Plädoyer für hohe Managergehälter

Das sind die Gründe, warum ich so viel Geld verdiene!

Üppige Chef-Gehälter sind in der Gesellschaft längst zu einem Reizthema geworden. Ein Interim-Manager, der anonym bleiben möchte, erklärt, warum er so viel Geld für seine Arbeit bekommt – und es absolut verdient hat.
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Firmen können sich Manager auf Zeit leihen, die sich durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen boxen und prächtig dabei verdienen. Aber für was genau werden sie eigentlich so gut bezahlt? Ein Manager erzählt. Quelle: Getty Images

Firmen können sich Manager auf Zeit leihen, die sich durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen boxen und prächtig dabei verdienen. Aber für was genau werden sie eigentlich so gut bezahlt? Ein Manager erzählt.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfEin Geschäftsmann und erfolgreicher Beststellerautor, der anonym bleiben möchte, hat für Handelsblatt Online aufgeschrieben, was ihm bei seiner Arbeit als Interim-Manager in großen Konzernen passiert ist. Spezialisten wie er übernehmen zeitweise Aufgaben von Führungskräften in Konzernen. Am häufigsten boxen sich die Experten durch Krisen und Restrukturierungen in Konzernen.

Die anfragende Redakteurin sagte: „Bei einem akuten Feuerlöscheinsatz dem Brandmeister über die Schulter zu schauen – das ist hochinteressant für unsere Zuseher!“ Ich war so baff, ich bekam sekundenlang keinen Ton heraus.

Interessant? Im Ernst? Ich stehe um halb sechs auf, bin um 7 Uhr im Büro, bereite anstehende Termine vor, halte um neun das Morgenmeeting mit den Kollegen, dann das erste Fach- oder Kundenmeeting und von da an bis abends teilweise um acht: Meeting an Meeting, Gespräch an Gespräch, Besprechungen ohne Ende, 50 Telefonate, 200 E-Mails. Was um Himmels willen soll daran interessant oder auch nur telegen sein?

Ich sitze zehn Stunden am Tag im Meeting, am Schreibtisch oder im Auto – gegen den Alltag eines Managers ist das Sendezeichen bei TV-Störungen Grimmepreis-verdächtiges Qualitätsfernsehen. Wenn tatsächlich mal ein Manager so mediengeil wäre, sich dafür herzugeben und ein Sender so selbstmörderisch auf die Quote pfeifen würde, um das zu senden, würde ein Aufschrei aus Millionen Kehlen über die Senderlandschaft hinwegfegen: Und dafür kriegt ihr Geld?

Ich höre das ständig. Zuletzt bei einem Vorort-Besuch auf dem Bau. Ein Glasergeselle mit Ambitionen fragte mich, was ich den lieben langen Tag so mache. Als ich es ihm sagte, meinte er spontan: „Und dafür werden Sie bezahlt? Das könnte ich auch!“ Ich fragte ihn: „Wenn Sie diese Palette Fensterscheiben mit dem Stapler gegen die Hauswand fahren – was kost‘ das?“ Er meinte: „So um die 5.000 Euro.“

Ich sagte: „Okay. Wenn ich dieses Bauvorhaben, bei dem Sie die Fenster einsetzen, gegen die Wand fahre, kostet das acht Millionen, 50 Leute sind ihren Job los – ich übrigens auch. Wollen Sie noch mit mir tauschen?“ Er überlegte und fragte: „Das kommt darauf an, wie schwer ich an dieser Verantwortung tragen würde.“ Gute Frage. Fünf Antworten darauf.

Gehalt bekommen oder verdienen?
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  • Der Artikel unterschlägt einen wichtigen Grund, warum das Management, insbesondere in der 2. und 3. Ebene, "covering your ass" betreibt: nämlich die Wutausbrüche des Chefs. Das gilt nicht nur für jene Chefs, die erst von den Details nichts wissen wollen und sich hinterher an ihren Mitarbeitern abreagieren weil sie ihnen die Details nicht früher gegeben haben. Auch solche Chefs werden gut bezahlt.

