellen europäischen Handelspartnern wie Großbritannien und Frankreich. Mehr als die Hälfte des gigantischen deutschen Handelsüberschusses entstehen inzwischen durch Handel mit Nicht-EU-Ländern.

Deutschlands Performance im zweiten Quartal war außergewöhnlich, aber es ist wichtig, das nicht völlig überzubewerten. Das Land muss sich nach wie vor - wie seine EU-Nachbarn - von einer drastischen Rezession erholen. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass das Wachstum so hoch bleibt wie im zweiten Quartal, hätte die Wirtschaftsleistung erst Ende 2010 wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Realistischer ist, dass dies nicht vor Mitte 2011 passieren wird.

Denn zwei Gründe sprechen dafür, dass Deutschland Probleme haben wird, die derzeitigen Wachstumsraten beizubehalten. Zum einen werden die Ausgaben der Unternehmen und Haushalten wahrscheinlich nicht so stark wachsen, dass sie das Auslaufen der Konjunkturpakete kompensieren. Zum anderen steht und fällt das Schicksal der deutschen Wirtschaft mit dem Export. Aber deutschen Unternehmen wird es schwer fallen, in Ländern wie Spanien, Großbritannien und den USA große Absatzerfolge zu erzielen - diese Länder sind überschuldet und müssen ihre Verbindlichkeiten abbauen. Hinzu kommt: Es ist unwahrscheinlich, dass die Nachfrage in Asien weiter so stark wächst wie in der jüngeren Vergangenheit.

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