Gastbeiträge

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SPD feiert Geburtstag: Große Marke ohne Kern und Vision

150 Jahre mit einem gefühlten Marktanteil von 30 Prozent im Markt ist eine Meisterleistung. Mannesmann oder Quelle könnten ein Lied davon singen, wenn es sie noch gäbe. Glückwunsch an die SPD - und eine Marken-Kritik.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.
Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Gleich auf den ersten Blick sticht ins Auge: Die Zeiten scheinen wie gemacht für die Sozialdemokratie. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Gierhälse, Egoshooter und Bonusjäger werden als  Feindbilder der zivilisierten Welt an die Wand genagelt. Es ist viel Energie im Raum, unsoziales Verhalten zu zügeln und zu sanktionieren. Rückenwind für eine Marke die Gerechtigkeit und ein soziales Herz verspricht – denkt man. Aber das Gegenteil scheint der Fall.

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Im Zentrum des Sturms gingen der Marke 2009 1,5 Millionen Stammkunden von der Fahne. Die gesamte Einwohnerzahl Köln und Düsseldorf zusammen wandte sich in der Wahlkabine von der SPD ab. Diagnose Nummer eins: Die Marke hat kein Bekanntheitsproblem, aber ein massives Wahrnehmungsproblem. Das beginnt schon beim Fundament der Marke: ihrer Produktqualität.

Eine Marke braucht Qualitätsbeweise.

Wer in 150 Jahren gerade 23 Jahren an den Hebeln der Macht saß, hat es schwer sein Können unter Beweis zu stellen. In der Opposition hat man gut reden, aber wenig Handlungsmöglichkeiten. Pures Opponieren gilt nicht als Zeichen von Exzellenz.

Die Agenda 2010 als Voraussetzung für die heutige Stärke unseres Landes für sich zu „claimen“ wäre aus Markensicht ein vielversprechendes Terrain. Doch die Partei ringt schwer mit den schmerzhaften Entschlüssen von damals und überlässt dem politischen Gegner Glanz und Gloria. Ein Fehler.

SPD

Eine Marke braucht eine Kernbotschaft.

Die Oppositionsarbeit verlangt zu jedem Thema eine Meinung und meistens eine andere. In der Masse der Botschaften verwässert die Kernaussage. Was ist Ihre Aufgabe in der Welt? Das große Ganze ist kaum mehr zu erkennen. Der Kern der Marke wird weich und schwammig.

In Zeiten wie diesen, möchte man der Marke konzentriert euch – alle Kraft auf die Gerechtigkeit. Die Forderung nach Tempolimits gehört nicht dazu.

Eine Marke braucht Zukunft durch Herkunft.

Die hohe Schule der Markenführung lehrt uns, erzähle die Markengeschichte von Beginn an und schreibe sie weiter. Die wunderbare Gründungsgeschichte der SPD liefert der Marke starke Wurzeln und kraftvollen Halt.

Es fehlt aber der Blick in die Zukunft. Statt Reparaturbetrieb des täglichen Lebens braucht die Marke das positive Bild nach vorn. Nur wenn die vermutete Zukunft erstrebenswert scheint, begeben wir uns auf die bewegte See. Dieses zukunftsträchtige Bild fehlt.  

  • 27.05.2013, 15:41 UhrALFRED

    "Mannesmann"

    Ohne den "Bindgänger" Esser und seinen engsten Führungs-
    kreis im Vorstand der Mannesmann AG gäbe es diesen Tech-
    nikkonzern natürlich immer noch!
    Der Konzern stand mit seiner Mischung aus erfolgreicher
    und modernisierter Gegenwartstechnik äußerst erfolgreich
    da.
    Zusätzlich hatte er die Kraft, die damals neuartige Tech-
    nik des D2-Netzes zu entwickeln und zu finanzieren. Es
    gab absolut keinen Grund, diesen Konzern zu zerschlagen.
    Außer, daß ein technologie-unfähiger Vorstand die Chance
    witterte, mit der damaligen Handy-Hype den Konzern gün-
    stig loszuschlagen, vor allem für den eigenen Geldbeutel!
    Ca. 130 Mill. DM wurden an alle Vorstände und Aufsichts-
    räte verteilt, streng hierarchisch, nur damit der Deal
    für die Großaktionäre durchgezogen werden konnte!
    Eine große Mehrheit der "normalen" Aktionäre, und vor allem die Mitarbeiter, waren lange Zeit vehement gegen diese unsinnige Zerschlagung!

