Stärken ausbauen, Lücken schließen
Zehn Punkte für Deutschlands Zukunft

Ostdeutschland hat aufgeholt, doch die Wirtschaft ist immer noch nicht breit genug aufgestellt für den Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte, sagt Johannes Ludewig. Der ehemalige Bundesbeauftragte für die neuen Länder hat einen Zehn-Punkt-Plan für die deutsche Wirtschaftspolitik im Jahr 2010 entworfen.
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BERLIN. In Ostdeutschland ist in den letzten 20 Jahren eine moderne, leistungsfähige Industrie entstanden, qualitativ hochwertig, aber insgesamt noch nicht stark und breit genug aufgestellt. Hinzu kommen die demografische Herausforderung und die Freizügigkeit von Arbeitnehmern innerhalb der EU, das heißt der immer stärkere Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Hier muss eine auf die Zukunft ausgerichtete Politik für ganz Deutschland ansetzen - in Kombination mit neuen Wegen bei der Integration Niedrig-Qualifizierter. Folgende zehn Punkte sind dabei zentral:

1. Stärkung der Wachstumsmöglichkeiten für bestehende kleine und mittlere Unternehmen durch bessere Eigenkapitalausstattung, z.B. durch einen Sonderfonds (analog zum derzeitigen Krisenfonds) bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau

2. Stärkere Konzentration der Solidarpakt II-Mittel auf Forschung und Innovation in den Unternehmen

3. Auf- und Ausbau der Forschungsinfrastruktur, konsequentere Ansiedlung von Bundeseinrichtungen in Ostdeutschland (immer noch großer Nachholbedarf), Rückführung des öffentlichen Dienstes bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung

4. Gewährleistung bzw. Schaffung attraktiver Ausbildungsbedingungen an Hochschulen und Fachhochschulen, weniger durch immer neue Reformen, sondern durch Verbesserung des Lehrenden/Lernenden-Zahlenverhältnisses

5. Direkte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen/Fachhochschulen, z.B. durch Befreiung von Unternehmensgründungen aus Universitäten bzw. aus Kooperation von Universitäten und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern von Sozialabgaben für die ersten 12 Monate

6. Niedrigere Sozialversicherungsbeiträge für niedrige Einkommen (Stufenkonzept), um Sprungkosten beim Übergang in normale Beschäftigungsverhältnisse zu verhindern

7. Sicherung des Fachkräftebedarfs für Wirtschaft und Unternehmen durch Fort- und Weiterbildung, durch gezielte Anwerbung hochqualifizierter Arbeitskräfte innerhalb der EU sowie durch attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen

8. Direkte Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen: praxisorientierte Fächer, bessere Übergänge zur Lehrlingsausbildung, realistisches Bild der Schüler hinsichtlich kommender beruflicher Anforderungen

9. Erhaltung der vorhandenen Schulstruktur soweit möglich. Gute Betreuung in kleinen Klassen, auch jahrgangsübergreifend, denn wo die Schule geht, stirbt der Ort'

10. Weiterführung und Ausbau der Bürgerarbeit, d.h. Reintegration von Langzeitarbeitslosen durch bezahlte gemeinnützige Tätigkeiten.

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