Umstrittene Investoren-Lösung
Opel-Deal – und viele Fragen offen

Ist Opel wirklich gerettet? Vorerst zumindest. Wie lange, das steht in den Sternen. Ob „New Opel“ auch mittelfristig am Markt ohne weitere Staatshilfe überleben kann, ist sicherlich fraglich. Wer kann schon prognostizieren, welches Unternehmen in fünf bis zehn Jahren die Autos bauen wird, die den Verbrauchern am besten gefallen?
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Ist Opel wirklich gerettet? Vorerst zumindest. Wie lange jedoch – das steht in den Sternen. Ob „New Opel“ auch mittelfristig am Markt ohne weitere Staatshilfe überleben kann, ist kaum zu prognostizieren und sicherlich fraglich. Wer kann schon prognostizieren, welches Unternehmen in fünf bis zehn Jahren die Autos bauen wird, die den Verbrauchern am besten gefallen?

Das kann im Grunde niemand, aber normalerweise müssten wir das auch gar nicht wissen. Wer glaubt, dass dies Opel sein wird, kann diese Wette eingehen und sich mit seinem Geld am Unternehmen beteiligen. Wer eher an ein anderes Unternehmen glaubt, kann dessen Aktien kaufen. Und wer gar nicht darauf wetten will, der muss das auch nicht tun. So war es jedenfalls bis vor Kurzem. Jetzt aber werden wir als Steuerzahler allesamt gezwungen darauf zu wetten, dass New Opel mittelfristig bessere Autos bauen wird als bisher, also Autos, die den Verbrauchern mehr wert sind als es sie zu produzieren kostet.

Das war zuletzt nicht der Fall. Die Zulassungszahlen für Opel in Deutschland sind von knapp 350 000 im Jahr 2005 auf unter 260 000 im Jahr 2008 gefallen, das ist ein Rückgang von mehr als 25 Prozent. Bei Mercedes, BMW, Audi und VW hingegen waren die Absatzzahlen 2008 nur unwesentlich verändert gegenüber 2005. Zwar hat auch Ford in 2008 etwa 10 Prozent weniger Autos verkauft als 2005, andere wie Fiat hingegen haben um etwa 30 Prozent in Deutschland zugelegt. Warum sollen wir nun glauben, dass es mit Opel nun wieder bergauf geht?

Ganz im Gegenteil, es ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Neuwagen nach dem Abwrackboom erst einmal einbrechen wird, die Zeiten für die Automobilbranche also noch schwieriger werden. Und von dem Abwrackboom hat in Deutschland besonders Opel profitiert – denn die Abwrackprämie hat vorübergehend eine klare Marktanteilsverschiebung zugunsten von Opel bewirkt. Der folgende „Abwrackkater“ könnte Opel also besonders hart treffen.

Auch die sehr kritischen Äußerungen der beiden Vertreter des Bundes und der Länder im Beirat der Opel-Treuhand, Manfred Wennemer und Dirk Pfeil, über die mangelnde Zukunftsfähigkeit Opels und den mangelnden Restrukturierungswillen stimmen sehr nachdenklich und geben Anlass zu allergrößter Skepsis. Zahlreiche Fragen, insbesondere Finanzierungsfragen bleiben offen, auch die genauen Vertragsbedingungen sind weitgehend unbekannt und daher nicht zu beurteilen.

Und ganz abgesehen davon, dass das Geld des Steuerzahlers hier sehr riskant angelegt sein dürfte, werden durch die Staatshilfen Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten anderer Automobilhersteller ausgelöst. Jeder verkaufte Opel ist ein nicht verkaufter Ford, VW oder anderer PKW. Die Monopolkommission hat daher bereits im Januar die ausgelösten Wettbewerbsverzerrungen deutlich kritisiert, ich selbst habe danach wiederholt auf die Probleme und Risiken hingewiesen. In Wahlkampfzeiten ist aber bedauerlicherweise für rationale Betrachtungsweisen nicht immer viel Platz. Von daher ist es wenigstens beruhigend, dass dieser teure Wahlkampf bald vorüber ist.

Die Monopolkommission berät die Bundesregierung als unabhängiges Expertengremium in Wettbewerbs- und Kartellfragen. Ihre fünf Mitglieder kommen aus Wissenschaft und Wirtschaft und werden auf Vorschlag der Bundesregierung für jeweils vier Jahre vom Bundespräsidenten berufen. Vorsitzender ist der Wirtschaftsprofessor Justus Haucap.

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