Professor Tacheles

Legenden und Tatsachen bei Stellvertreterkriegen

Es sind nicht ständig finstere Außenmächte oder „der Westen“, der die unschuldige Welt außerhalb Euro-Amerikas in Chaos und Krieg stürzt. Wir müssen uns kein schlechtes Gewissen machen lassen, findet unser Kolumnist.
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Sowohl der syrische Präsident als auch andere innersyrischen Akteure im Bürgerkrieg waren stark genug, um alleine zu siegen. Folglich holten alle innersyrischen Akteure Hilfe von außen. Quelle: dpa
Bashar al-Assad

Sowohl der syrische Präsident als auch andere innersyrischen Akteure im Bürgerkrieg waren stark genug, um alleine zu siegen. Folglich holten alle innersyrischen Akteure Hilfe von außen.

(Foto: dpa)

Von Stellvertreterkriegen ist derzeit wieder oft die Rede. Angeblich wird seit 2011 in Syrien ein Stellvertreterkrieg ausgefochten. Dort finde, recht besehen, kein Bürgerkrieg statt. Die wahren Kriegsgegner seien einerseits „der Westen“ gemeinsam mit Saudi-Arabien, der Türkei und den kleinen Ölstaaten am Arabischen Golf und andererseits Russland mit dem Iran. Stimmte diese These, könnte man sagen, dass, wie es sich gehört, der Hund mit dem Schwanz wedele.

Noch (?) ohne Krieg liegt dem Atomkonflikt um das steinzeitkommunistische Nordkorea der gleiche Gedanke zugrunde. Er lautet: Der eigentliche Adressat für das kleine Nordkorea sei das riesige China. Wer, wie US-Präsident Trump, Nordkorea zur nuklearen Abrüstung bringen wolle, müsse mit Peking ins Geschäft kommen. Stimmte diese These, könnte man sagen, dass, wie es sich nicht gehört, der Schwanz mit dem Hund wedele.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Beides zusammen ist jedoch unmöglich. Wir fragen deshalb: Wer also wedelt wo mit wem, der Hund mit dem Schwanz oder umgekehrt der Schwanz mit dem Hund? Lassen wir die Empirie, die Tatsachen sprechen.

Als reiner Bürgerkrieg begannen im Frühjahr 2011 die Feindseligkeiten in Syrien. Die Fronten schienen klar: Hier Assad-Diktatur, dort der „Arabische Frühling“, der in Syrien Demokratie zur Blüte bringen wollte. Sehr bald stellte sich heraus, dass weniger um Demokratie im syrischen Gesamtstaat als vielmehr um berechtigte oder unberechtigte ethnische und religiöse Teilinteressen gefochten wurde. Der Assad-Clan ist sozusagen die Eisbergspitze der alawitisch-schiitischen Minderheit. Diese wurde bis 1970 von der sunnitischen Mehrheit traditionell mehr oder weniger unterdrückt. Im Herbst jenes Jahres putsche sich Assad-Vater an die Staatsspitze. Nach dessen Tod folgte im Jahre 2000 Assad-Sohn.

Vor knapp vierzig Jahren wurde so der syrische Spieß umgedreht. Fortan bestand eine alawitisch-schiitische Diktatur. Es war nur eine Frage der Zeit, dass und wann sich der Widerstand der sunnitischen Mehrheit formieren würde. Das war bereits 1982 der Fall. Damals ließ Vater Assad seine Gegner niederkartätschen. Dann herrschte bis 2011 relative Ruhe. In den ersten Jahren des Syrischen Bürgerkrieges geriet die schiitische Assad-Diktatur in die Defensive. Fast war sie besiegt. Die Schwäche der Alawiten-Diktatur wollten die Kurden Syriens für sich nutzen, um innerhalb Syriens mehr Selbstbestimmung zu erreichen. Das war ihr Minimalprogramm. Ihr Maximalprogramm: Die Vereinigung der Kurden Syriens, der Türkei, des Irak und Iran in einem neu zu gründenden Kurdenstaat. Dem widersetzen sich die Staatsführungen Syriens, der Türkei, des Irak und Irans.

Keiner der innersyrischen Akteure war stark genug, um alleine zu siegen. Folglich holten alle innersyrischen Akteure Hilfe von außen. Am Anfang fiel also die Entscheidung, Außenakteure zu holen, durch die jeweiligen Konfliktparteien im Innern Syriens. DAS war die Grundsituation. So gesehen, ist die These vom Stellvertreterkrieg in Syrien barer Unsinn. Dass die unterschiedlichen Außenakteure sich nicht heftig bitten ließen, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich vertreten sie eigene Interessen. Nicht uneigennützig sind sie bereit, einen Preis an Menschen, eigenen Toten, und Material zu zahlen.

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5 Kommentare zu "Professor Tacheles: Legenden und Tatsachen bei Stellvertreterkriegen"

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  • Wie wahr, der „Arabische Frühling“ brachte überall Freiheit und Gerechtigkeit und ist natürlich eine Befreiungsbewegung der Völker.

  • Gegen eintsprechendes Honorar oder Verhalten ist ein eintsprechendes Disigner-Gewissen zu haben . Die vielen Friedensmissionen an denen wir teilnehmen dürfen beweisen die Alternativlosigkeit.

  • Die meisten Politiker haben ein reines Gewissen, dass beruhigt mich auch , weil sie es noch nie benutzt haben,.

  • "Wir müssen uns kein schlechtes Gewissen machen lassen"

    Kein Mensch muss sich ein schlechtes Gewissen machen lassen (von wem denn auch, und vor allem: wozu??).

    Hauptsache, er hat überhaupt ein Gewissen.

  • Komisch ,..es gibt also finstere Außemächte und der.... Westen. Also Westen bedeutet gleich
    Sauberkeit,Weiße Uniformen und das Recht auf militärischen Einsatz überall auf der Welt. Richtig?

    Die finsteren Außenmächte aber und weniger Finstere finden aber das der Westen der finstere Teilnehmer ist. Salopp gesagt.

    Das kann man nicht von der hand weisen, schließlich waren es die Türkei England Frankreich Deutschland und USA , die die Arabischen Staaten dominiert haben und dann mit
    Bleistift in Staaten aufgeteilt haben. Die Religionsrichtungen teilen sich die Saudis und die Iraner und natürlich mit Erdogan.

    Alle anderen machen da weiter , wo sie mal aufgehört haben. Nur Russland ist der
    Neue, der die weiße reine Armee des Westens ständig ärgert. Auch Deutschland als Wiedereinsteiger ist dabei , die neue Söldnerarmee von Merkel und Co muss Kampferprobt werden
    überall auf der Welt. Es zuckt der Zeigefinger, aber man stellt sich hin mit leisen Sätzen und verkaufen uns so viel weißes reines Militär , dass der Papst sie eines Tages wohl heilig spricht



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