Theo Waigel
Die große Abrechnung mit den Euro-Kritikern

Die Hysterie ist vorbei, der Euro wieder zu einer normalen, relativ starken Währung geworden. Dabei haben sich die Finanzkennziffern Europas in den letzten Wochen kaum verändert.
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Gegenwärtig steht der Euro bei knapp 1,38 im Verhältnis zum Dollar. Die Katastrophenmeldungen auf den ersten Seiten der Zeitungen sind verstummt. In den Feuilletons finden keine Untergangsszenarien statt, und im Wirtschafts- und Finanzteil wird über die Stärke des Euros ganz normal in kleinen Kästen und Vermerken berichtet. Die Dauergäste bei Talkshows von Hankel bis Henkel müssen sich andere Themen suchen, die Abdrucke der Professoren Schachtschneider und Starbatty werden seltener, und die Beschwörungen von Ludwig Erhard durch den Vorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung entbehren der Melodramatik.

Die Hysterie ist vorbei, der Euro wieder zu einer normalen, relativ starken Währung geworden. Dabei haben sich die Finanzkennziffern Europas in den letzten Wochen kaum verändert. Es wurde nur erkennbar, dass die Staatslenker Europas sich endlich zum Euro als einer starken Währung bekannten, notwendige Änderungen des Stabilitätspakts auf den Weg brachten und einige betroffene Länder harte Konsolidierungsprogramme starteten. Plötzlich fällt das Augenmerk der Finanzmärkte dorthin, wo die Fundamentaldaten problematisch sind: Das große Doppeldefizit der USA und ihre Finanzmarktbeziehung zu China werfen größere Fragen auf. Auch die Schuldenhöhe Japans wird stärker diskutiert.

Demgegenüber haben sich die Staaten der Euro-Zone verpflichtet, einen ehrgeizigen Konsolidierungskurs für die nächsten Jahre zu fahren. Die Kommission verlangt von ihnen, innerhalb der nächsten zwei Jahre das Maastrichtkriterium von drei Prozent Neuverschuldung wieder einzuhalten. Die nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik wird künftig in Brüssel bewertet, bevor die Mitgliedstaaten sie beschließen. Dies ist kein Verlust an nationaler Souveränität, sondern die gebotene Koordinierung der Finanz- und Haushaltspolitik.

Klar ist auch, dass künftig stärkere Sanktionen wirken. Hilfen, Zuschüsse und Beihilfen werden nicht unbegrenzt weiter gewährt, wenn ein Staat seine Konsolidierungsverpflichtung verletzt. Der Ausschluss des Stimmrechts ist eine Maßnahme, die ihren Zweck nicht verfehlen wird.

Zu diesen Maßnahmen und zur Konsolidierung gibt es keine Alternative. Es ist dennoch bemerkenswert, wenn Griechenland innerhalb eines halben Jahres sein Defizit von 13,6 Prozent auf unter acht Prozent gesenkt hat. Diese europäische Entschlossenheit, zur europäischen Währung zu stehen, hat ihre Wirkung auf die Märkte nicht verfehlt.

In Deutschland haben auch die Skeptiker in der Wirtschafts- und Finanzbranche zwischenzeitlich gemerkt, dass der deutsche Aufschwung nicht zuletzt der gemeinsamen Währung geschuldet ist. Nach der Einführung des Euros waren die Hochzinsländer zunächst Profiteure dieser Euro-Rendite. Sie konnten ihre hohen Schulden mit niedrigeren Zinsen bedienen. Einige, wie Italien, haben dies zum Teil für die Konsolidierung genutzt. Andere haben diesen Gewinn für den Konsum und den öffentlichen Dienst verschwendet. In den letzten Jahren jedenfalls hat Deutschland durch eine reale Abwertung am meisten profitiert. Die niedrige Inflation, die hohe Arbeitsproduktivität, verantwortungsvolle Abschlüsse der Gewerkschaften, Flexibilität auf den Arbeitsmärkten und die Restrukturierung der Betriebe haben der deutschen Wirtschaft Wettbewerbsvorteile verschafft.

Jene Traumtänzer, die die D-Mark zurückwünschten, sollten an das Jahr 1995 erinnert werden. Die damalige massive DM-Aufwertung führte zum Einbruch bei den Exporten und brachte den Verlust von 500 000 bis 1 000 000 Arbeitsplätzen. Im Jahr danach hatte ich aus diesem Grund mit 80 Milliarden DM einen Negativrekord bei der Neuverschuldung zu verkraften. Etwas Ähnliches wäre Deutschland widerfahren, wenn die D-Mark mit über 20 europäischen Währungen konvertiert hätte. Die Folgen für unsere Investoren, die Exporteure und Importeure und Finanzinstitute wären gravierend negativ gewesen.

