Gastbeiträge

_

Schuldenschnitt für Griechenland: Nicht schon wieder!

Ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland hätte eine untragbare Folge: den Vertrauensverlust der europäischen Steuerzahler. Dieses politische Problem hätte massive Konsequenzen auf den Finanzmärkten. Ein Gastbeitrag.

Griechenland steht möglicherweise vor einem zweiten Schuldenerlass. Quelle: dpa
Griechenland steht möglicherweise vor einem zweiten Schuldenerlass. Quelle: dpa

DuisburgDa ist es wieder, das Gespenst eines erneuten Schuldenschnitts für den griechischen Staat. Angeblich handelt es sich um eine Empfehlung der Troika. Zwar wird dies von offizieller Seite dementiert, aber wo Rauch ist, dürfte auch Feuer sein. Es ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen, wenn man davon ausgeht, dass eine solche Empfehlung zumindest als Option im Troika-Bericht enthalten ist.

Anzeige

Es wäre zudem nicht der erste Vorschlag dieser Art. So hat die Gemeinschaftsdiagnose der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute kürzlich gleichfalls einen Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen für unvermeidlich erklärt.

Prof. Dr. Gustav A. Horn ist Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Quelle: dpa
Prof. Dr. Gustav A. Horn ist Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Quelle: dpa

Dies ist erschreckend. Denn es ist schwer vorstellbar, wie der Euroraum nach einem erneuten Schuldenschnitt je wieder auf die Beine kommen könnte. Dabei ist ein solcher Schritt gut gemeint. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Schuldenlast in Griechenland schlicht zu hoch ist, um je wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden zu können, scheint eine solche Vorgehensweise auf den ersten Blick ja sinnvoll.

Durch einen Schuldenschnitt, bei dem die Staatsanleihen zu einem Stichtag um einen in der Regel hohen Prozentsatz entwertet werden, würde sich die Schuldenlast Griechenlands tatsächlich schlagartig um genau diesen Prozentsatz vermindern und damit auch die hieraus resultierenden Zinszahlungen. So weit so gut.

Doch, wo Schuldner sind, da sind auch Gläubiger, die dem griechischen Staat im Glauben an dessen Fähigkeit, seine Zins- und Tilgungszahlungen zum vereinbarten Termin zu leisten, einen Kredit gewährt haben. Sie verlieren mit dem Schuldenschnitt genau jenen Anteil an Vermögen, um den sich die griechische Staatsschuld vermindert. Nun könnte man meinen, dies geschähe den Zockern an den Finanzmärkten nur recht. Wären sie doch nur vorsichtiger mit ihrem Geld gewesen. Dies ist leider zu kurz gedacht.

Politiker zu Griechenland „Gestreut, erfunden, konstruiert“

  • Politiker zu Griechenland: „Gestreut, erfunden, konstruiert“
  • Politiker zu Griechenland: „Gestreut, erfunden, konstruiert“
  • Politiker zu Griechenland: „Gestreut, erfunden, konstruiert“
  • Politiker zu Griechenland: „Gestreut, erfunden, konstruiert“

Hauptgläubiger des griechischen Staates sind nämlich derzeit keine Zocker und Spekulanten, sondern die Staaten des Euroraums und die EZB. Es wären also im Kern die Steuerzahler des Euroraums, die die Last des Schuldenschnitts zu tragen hätten, weil sich die Verschuldung ihrer Staaten entsprechend erhöhen würde. Sie müssten dann über ihre Steuern eine erhöhte Zinslast aufbringen.

Die Motive der Staaten, Griechenland Geld zur Verfügung zu stellen, waren aber alles andere unseriös. Ihnen ging es um die Rettung des angeschlagenen Staates und nicht um Gewinnspekulation. Ein Schuldenschnitt wäre demnach ein massiver Vertrauensbruch gegenüber dem europäischen Steuerzahler, der in Folge verständlicherweise kaum bereit sein dürfte, weiteren notwendigen Rettungsmaßnahmen zuzustimmen.

105 Kommentare

Alle Kommentare lesen
  • 14.11.2012, 13:52 UhrDemokrat

    Reicht es jetzt nicht langsam????

    Wahlalternative2013.de zeichnen, 2012 in Niedersachen die Freien Wähler wählen, 2013 auf Bundesebene die Freien Wähler wählen, die laut EMNID ein Potential von 17 % haben, Koalition zwischen CDU und Freien Wählern 2013, und 2014 Euro-Austritt Deutschlands. Alles andere ist der sichere Ruin für die deutschen Steuerzahler/Sparer/Rentner!!! Und bis dahin wird's noch teuer genug.

