Professor Tacheles
Legenden und Tatsachen bei Stellvertreterkriegen

Es sind nicht ständig finstere Außenmächte oder „der Westen“, der die unschuldige Welt außerhalb Euro-Amerikas in Chaos und Krieg stürzt. Wir müssen uns kein schlechtes Gewissen machen lassen, findet unser Kolumnist.
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Von Stellvertreterkriegen ist derzeit wieder oft die Rede. Angeblich wird seit 2011 in Syrien ein Stellvertreterkrieg ausgefochten. Dort finde, recht besehen, kein Bürgerkrieg statt. Die wahren Kriegsgegner seien einerseits „der Westen“ gemeinsam mit Saudi-Arabien, der Türkei und den kleinen Ölstaaten am Arabischen Golf und andererseits Russland mit dem Iran. Stimmte diese These, könnte man sagen, dass, wie es sich gehört, der Hund mit dem Schwanz wedele.

Noch (?) ohne Krieg liegt dem Atomkonflikt um das steinzeitkommunistische Nordkorea der gleiche Gedanke zugrunde. Er lautet: Der eigentliche Adressat für das kleine Nordkorea sei das riesige China. Wer, wie US-Präsident Trump, Nordkorea zur nuklearen Abrüstung bringen wolle, müsse mit Peking ins Geschäft kommen. Stimmte diese These, könnte man sagen, dass, wie es sich nicht gehört, der Schwanz mit dem Hund wedele.

Beides zusammen ist jedoch unmöglich. Wir fragen deshalb: Wer also wedelt wo mit wem, der Hund mit dem Schwanz oder umgekehrt der Schwanz mit dem Hund? Lassen wir die Empirie, die Tatsachen sprechen.

Als reiner Bürgerkrieg begannen im Frühjahr 2011 die Feindseligkeiten in Syrien. Die Fronten schienen klar: Hier Assad-Diktatur, dort der „Arabische Frühling“, der in Syrien Demokratie zur Blüte bringen wollte. Sehr bald stellte sich heraus, dass weniger um Demokratie im syrischen Gesamtstaat als vielmehr um berechtigte oder unberechtigte ethnische und religiöse Teilinteressen gefochten wurde. Der Assad-Clan ist sozusagen die Eisbergspitze der alawitisch-schiitischen Minderheit. Diese wurde bis 1970 von der sunnitischen Mehrheit traditionell mehr oder weniger unterdrückt. Im Herbst jenes Jahres putsche sich Assad-Vater an die Staatsspitze. Nach dessen Tod folgte im Jahre 2000 Assad-Sohn.

Vor knapp vierzig Jahren wurde so der syrische Spieß umgedreht. Fortan bestand eine alawitisch-schiitische Diktatur. Es war nur eine Frage der Zeit, dass und wann sich der Widerstand der sunnitischen Mehrheit formieren würde. Das war bereits 1982 der Fall. Damals ließ Vater Assad seine Gegner niederkartätschen. Dann herrschte bis 2011 relative Ruhe. In den ersten Jahren des Syrischen Bürgerkrieges geriet die schiitische Assad-Diktatur in die Defensive. Fast war sie besiegt. Die Schwäche der Alawiten-Diktatur wollten die Kurden Syriens für sich nutzen, um innerhalb Syriens mehr Selbstbestimmung zu erreichen. Das war ihr Minimalprogramm. Ihr Maximalprogramm: Die Vereinigung der Kurden Syriens, der Türkei, des Irak und Iran in einem neu zu gründenden Kurdenstaat. Dem widersetzen sich die Staatsführungen Syriens, der Türkei, des Irak und Irans.

Keiner der innersyrischen Akteure war stark genug, um alleine zu siegen. Folglich holten alle innersyrischen Akteure Hilfe von außen. Am Anfang fiel also die Entscheidung, Außenakteure zu holen, durch die jeweiligen Konfliktparteien im Innern Syriens. DAS war die Grundsituation. So gesehen, ist die These vom Stellvertreterkrieg in Syrien barer Unsinn. Dass die unterschiedlichen Außenakteure sich nicht heftig bitten ließen, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich vertreten sie eigene Interessen. Nicht uneigennützig sind sie bereit, einen Preis an Menschen, eigenen Toten, und Material zu zahlen.

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Warum Nordkorea kein Stellvertreter Chinas ist

Kommentare zu " Professor Tacheles: Legenden und Tatsachen bei Stellvertreterkriegen"

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  • Wie wahr, der „Arabische Frühling“ brachte überall Freiheit und Gerechtigkeit und ist natürlich eine Befreiungsbewegung der Völker.

  • Gegen eintsprechendes Honorar oder Verhalten ist ein eintsprechendes Disigner-Gewissen zu haben . Die vielen Friedensmissionen an denen wir teilnehmen dürfen beweisen die Alternativlosigkeit.

  • Die meisten Politiker haben ein reines Gewissen, dass beruhigt mich auch , weil sie es noch nie benutzt haben,.

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