Syrien
Es braucht neue Schritte

Sanktionen genügen nicht: Wenn der Westen wirklich helfen will, müssen humanitäre Korridore in Syrien errichtet werden. Die von der Katastrophe konkret bedrohten Menschen müssen gerettet werden.
  • 1

Vielleicht deuten die vermehrten Massaker des Assad-Regimes auf die Angst des Diktators vor einem Sturz hin. Zumal sich durch den wirtschaftlichen Zerfall einige Geschäftsleute sich von ihm abgewendet haben und ins Ausland geflohen sind. Der Zusammenhalt des Regimes wird außerdem durch eine ganze Reihe von Faktoren bedroht, unter anderem durch den Verlust der Herrschaft über die aufständischen Städte. Der Prozess des Zusammenbruchs sollte jedoch nicht nur durch die Wirtschaftssanktionen befördert werden, die gegen das Regime verhängt wurden.

Durch diese Sanktionen wird zwar der Druck auf das Regime erhöht, insbesondere nachdem der Wert der syrischen Lira gesunken ist, die ausländischen Devisenreserven aufgebraucht sind und keine Beträge mehr in Dollar gewechselt werden können. Doch all dieser Druck hat, gemessen an der zunehmenden Brutalität, vermutlich nicht den gewünschten Effekt, bezahlt den Preis dafür doch das syrische Volk.

Die Preise für Nahrungsmittel sind um das Dreifache gestiegen, der Staat vergibt keine Kredite mehr, und unter der Bevölkerung macht sich Angst breit, es könnten schon bald keine Gehälter mehr ausbezahlt werden. Das Regime wälzt also die wirtschaftliche Notlage auf die von der Katastrophe betroffene Bevölkerung ab, die zudem noch eingeschüchtert, belagert und ermordet wird. Hinzu kommt, dass die Unterstützung durch Iran, China und Russland dem Regime die nötige Sicherheit zum Überleben garantiert.

Wenn die Welt dem syrischen Volk ernsthaft helfen will, dann scheint es dringend geraten, durch vereinte Bemühungen so rasch wie möglich Korridore für die humanitäre Hilfe einzurichten, um den täglich von Massakern bedrohten Menschen Hilfsleistungen zukommen zu lassen. Die Institutionalisierung der Hilfe erfordert die Schaffung neuer, eigens für das syrische Volk gegründeter Organisationen, da die Anzahl der Flüchtlinge, die sich auf Libanon, Jordanien, die Türkei und weitere Exilländer verteilen, von Tag zu Tag steigt. Tausende Familien haben infolge der Bombardierung von Homs, Idlib und Hama ihre Behausungen verloren. Tausende Verletzte sind ohne jegliche medizinische Versorgung, weil die Kliniken zu Folterzentren umgewandelt wurden und Verletzte in den Krankenhäusern ermordet werden. Seit neuestem hat das Assad-Regime sogar damit begonnen, sich durch willkürlichen Beschuss mit schweren Mörsergranaten Zugang zu den Städten zu verschaffen, was die Anzahl der Toten und Verletzten noch einmal erhöhte.

Kommentare zu " Syrien: Es braucht neue Schritte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn die Welt dem syrischen Volk helfen will soll die Unterstützung für die sog. "Rebellen" aka Terroristen eingestellt werden. Davon ab scheren sich die USA und saudi Arabien einen Dreck um das syrische Volk, sie wollen ihren eigenen Interessen durchsetzen und nehmen die Bevölkerung quasi als "menschliches Schutzschild" und Druckmittel. So war es auch im Irak und in Syrien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%