  • Der Artikel enthält eine Reihe von Teilwahrheiten...und im besten Fall beschreibt er einen Idealmanager, der fast nicht zu finden ist. Dieses Beispiel, wo niemand die 20000 Euro auf seine Kostenstelle nehmen wollte, ist so typisch: Nur nicht auffallen, stromlinienförmig, unangreifbar sein. Macht jemand mal den Mund auf und prangert Mißstände an, kommt er nicht durch - im besten Fall. Warum? Weil man (bzw. seine Abteilung, sein Bereich) nicht negativ auffallen darf - um keinen Preis! Und wer trägt die Verantwortung für dieses Verhalten? Das Topmanagement, das das entsprechende Klima im Betrieb erzeugt. Der genannte Herr ist also selbst (mit)schuld an seinem Schaum um den Mund...aber die Selbsterkenntnis geht in der Regel nicht soweit.
    Die Arbeitsbelastung der Manager halte ich mittlerweile auch für einen ziemlichen Scherz - sie laden sich die Arbeit und unzählige Minientscheidungen selbst auf, anstatt die Verantwortungen und Entscheidungen dort zu lassen, wo sie hingehören (also auf der richtigen Ebene). Beispiele? Mein persönlicher Hit ist die Verlängerung eines Zeitarbeiters (Sachbearbeiter) um sechs Wochen - musste vom CEO genehmigt werden, Umsatz der Firma: ca. 30 Milliarden Euro. Kein Witz. Von daher hält sich mein Mitleid sehr in Grenzen. Mit einer vernünftigen Organisation würde die Belastung des Managements rapide sinken - aber dann ist man ja nicht mehr so wichtig.. Und das Geld? Nun ja, was sollen Herrschaften mit dem Geld schon tun, wenn sie rund um die Uhr arbeiten, weil sie so unentbehrlich sind? Also lasst sie...wenn sie Glück haben, können sie noch ein paar Euro ausgeben, bevor sie der Herzinfarkt ereilt.

  • Leider wird keine kokrete Zahle genannt oder verdient der Gute 150TEURO p.a. - dann hätte er das sicherlich verdient, geht aber an der allgemeinen Diskussion vorbei wo über 150 TEURO Pro Woche oder Monat diskuttiert wird.

    Die Begründung mit "Solche Manager bekommen auch ihr Geld – aber sie verdienen es nicht", ist keine Begründung für ein eigenes überhöhtes Gehalt. Dass die eigenen Fähigkeiten quasi als Geheimwissenschaft oder Fähigkeiten, die sonst so gut wie keiner hat dargestellt werden, hilft auch nicht direkt weiter. Das sagt auch der Handwerksmeister.

    Und früher gab es diese Manager ja auch, als das Vielfache des Einkommens im Vergleich zur untersten Einkommensgruppe des Unternehmens noch um das zwanzig bis dreissigfache niederer war. Und die haben sehr oft Unternehmen aufgebaut, die mittlerweile im Weltmarkt ganz vorne Mitmischen. Die haben nicht lamentiert, dass zwwei Jahresgehälter bis zur Rente reichen müssten. Die haben aufgebaut und nicht verwaltet oder fortgeführt.

    Ich bin mir sicher, dass man bei einer anderen Unternehmenskultur ("Cover your ass") in der zweiten Reihe massig junge dynamische Nachwuchsmänner finden könnte. Womit dann aber das exorbitante Gehalt für die Großmeister der Geheimwissenchaft wieder sinken würde.

    Der Winterkorn verdient mittlerweile nur noch 14 Millionen (wahrscheinlich ohne Pensionsansprüche und sonstige Benefits). Und was verdient VW? Toyota als Maßstab für VW verdient pro Auto fünfmal mehr. Verdient dann der Manager von Toyota 70 Mio Euro?