Allerdings lehrt die Krise: Die Entschlossenheit der europäischen Staaten hätte stärker zum Ausdruck kommen und die Handlungsbereitschaft durch bessere Abstimmung und weniger Interviews verstärkt werden müssen. Es war höchste Zeit, die Fehler im Stabilitätspakt, die Deutschland und Frankreich im Jahre 2004 verankert hatten, wieder zu revidieren.

Nicht die Währung, nicht der Euro waren das Problem der letzten Monate, sondern die fehlende Entschlossenheit der europäischen Staaten und Staatengemeinschaft. Seitdem diese Korrektur erfolgt, genießt auch der Euro wieder den Wert, den er verdient.

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  • Hallo Zusammen,

    es gibt einige Fakten, die niemand verleugnen kann.

    Fakt Nr. 1 : Die Geldmenge in USD und in Euro zum Gold hat sich innerhalb von 2 Jahren verdreifacht. in der Vergangenheit sehen wir zwar auch eine stetige Geldentwertung nur die Zeitspanne ist eine Andere. Der Zyklus lag bei ca. 30 Jahren.

    Fakt Nr. 2: ich habe den Eindruck dass, die EZb der FED bis in den letzten Abgrund folgt. Sorry, aber da frage ich mich nach dem Sinn dieser Einrichtung. Wieso sind die Leitzinsen so niedrig und wem dient das Ganze ? Also mir nicht, ich zahle bei meiner bank nach wie vor für ein Darlehen 12%. Wie soll da die Wirtschaft durch die Geldmenge belebt werden?

    Fakt Nr. 3: Was kostet der Liter Super an der Tankstelle ca. 1,45 Euro entspricht etwa 2,83 DM. einige werden sagen, fahr doch weniger mit dem Auto. Auch das ist nicht das Problem. Alles was ich kaufe wird transportiert. ich glaube nicht das ein Aldi, Lidl oder wie auch immer dies dem Endverbraucher nicht aufschlägt. Zudem heize ich mit Gas, der Preis ist ja an den Oilpreis gekoppelt. Nur wenn der ansteigt wird der fast in Real-Time weitergegeben. Wenn der Oilpreis sinkt, wartet der Anbieter erst drei Monate.

    Fakt Nr. 4: Mein Empfinden ist, die letzte Dollar-Rally hat dem Euro so sehr geschadet, dass dies lange in den meisten Köpfen der Menschen bleibt (..unabhängig ob der aktuelle Kurs noch die nächsten 6 Monate künstlich steigt).

    Fakt Nr. 5: Hauptgläubiger der EU ist Deutschland. Wie lange möchte/wird Deutschland für Schulden anderer Staaten zahlen (müssen) ?
    bis wir wieder einen Krieg haben?.

  • Was raucht, bzw. trinkt der Mann, um so einen blödsinn zu verzapfen? Fakt ist, dass man mit dem Rettungsschirm über mehr als 700MR€ einfach Zeit gekauft hat. Man hat sozusagen den Schrecken ohne Ende dem Ende mit Schrecken vorgezogen und dabei auch gleich noch den ersten Schritt in die Transferunion getan, was bei der Einführung des Euro als Möglichkeit immer bestritten wurde!
    Ansonsten hat sich nix geändert: Griechenland pleite, Divergenz statt Konvergenz zwischen Nord- und Südeuropa und ein Stabilitätspakt, der nicht funktioniert. Dazu eine EZb, die jeden Schrott aufkaufen muss, was ebenfalls undenkbar war.

    Die von Waigel genannten Herren Strabatty und Hankel haben es genauso vorausgesagt und ihre Meinung nicht geändert. Jetzt versucht man, das „deutsche System“ mit Gewalt auf die ganze EU auszudehnen. Ob Länder wie Spanien, Griechenland und auch Frankreich das mit beschließen und auf Dauer mitmachen werden, steht in den Sternen. Am Ende gibt es wahrscheinlich einen Finanzausgleich und alle sind wieder froh, Deutschland bezahlt. Und dann wird fleißig Geld gedruckt, um die ganzen Schulden zu bedienen und noch mehr Schulden zu machen. Die USA machen es vor!

    Vielleicht sollten Dummschwätzer wie Waigel, Kohl und alle anderen Nasen, die uns diese Kunstwährung eingebrockt haben, dazu gezwungen werden, mit ihren Vermögen und Pensionen für die Stabilität ihres geliebten Euro zu garantieren. Dann wäre der Herr Waigel vermutlich längst in behandlung beim Nervenarzt...

  • Waigel ist ein naiver Schönredner, der seine eigene Fehlleistung bei der Missgeburt des Euro verbergen will. Der Euro ist totgeweiht, und nur Gold, Silber, Schweizer Franken, Australischer Dollar, brasilianischer Real und Schekel werden überleben. in israel lachen sich die investoren über die naiven Europäer kaputt

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