Gastbeiträge

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Stilkritik: Zu wenig Emotionen, zu wenig Unterhaltung

Obama war nicht gelassen genug. Romney dafür zu aggressiv. Stefan Wachtel, Coach für Spitzenmanager, hat das TV-Duell der US-Präsidentschaftbewerber für Handelsblatt Online analysiert. Ein Kandidaten-Check.

Mitt Romney. Quelle: AFP
Mitt Romney. Quelle: AFP

Neunzig Minuten lang stehen die Bewerber für die US-Präsidentschaft im Fokus der Fernsehkameras, kein Wort, keine Geste, kein Patzer bleibt unbemerkt. Eine ideale Chance, den Auftritt der Kandidaten einer Stilkritik zu unterziehen.

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Mann gegen Mann

Barack Obama wirkt nicht so gelassen wie erwartet, versucht sich an seine Sätze zu erinnern, er spricht statisch, wirkt trotzdem souverän, in scheinbar gleichbleibender Stimmung. Er lässt sich nicht provozieren. Er nutzt seine Hände eher priesterlich (offene Handflächen), harmonisch. Er spricht Romney nie an (er ist immer "governor Romney" oder er spricht in seiner Gegenwart in der dritten Person). Er weiß: Das Publikum ist sein Ansprechpartner. Er spricht mehrmals direkt den Zuschauer an ("Wenn sie glauben, dass dies oder jenes richtig ist, dann ist Romney ihr Kandidat", "the american people have to decide…").

Mitt Romney wirkt gelassen, mit gewinnendem Lächeln, er spricht Obama direkt an ("you"), visiert nahezu ununterbrochen den Präsidenten - Interaktion mit der Kamera vermeidet er. Später wird sein Lächeln statisch. Während Obamas Redezeit wird sein Lächeln leicht geringschätziges Lächeln. Romney wirkt manchmal aggressiv, sarkastisch, das kostet Punkte. Er ist zu authentisch.

Stefan Wachtel bereitet für ExpertExecutive Spitzenmanager auf ihre Auftritte vor. Quelle: Carsten Sander
Stefan Wachtel bereitet für ExpertExecutive Spitzenmanager auf ihre Auftritte vor. Quelle: Carsten Sander

Verhältnis von Inhalt und Form
Beide sind vollkommen inhaltsorientiert. Obama sagt zum Beispiel: 2008 habe er den Bush-Schuldenberg und die Finanzkrise vor sich gehabt. Er spricht in konkreten Zahlen. Er will vor allem Kriegsausgaben kürzen und dafür in Straßen, Brücken und Schulausbildung stecken. Romney will ebenso Ausgaben kürzen und dafür die Effizienz steigern. Fazit: Purer Inhalt, keine rhetorische Verstärkung. So unterhaltsam sind Politiker doch nicht

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