  • Wenn ich diesen Artikel zusammenfasse, ist ein viel verdienender Manager jemand, der mit einem gewissen Fachwissen und viel psychologischem Einfühlungsvermögen andere Mitarbeiter motiviert, das umzusetzen, was sie sowieso schon entwickelt haben, oder der sie zu neuen Entwicklungen motiviert. Das ist das, was ich als Lehrer tagtäglich mache. Wieso werde ich dann soviel schlechter bezahlt? Ich höre schon: Es geht hier um Projektkosten in Millionenhöhe! Aber wenn ich annehme, dass aufgrund meiner Ausbildung die Schüler später ein durchschnittliches Jahresgehalt von 100.000 € erreichen (das sind bei einer Arbeitszeit von 30 Jahren 3 Mio. €)und ich 25 Schüler in der Klasse habe, geht es dabei also um ein Projektvolumen von immerhin 75 Mio € in jeder Klasse. Also eine hohe Verantwortung! Trotzdem erreiche ich Herrn Mehdorns Monatsgehalt im ganzen Leben nicht.
    Jetzt bin ich noch mehr überzeugt, dass das System nicht mehr stimmt.

  • lobbyismus ist auch werbung

    das stetige wiederholen von "aussagen" solange bis eine grössere gruppe diese nicht mehr in zweifel zieht

    und eins doch toll
    seine bildung und förderung war nicht umsonst
    da er nun wenuigstens erklären kann, warum er das erhält was er erhält

  • Was hat dieses mit einer sozialen Marktwirtschaft zu tun?
    Aber noch immer faseln Spitzenpolitiker, (wieso eigentlich Spitzen?), davon, dass wir in Deutschland ein solches Gebilde hätten?
    Der Ausdruck Raubkapitalismus kommt der augenblicklichen Situation schon sehr nahe.
    Die Arbeit des Armen ist die (Gold-)Mine des Reichen!
    John Bellers Anno 1696

  • Ich lese immer "verdienen". Verdienen Manager ihr Geld, wenn Sie versagen, nur Stellen vernichten und sich weigern für Ihre Fehler auf zu kommen? In welchem Arbeitsvertrag steht zum Schaden der Firma arbeiten, wie es fast 99% der manager machen? Wieso Boni, wenn er für das Wohlergehen der Firma sich verpflichtet hat? Jeder Arbeitsplatzabbau ist ein Schaden für die Firma.

  • Ziemlich langweilige und überhebliche Legendenstrickerei. Aus dem Beruflichen Alltag wissen wir alle, dass hoch bezahlte Manager eben nicht diese Genies mit unbezahlbaren Fähigkeiten sind. Es sind sehr häufig die eloquenten Opportunisten, die den Weg nach oben finden. Irgendwie hatte ich beim lesen dieses Heldenepos immer das Bild von diesem Mehdorn vor Augen.

  • Ziemlich langweilige und überhebliche Legendenstrickerei. Aus dem Beruflichen Alltag wissen wir alle, dass hoch bezahlte Manager eben nicht diese Genies mit unbezahlbaren Fähigkeiten sind. Es sind sehr häufig die eloquenten Opportunisten, die den Weg nach oben finden. Irgendwie hatte ich beim lesen dieses Heldenepos immer das Bild von diesem Mehdorn vor Augen.

  • Die hohen Gehälter und langen Arbeistzeiten sind manchmal sogar der Grund für das Scheitern. Ein Web-Projekt ist u.a. deswegen gescheitert, weil das Management das Gefühl für Normalverdiener verloren hat und deswegen das Produkt zu teuer angesetzt hatte. Das Hochloben dieses Berufstandes für auch zu Arroganz. Die Entwicklungs eines Produkt, das für andere Firmen gedacht war, hätte man sich sparen können, wenn der Chef mal seine eingenen Leute gefragt hätte ob sie das einsetzen würden. Die Excel-Tabellen sind auch typisch für Manager. Alles wofürsich nicht konrkrete Zahlen nennen lassen, kommt für sie nicht vor. Jeder gute Softwareentwickler weis, dass man auch Aufwand für die Wartbarkeit von Software investieren muss, ansonsten wird der Aufwand für die Weiterentwicklung immer höher. Das sind also auch eine Art von Schulden. Manager verstehen das aber fast nie. Manager sparen auch geren an der Weiterbildung der Mitarbeiter. Das führt dann dazu, dass die Angestellten keinen Job mehr finden, wenn der Manager die Firma gegen die Wand fährt. Der Manager hingegen findet problemlos einen Folgeauftrag.

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