    Bitte, keinen Vergleich mit der SPD.
    Im Gegensatz zu Bürokratenapparaten, die vom Geld anderer
    leben, wäre Mannesmann gerade heute mit seinen diversi-
    fizierten Technik-Feldern, einer der europäischen Techno-
    logieführer!

    Eine Parallele lasse ich gelten, der Arbeitnehmerteil
    einschließlich IG-Metall-Funktionär im paritätisch mitbestimmten Aufsichtsrat enthielt sich der Stimme, wohlwissend, daß er den Deal nicht "gefährdete"!

    Heute steckt die SPD auch den Kopf in den Sand, obwohl
    eine aktive, kreative Partei für die Leistungfähigen
    wichtiger wäre, denn je! Nicht Umverteilung oder Eu-
    robonds, nicht noch höhere Wohltaten sind zukunftsfähi-
    ge Konzepte, sondern Bildung, Ausbildung und Fortbildung
    für die Besetzung von qualitativ hochwertigen und gutbezahlten Arbeitsplätzen!
    Auch mehr "Marktwirtschaft" wäre stabilisierend für die deutsche und vor allem für die anderen europäischen Volkswirtschaften.

  • 25.05.2013, 20:07 Uhrjoter

    Eine alte Marke kann auch heute noch den Bach runtergehen. Die SPD ist auf dem besten Weg. Gegründet durch Arbeiter, um ihre Interessen zu vertreten, haben die heutigen SPD-Versager die Arbeiter, Rentner und Schwachen geradezu im höchsten Maße brüskiert. Dank Schröder und seiner Clique. Dieser Schaden ruiniert die ganze SPD bis heute. Millionen Wähler haben sich abgewendet und orientieren sich an anderen Parteien oder wählen gar nicht mehr. Obendrein ist die SPD, wie alle Altparteien, für den Ausverkauf unseres Landes verantwortlich. Alles das wollten die Gründerväter der SPD niemals. Somit ist es nur rechtens, wenn die Marke SPD, die längst keine positive mehr ist, in der Versenkung verschwindet. Sie stört nur noch.

  • 24.05.2013, 18:14 Uhrmargrit117888

    Was der Autor über Schröder schreibt, ist absolut richtig.
    Die SPD, hier diese hochgelobte Hannelore Kraft, kreischt ja immer "wir lassen kein Kind zurück" Sie lassen aber jede Menge Kinder zurück mit ihrem Schulquatsch
    Dass früher viel mehr Kinder aus bildungsfernen oder Arbeiterfamilien es schafften, ist eine Tatsache.
    Schröder war das beste Beispiel.
    Nur leider hat er dann auf dem Weg nach ganz oben die Bodenhaftung verloren.
    Schröder hätte ein guter SPD-Führer werden können, aber er unmgab sich dann auch lieber mit den Reichen
    Dann als Kanzler wurde er der Genosse der Bosse, also völlig gegen die SPD. Das zeigt sein völlig falsch installiertes Hartz IV. Er traf damit nicht die, die aus den Sozialhilfe-Dysnastin kamen und wirklich faul sind, sondern den ganz normalen Arbeitslosen und das hat die gesamte SPD bis heute nicht begriffen
    Und sozial ist auch nicht, mit der Gießkanne übers Volk zu gehen, sondern da geben, wo es nöig ist, es aber da lassen, wo es Unsinn ist, z. B. Kindergeld für Reiche. Lafontaine hat das schon vor Jahren gesagt und auch der Unternehmer Stollmann, den Shröder als Wirtschaftsminister wollte. Angepakct hat die SPD nichts

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