Schuldenschnitt für Griechenland
Nicht schon wieder!

Ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland hätte eine untragbare Folge: den Vertrauensverlust der europäischen Steuerzahler. Dieses politische Problem hätte massive Konsequenzen auf den Finanzmärkten. Ein Gastbeitrag.
  • 101

DuisburgDa ist es wieder, das Gespenst eines erneuten Schuldenschnitts für den griechischen Staat. Angeblich handelt es sich um eine Empfehlung der Troika. Zwar wird dies von offizieller Seite dementiert, aber wo Rauch ist, dürfte auch Feuer sein. Es ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen, wenn man davon ausgeht, dass eine solche Empfehlung zumindest als Option im Troika-Bericht enthalten ist.

Es wäre zudem nicht der erste Vorschlag dieser Art. So hat die Gemeinschaftsdiagnose der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute kürzlich gleichfalls einen Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen für unvermeidlich erklärt.

Dies ist erschreckend. Denn es ist schwer vorstellbar, wie der Euroraum nach einem erneuten Schuldenschnitt je wieder auf die Beine kommen könnte. Dabei ist ein solcher Schritt gut gemeint. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Schuldenlast in Griechenland schlicht zu hoch ist, um je wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden zu können, scheint eine solche Vorgehensweise auf den ersten Blick ja sinnvoll.

Durch einen Schuldenschnitt, bei dem die Staatsanleihen zu einem Stichtag um einen in der Regel hohen Prozentsatz entwertet werden, würde sich die Schuldenlast Griechenlands tatsächlich schlagartig um genau diesen Prozentsatz vermindern und damit auch die hieraus resultierenden Zinszahlungen. So weit so gut.

Doch, wo Schuldner sind, da sind auch Gläubiger, die dem griechischen Staat im Glauben an dessen Fähigkeit, seine Zins- und Tilgungszahlungen zum vereinbarten Termin zu leisten, einen Kredit gewährt haben. Sie verlieren mit dem Schuldenschnitt genau jenen Anteil an Vermögen, um den sich die griechische Staatsschuld vermindert. Nun könnte man meinen, dies geschähe den Zockern an den Finanzmärkten nur recht. Wären sie doch nur vorsichtiger mit ihrem Geld gewesen. Dies ist leider zu kurz gedacht.

Hauptgläubiger des griechischen Staates sind nämlich derzeit keine Zocker und Spekulanten, sondern die Staaten des Euroraums und die EZB. Es wären also im Kern die Steuerzahler des Euroraums, die die Last des Schuldenschnitts zu tragen hätten, weil sich die Verschuldung ihrer Staaten entsprechend erhöhen würde. Sie müssten dann über ihre Steuern eine erhöhte Zinslast aufbringen.

Die Motive der Staaten, Griechenland Geld zur Verfügung zu stellen, waren aber alles andere unseriös. Ihnen ging es um die Rettung des angeschlagenen Staates und nicht um Gewinnspekulation. Ein Schuldenschnitt wäre demnach ein massiver Vertrauensbruch gegenüber dem europäischen Steuerzahler, der in Folge verständlicherweise kaum bereit sein dürfte, weiteren notwendigen Rettungsmaßnahmen zuzustimmen.

Kommentare zu " Schuldenschnitt für Griechenland: Nicht schon wieder!"

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  • Reicht es jetzt nicht langsam????

    Wahlalternative2013.de zeichnen, 2012 in Niedersachen die Freien Wähler wählen, 2013 auf Bundesebene die Freien Wähler wählen, die laut EMNID ein Potential von 17 % haben, Koalition zwischen CDU und Freien Wählern 2013, und 2014 Euro-Austritt Deutschlands. Alles andere ist der sichere Ruin für die deutschen Steuerzahler/Sparer/Rentner!!! Und bis dahin wird's noch teuer genug.

  • Wirklich erstaunlich, wie der Herr Horn plötzlich die Zusammenhänge verstehen lernt. Alle diese jetzigen Entwicklungen wurden durch die Kritiker schon beim ersten
    Schuldenschnitt für Griechenland vorausgesagt.Aber da hat Herr Horn ,wie auch ein Herr Hollande ja noch von Eurobonds und sozialistischer Solitarität für Europa auf Steuerzahlerkosten, besonders der Deutschen geträumt.
    Dumm, wenn einem die Realitäten immer wieder einholen!
    gez.walter werner.artists.de

  • Teil II:

    Vom großen Interrese hier ist aber die Tilgung der letzten 3,2 Mrd. der GR-Anleihen der EZB, und wie sie von dem von ihr selbst geschaffenen klassischen Pyramide-System finanziert wurde:
    Im Juli 2012 gab die EZB bekannt, dass die griechischen Banken praktisch insolvent seien, und dass sie deswegen um ihnen Geld auszuleihen keine Bürgschaften mehr
    von ihnen akzeptieren würde. Wäre das Thema dort geblieben, wäre Griechenland heute pleite. Parallel wäre die Auszahlung der 3,2 Mrd. schweren GR-Anleihe der EZB
    praktisch in die Luft.. Damit es aber nicht so weit kommen konnte, zwinkerte die EZB der Griechischen Bank das Auge zu und gestattete wieder, dass Vermögenswerte der griechischen Banken als Sicherheiten bei ihr akzeptiert wurden, um die GR-Banken auf diese Weise mit von der EZB gedruckten Euros zu finanzieren.

    Nachdem ihr wie oben aufgeführt die EZB das rote Licht gab, emitierte die griechische Regierung am 14 August eine Anleihe von 4 Mrd. Euro mit dreimonatiger Laufzeit aus. Interresant ist zu wissen wer diese Schatzbriefe erwarb? Aber wer sonst, natürlich die insolventen griechischen Banken! Sie nahmen diese
    Schuldverschreibungen, gaben sie an der EZB als Sicherheiten weiter, und holten sich somit von der Zentralbank (aka EZB)4 Mrd. zu 0,75% ausgeliehen, parallel kassierten sie von dem griechischen Staat 4% für diese Erleichterung. Und das insolvente Griechenland zahlte mit den Euros dass es sich mittels der insolventen griechischen Banken von der EZB geliehen hatte die GR-Anleihe der EZB zurück. EZB Gewinn im Handumdrehen 900 Millionen Euro!

    Das einzige was jedoch mittels dieses Recyclings der Verschuldungen erzielt wird, ist die Erhöhung der Schulden des insolventen griechischen Staates und der griechischen Banken bei der EZB.

    Indes ein sehr gefährliches Pyramiden-Recycling von Seiten der EZB zu lasten immer der Südstaaten der Eurozone (zB im August spielte sich ein gleicher Fall von der EZB in Spanien & Italien in Höhe von jeweils
    6 & 8 Mrd Euro

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