Staatsbesuch
Merkels Gang nach Chinossa

Heinrich IV. musste beim Papst betteln, Bundeskanzlerin Merkel reist als Bittstellerin nach China. Dort will sie um Unterstützung bei der Lösung der Schuldenkrise werben. Doch die chinesischen Investoren sind skeptisch.
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Unter dem Druck des schnellen Aufstiegs ihres Landes hat die Pekinger Regierung ein feines Gespür für Macht entwickelt. Politische Gäste bekommen dies zu spüren - im Positiven wie im Negativen. Die deutsche Kanzlerin braucht hier allerdings nicht zu befürchten, unter Wert behandelt zu werden, wenn sie am Mittwoch nach Peking reist.

Sicherlich hält sie manch einer in der chinesischen Regierung nur für die Einäugige unter den Blinden, als diejenige, die im unvermeidlichen Abstieg des Westens noch die beste Figur macht. Die Mehrheit in der Führung ist jedoch realistisch: Die Frau, für die Kommunisten immer Kommunisten bleiben, die Frau, die einst mit dem Dalai Lama Hand in Hand ging, ist für China wichtiger denn je. Und deshalb wird sie auch so behandelt. Das ist keine Frage der Höflichkeit, sondern eine der politischen Präzision.

Merkel führt Europa. Deshalb kann sie es sich auch erlauben, so kurz nach dem chinesischen Neujahr anzureisen. Die Chinakracher sind noch nicht verhallt, da fährt Premierminister Wen Jiabao schon mit ihr nach Guangdong in die erfolgreiche Wirtschaftsregionen in Chinas Süden. So wie schon Premier Li Peng Helmut Kohl in den 90er-Jahren ins Hinterland begleitete; ebenso dessen Nachfolger Zhu Rongji Gerhard Schröder in den 2000ern.

Der Unterschied: Merkel ist in diesen turbulenten Zeiten für Peking wichtiger als ihre beiden Vorgänger zusammen. Das werden Merkels Berater ihr sicher gesagt haben. Aber haben sie ihr auch gesagt, was die Kehrseite der Medaille ist? Und: Hat sie auch zugehört?

Peking wird Merkel ob ihrer herausragenden Position auch in die Pflicht nehmen. Sie trägt nun faktisch die Verantwortung für Europa. Und sie hofft auf Unterstützung in der europäischen Schuldenmisere. Deshalb ist die Rollenverteilung einfach: Peking hört zu, Merkel muss überzeugen.

Die Tonlage aber wird eine neue sein: Die chinesische Regierung hat derzeit die Lust an ihrem alten Spiel verloren, den einen europäischen Staatschef gegen den anderen auszuspielen. Sie will Verbindliches. „Kann Merkel aber ihr Wort halten in diesem europäischen Tohuwabohu?“ lautet eine der wichtigsten Fragen.

Kommentare zu " Staatsbesuch: Merkels Gang nach Chinossa"

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  • Ich sehe in Übernahmen europäischer Unternehmen durch andere chinesische Unternehmen die Gefahr, dass die Technologien nach China exportiert werden und die Produkte dort dann zu niedrigeren Löhnen hergestellt werden.
    Auch habe ich bei Übernahmen durch Unternehmen eines Landes, das nicht gerade für gute Arbeitsbedingungen bekannt ist, die Sorge, dass sich die Arbeitsbedingungen der europäischen Arbeiter (weiter) verschlechtern und die europäischen Politiker sich gezwungen sehen, angesichts der niedrigeren Kosten in China für Löhne, Umweltschutz u. ä. die Kosten in Deutschland zu senken und sich so die Lebensbedingungebn verschlechtern.
    Das Problem besteht natürlich auch so, aber man könnte es beheben, wenn man Mindestarbeitsbedingungen einführen würde, um die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in Europa zu verbessern oder um sie nicht weiter zu verschlechtern und um die Arbeitsbedingungen in China zu verbessern.

  • Die Frau, für die Kommunisten immer Kommunisten bleiben,
    -----------------
    ja klar, sie ist doch das beste Beispiel.

    Was ist das überhaupt für ein Gesülze in diesem Artikel? Der Auto muß Merkel aber wirklich doll lieb haben
    Nachdem Merkel nun mit der Fiskalunion ganz Europa unter ihre Fuchtel bringen will, kommt dann als nächstes die staatsbefohlene Produktion und der Verkauf Europas an die Chinesen.
    Klar, China ist ja auch ein ehemaliges Freundesvolk der ehemaligen DDR
    DDR 2.0, Merkels Ziel von Anfang an ist doch dann erreicht.
    Und dann singen wir wieder alle "Baut auf, baut auf, freie Deutsche Jugend baut auf"
    Kenn ich noch aus Grundschultagen.
    Wie sagte Honecker mal?
    "Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf"
    Und Merkel war schließlich bei Honecker in der Lehre. Paßt doch alles

  • Endlich mal ein Beitrag der sich von dem sonstign Gesülz abhebt.
    Wenn ich hier so eingie Artikel lese, dann wurndert mich nicht, dass Merkel immer noch so viel Zustimmung bekommt.
    Große Teile merken offenbar gar nicht, wie Merkel uns vekauft udn verrät.

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