  • 14.11.2012, 02:52 UhrMIRO

    Wirklich erstaunlich, wie der Herr Horn plötzlich die Zusammenhänge verstehen lernt. Alle diese jetzigen Entwicklungen wurden durch die Kritiker schon beim ersten
    Schuldenschnitt für Griechenland vorausgesagt.Aber da hat Herr Horn ,wie auch ein Herr Hollande ja noch von Eurobonds und sozialistischer Solitarität für Europa auf Steuerzahlerkosten, besonders der Deutschen geträumt.
    Dumm, wenn einem die Realitäten immer wieder einholen!
    gez.walter werner.artists.de

  • 03.11.2012, 12:54 Uhrstyl

    Teil II:

    Vom großen Interrese hier ist aber die Tilgung der letzten 3,2 Mrd. der GR-Anleihen der EZB, und wie sie von dem von ihr selbst geschaffenen klassischen Pyramide-System finanziert wurde:
    Im Juli 2012 gab die EZB bekannt, dass die griechischen Banken praktisch insolvent seien, und dass sie deswegen um ihnen Geld auszuleihen keine Bürgschaften mehr
    von ihnen akzeptieren würde. Wäre das Thema dort geblieben, wäre Griechenland heute pleite. Parallel wäre die Auszahlung der 3,2 Mrd. schweren GR-Anleihe der EZB
    praktisch in die Luft.. Damit es aber nicht so weit kommen konnte, zwinkerte die EZB der Griechischen Bank das Auge zu und gestattete wieder, dass Vermögenswerte der griechischen Banken als Sicherheiten bei ihr akzeptiert wurden, um die GR-Banken auf diese Weise mit von der EZB gedruckten Euros zu finanzieren.

    Nachdem ihr wie oben aufgeführt die EZB das rote Licht gab, emitierte die griechische Regierung am 14 August eine Anleihe von 4 Mrd. Euro mit dreimonatiger Laufzeit aus. Interresant ist zu wissen wer diese Schatzbriefe erwarb? Aber wer sonst, natürlich die insolventen griechischen Banken! Sie nahmen diese
    Schuldverschreibungen, gaben sie an der EZB als Sicherheiten weiter, und holten sich somit von der Zentralbank (aka EZB)4 Mrd. zu 0,75% ausgeliehen, parallel kassierten sie von dem griechischen Staat 4% für diese Erleichterung. Und das insolvente Griechenland zahlte mit den Euros dass es sich mittels der insolventen griechischen Banken von der EZB geliehen hatte die GR-Anleihe der EZB zurück. EZB Gewinn im Handumdrehen 900 Millionen Euro!

    Das einzige was jedoch mittels dieses Recyclings der Verschuldungen erzielt wird, ist die Erhöhung der Schulden des insolventen griechischen Staates und der griechischen Banken bei der EZB.

    Indes ein sehr gefährliches Pyramiden-Recycling von Seiten der EZB zu lasten immer der Südstaaten der Eurozone (zB im August spielte sich ein gleicher Fall von der EZB in Spanien & Italien in Höhe von jeweils
    6 & 8 Mrd Euro

  • Kommentare
Kommentar: Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

„Dieser Krieg muss ein Ende haben“: Obama ruft die Wende im Kampf gegen den Terror aus. Weniger Drohnenangriffe, das Aus für Guantanamo – der Präsident scheint es ernst zu meinen. Er arbeitet an seinem Vermächtnis.

Kommentar: Die neue Generation der Alten

Die neue Generation der Alten

Spielekonsolen müssen sich im Konkurrenzkampf mit Smartphones und Tablets ihre Daseinsberechtigung neu verdienen. Microsoft geht dabei mit der neuen Entertainmentmaschine Xbox One eine heiße Wette ein.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Der ganz normale Mietwahnsinn

Der ganz normale Mietwahnsinn

Die Politik beginnt zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Es fehlt schlichtweg an Wohnungen – und an Geld.

Was vom Tage bleibt: Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Der Euro-Gruppen-Chef setzt sich ins Fettnäpfchen, vielleicht mit Absicht? Der Pampershersteller macht seinen alten Chef zum neuen Chef. Mit China droht ein Handelskrieg und Fahrradfahrer dürfen auch nicht länger betrunken fahren. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen... Von Frank Wiebe. Mehr…

  • Gastbeiträge
SPD feiert Geburtstag: Große Marke ohne Kern und Vision

Große Marke ohne Kern und Vision

150 Jahre mit einem gefühlten Marktanteil von 30 Prozent im Markt ist eine Meisterleistung. Mannesmann oder Quelle könnten ein Lied davon singen, wenn es sie noch gäbe. Glückwunsch für die SPD - und ein Marken-Check.

Gastbeitrag: „Die SPD hat sich nie verleugnet“

„Die SPD hat sich nie verleugnet“

Politik sei das langsame Bohren harter Bretter, sagte Max Weber. In 150 Jahren hat die SPD tatsächlich viel hartes Holz gebohrt und viel erreicht. Für die Zukunft muss sie sich eines bewahren: ihren Mut.

Gastkommentar Lafontaine: Plädoyer für ein neues Währungssystem

Plädoyer für ein neues Währungssystem

Das Eurosystem ist falsch konstruiert und kann nicht funktionieren. Ein Haus, dessen Statik nicht stimmt, bricht irgendwann zusammen. Deshalb brauchen wir ein stabileres neues europäisches Geldsystem.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.